Mit lediglich 14 Losen macht die Briefmarkenauktion nur einen geringen Teil der mehr als 1000 Lose starken Septemberauktionen des Münchener Auktionshauses Hampel aus. Es versammeln sich in ihr aber gleich so viele besondere Raritäten, dass wir Ihnen die Auktion einmal genauer vorstellen möchten. Schließlich warten 9 der 14 Lose mit Schätzpreisen über 100.000 auf!

Mit dem höchsten Schätzpreis kommt dieser Briefumschlag mit äußerst seltener Marke zum Aufruf. Der Brief wurde 1860/61 auf dem Bermudas aufgegeben. Die Bermudas, die noch immer britisches Überseegebiet sind, waren damals eine Kolonie innerhalb des Empire. Als der Brief geschrieben wurde, hatten die Bermudas noch keine eigenen Briefmarken. Stattdessen gab es ab 1848 provisorische Postmeister-Ausgaben, die bis 1861 verwendet wurden. Aus jenem Jahr stammt der in der Auktion vorliegende Brief, der mit einer 1 Penny-Marke in rot auf azurblauem Grund frankiert und mit einem Tintenkreuz entwertet wurde. Von dieser Postmeister-Ausgabe sind lediglich 2 Exemplare bekannt. Eine Rarität von Weltrang!

Das folgende Los ist in vielerlei Hinsicht sehr interessant. Der Block besteht aus 35 Doppeldrucken mit Kehrdruck, auch Tête-bêche ("Kopf bei Fuß liegend") genannt, ein Verfahren, das zur besseren Unterscheidung der einzelnen Marken eines Bogens verwendet wird. Bei den Marken selbst handelt es sich um "Schwarze Einser" aus Bayern. Diese waren die ersten Briefmarken, die auf deutschem Gebiet 1849 ausgegeben wurden. Das museumsreife Los stammt aus der Sammlung von Pierre Mahé (1833-1913), einem bedeutenden Briefmarkenhändler mit mehreren Geschäften in Paris.

Drei Jahre nachdem im Königreich Bayern die erste Marke ausgegeben worden war, wurde im Kurort Kissingen ein Brief aufgeben, dessen Adressat in Frankreich lebte. Freigemacht wurde der Brief mit einer spektakulären Mischfrankatur aus einer bayerischen 9 Kreuzer-Marke grün und einer französischen 25 Centimes Cérès-Marke blau. Neben den bayerischen Mühlradstempeln und einem Halbkreisstempel aus Kissingen ist der Brief auch mit einem orangenen Grenzübergangsstempel versehen.

Bei diesem Los, das vermutlich einzigartig ist, handelt es sich tatsächlich nur um ein Viertel einer Marke, genauer gesagt um eine graue 4 Centimes-Marke, die auf dem Bulletin de a guerre vom 14. Januar 1871 typographisch entwertet wurde. Das Bulletin war die Beilage der Zeitung Echo de la Sologne und diente zur Berichterstattung im Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71.

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Zwei weitere hochinteressante Lose aus Frankreich sind eine postfrische 1 Franc-Marke in kräftigem Zinnoberrot sowie eine 20 Centimes Cérès in Schwarz. Der Brief mit der schwarzen 20 Centimes-Marke wurde am 1. Januar 1849 aufgegeben, dem ersten Tag der Ausgabe der Marke - ein einzigartiges und außergewöhnliches Los!

Die Double de Genève war die erste Briefmarken, die 1843 vom Kanton Genf ausgegeben wurde. Das Besondere an dem Objekt ist die gemeinsame Kopfleiste, die die beiden einzelnen Marken miteinander verbindet. Als die Double de Genève ausgegeben wurde, gab es in der Schweiz noch kein einheitliches Postwesen und jedes Kanton hatte seine eigenen Marken. Die Vereinheitlichung erfolgte 1849. Die Double de Genève blieb jedoch noch bis 1854 gültig.

Ein weiterer Brief mit Mischfrankatur wurde 1850 in Triest aufgeben. Das norditalienische Triest gehörte damals zum österreichischen Kaiserreich, weshalb der Brief mit zwei österreichischen Kreuzer-Marken frankiert wurde. Bei der dritten Marke handelt es sich um eine 4 Baiocchi-Marke des Kirchenstaates. Auf dessen Gebiet lag damals die Stadt Foligno, der Wohnort des Adressaten. Baiocci war die historische Münzwährung, die im Kirchenstaat im Umlauf war.

Zum Schluss noch ein Los, das es niemals hätte geben dürfen. Ein Bogen mit  16 Exemplaren der 20 Mark Bayern lag 1920 in der Saarbrücker Postverwaltung vor und wurden amtlich überdruckt. Danach kam die Dienstanweisung, dass nur Marken mit einem Nennwert bis 10 Mark überdruckt werden sollten. Die bereits überdruckten 20 Mark-Briefmarken wurden dennoch postintern verwendet oder an hochstehende Persönlichkeiten verschenkt. In der Auktion liegt eines der zwei postfrischen Marken dieses Bogens vor. Eine Großrarität, die ihren Schätzpreis im sechsstelligen Bereich auf jeden Fall wert ist.

Die Briefmarkenauktion findet am 28. September im Auktionshaus Hampel statt. Weitere Kategorien an diesem Tag sind Gemälde Alter Meister und des 19. Jahrhunderts, Impressionismus und Moderne Kunst, Art Déco, außereuropäische und russische Kunst, Juwelen, Bronzen und noch vieles mehr. Beginn der Versteigerungen ist um 10 Uhr. Die Möglichkeit einer Vorbesichtigung besteht vom 23. bis 27. September.

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