Das Drama Die Räuber erzählt die Geschichte zweier unterschiedlicher Brüder aus gräflichem Elternhaus. Der ältere, Karl, der Lieblingssohn des alten Grafen, schließt sich nach einer Intrige seines jüngeren und bis dato vernachlässigten Bruders Franz einer Räuberbande an und wird schließlich zu deren Anführer gewählt. Die Einheit Bande, die sich selbst als ehrenvoll betrachtet, da sie Armen und Schwachen hilft, droht durch die Umtriebe des skrupellosen Moritz Spiegelberg zu zerbrechen. Verkleidet kehrt Karl in sein Elternhaus zurück, um festzustellen, dass Franz dort inzwischen die Macht in Händen hält und zudem versucht, Karls Verlobte Amalia für sich zu gewinnen. Der alternde Vater ist Franz hilflos ausgeliefert. Karl will dem Ganzen nun gemeinsam mit seinen Räubern ein Ende bereiten. Franz nimmt sich jedoch das Leben, um der gerechten Strafe zu entgehen. Amalia, die Karl immer noch liebt, möchte mit diesem fortgehen. Doch durch einen geleisteten Eid ist er auf ewig an seine Räuber gebunden. Er erfüllt Amalias Wunsch, ihrem Leben ein Ende zu bereiten und beschließt, sich selbst der Justiz auszuliefern.

Friedrich Schiller, gemalt von Ludovike Simanowiz, 1794 Friedrich Schiller, gemalt von Ludovike Simanowiz, 1794

Friedrich Schiller (1759 Marbach - 1805 Weimar) begann mit der Arbeit an seinem ersten (noch erhaltenen) Schauspiel Die Räuber im Jahr 1776. Zu diesem Zeitpunkt studierte er Medizin an der Karlsschule, der herzoglichen Militärakademie in Stuttgart. Der sensible Schiller besuchte die Schule gegen seinen Willen auf persönlichen Befehl des Herzogs Carl Eugen von Württemberg und litt unter dem harten Drill, der dort herrschte. Gemeinsam mit Freunden las er die philosophischen Schriften der Aufklärung: Voltaire, Rousseau, Klopstock und Goethe. Nach seiner Dissertation zum Thema Versuch über den Zusammenhang der thierischen Natur des Menschen mit seiner geistigen wurde Schiller Militärarzt in der württembergischen Armee.

Unzufrieden mit seiner Situation, die ihm nur ein bescheidenes Einkommen und keine Aussicht auf eine Beförderung brachte, arbeitete Schiller weiterhin auf literarischer Ebene. 1781 vollendete er Die Räuber, das er noch im selben Jahr anonym im Selbstverlag bei Metzler in Stuttgart drucken ließ. Ein Erfolg blieb zunächst aus. Von den 800 gedruckten Exemplaren verwendete Schiller einige, um die Löcher in den Wänden seiner bescheidenen Behausung zu stopfen. Schließlich verkaufte er sie an ein Antiquariat, wo sie bald darauf vermutlich makuliert wurden, sodass heute kaum noch welche zu finden sind. Der Erfolg kam schließlich mit der Uraufführung in Mannheim am 13. Januar 1782. Vor allem das junge Publikum begeisterte sich am Vorabend der Französischen Revolution für das im Stück propagierte Ideal der Selbstbestimmung und der Kritik an der herrschenden Klasse. Dass der Erfolg für Schiller eher unerwartet kam, zeigt die Tatsache, dass er sich für die Bearbeitung der Neuauflage ein Exemplar beim Stuttgarter Verleger Cotta ausleihen musste.

"Schiller liest die Räuber im Bopserwald", Skizze von Viktor Wilhelm Peter Heideloff, der gemeinsam mit Schiller die Karlsschule besuchte "Schiller liest die Räuber im Bopserwald", Skizze von Viktor Wilhelm Peter Heideloff, der gemeinsam mit Schiller die Karlsschule besuchte

Schiller wohnte der Uraufführung unerlaubt bei, wofür ihn zwei Wochen Arrest auferlegt wurden. Auch in der Folgezeit spitzte sich sein Konflikt mit seinem Landesherrn, dem Herzog von Württemberg, weiter zu, was schließlich zur Schillers endgültiger Flucht aus seinem Heimatland führte.

Schiller auf der Flucht aus Württemberg mit seinem Freund Andreas Streicher. Gemälde von Max Stieler (1825-97). Schiller ist in "Werther-Tracht" dargestellt: Goethes Titelheld aus "Die Leiden des jungen Werthers" trug eine blaue Jacke und gelbe Hosen, ein "Outfit", das von der begeisterten jungen Leserschaft aufgegriffen wurde und zu einem Erkennungszeichen des Sturm und Drang wurde. Schiller auf der Flucht aus Württemberg mit seinem Freund Andreas Streicher. Gemälde von Max Stieler (1825-97). Schiller ist in "Werther-Tracht" dargestellt: Goethes Titelheld aus "Die Leiden des jungen Werthers" trug eine blaue Jacke und gelbe Hosen, ein "Outfit", das von der begeisterten jungen Leserschaft aufgegriffen und zu einem Erkennungszeichen des Sturm und Drang wurde.

Eine der seltenen Erstausgaben von Friedrich Schillers Die Räuber wird nun im Auktionshaus Kiefer versteigert. Das brisante Werk erschien nicht nur anonym, sondern war auch mit einer falschen Ortsangabe versehen (Frankfurt am Main und Leipzig). Illustriert ist sie mit zwei Vignetten des Augsburger Kupferstechers Johannes Esaias Nilson.

Die Buch- und Kunstauktion findet am 6. und 7. Oktober jeweils ab 11 Uhr im Antiquariat Peter Kiefer in Pforzheim statt. Zum Aufruf kommen mehr als 6000 Lose mit Büchern, Handschriften, Grafik, Fotografie und Antiquitäten. Eine Besichtigung der Objekte ist vom 1. bis 5. Oktober möglich.

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