Untrennbar miteinander verbunden sind der deutsche Dichterfürst Johann Wolfgang von Goethe und der "Weimarer Musenhof".

Goethe, der sich zu jenem Zeitpunkt (wieder einmal) von einer gescheiterten Liebe erholte, nahm 1775 eine Einladung des jungen Herzogs Carl August von Sachsen-Weimar-Eisenach an, in das kleine Städtchen Weimar zu kommen. Weimar hatte sich damals bereits einen Namen gemacht, nachdem Carl Augusts Mutter Anna Amalia während der Vormundschaftsregierung für ihren minderjährigen Sohn, den bedeutenden Dichter Christoph Martin Wieland zum Erzieher der beiden Prinzen ernannt hatte.

Links: Johann Wolfgang von Goethe, Portrait von Joseph Karl Stieler (1828) | Rechts: Herzogin Anna Amalia von Sachsen-Weimar-Eisenach, Portrait von Johann Ernst Heinsius (1769) Links: Johann Wolfgang von Goethe, Portrait von Joseph Karl Stieler (1828) | Rechts: Herzogin Anna Amalia von Sachsen-Weimar-Eisenach, Portrait von Johann Ernst Heinsius (1769)

Während Goethe sich neben seinem literarischen Werk auch als Geheimrat in herzoglichen Diensten betätigte, begründete die Herzoginmutter Anna Amalia den berühmten "Weimarer Musenhof", der weitere Geistesgrößen nach Weimar lockte, darunter Johann Gottfried Herder und Friedrich Schiller. Weimar wurde so zum kulturellen Zentrum Deutschlands, das auch im 19. Jahrhundert noch die Standards festlegte.

1832 starb Goethe, schließlich doch noch glücklich verheiratet mit Christiane Vulpius, in Weimar. Sein Enkel und letzter Nachfahre Walther von Goethe setzte bei seinem Tod 1885 Großherzogin Sophie von Sachsen-Weimar-Eisenach als Alleinerbin der Schriften seines berühmten Vorfahren ein. Vier Jahre später folgte die Überantwortung der Schriften Schillers. Sophie initiierte daraufhin nicht nur die Einrichtung des heutigen Goethe und Schiller-Archivs in Weimar, sondern auch die erste umfassende und kritische Ausgabe von Goethes Werk in 143 Bänden. Diese Sophien- oder Weimarerausgabe genannte Edition ist die schönste ihrer Art.

Links: Sophienausgabe der Werke Goethes in 143 Bänden, Weimar 1889-1918 | Rechts: Großherzogin Sophie von Sachsen-Weimar-Eisenach, Portrait von Charles Verlat (1870) Links: Sophienausgabe der Werke Goethes in 143 Bänden, Weimar 1889-1918 | Rechts: Großherzogin Sophie von Sachsen-Weimar-Eisenach, Portrait von Charles Verlat (1870)

Die erste der vier Abteilungen der Ausgabe umfasst Goethes dichterische Werke, darunter Die Leiden des jungen Werther, Faust I und 2, Dichtung und Wahrheit, Götz von Berlichingen und Wilhelm Meister. In der zweiten Abteilung folgen Goethes naturwissenschaftliche Schriften, u.a. über die Farbenlehre, Abteilung III und IV beinhalten Tagebücher und Briefe.

Den Auftrag für die Publikation der Sophienausgabe erhielt der Weimarer Böhlau Verlag, der die Bände zwischen 1887 und 1918 veröffentlichte.

Die Versteigerung im Berliner Auktionshaus Jeschke Van Vliet bietet nun am 23. März die großartige Gelegenheit, eine vollständige Sophienausgabe zu ersteigern. Die Auktion umfasst mehr als 700 Lose mit wertvollen Büchern, alter und neuer Kunst sowie Antiquitäten aus Adelsnachlässen und bürgerlichem Besitz.

Einige weitere Lose der Auktion sehen Sie im Folgenden.

In einer Erstausgabe liegt ein Exemplar des ersten illustrierten Kochbuches in deutscher Sprache vor. Verfasst wurde es von Marx Rumpolt, der Koch an verschiedenen Fürstenhöfen in Europa war. Als er das Werk verfasste, war Rumpolt Mundschenk am kurfürstlichen Hof in Mainz. Gewidmet hat er es jedoch einer früheren "Chefin", der Königin von Dänemark.

Rumpolts Werk ist nicht nur das erste illustrierte Kochbuch Deutschlands sondern dort auch das erste, dass man als erstes Lehrbuch für professionelle Köche bezeichnen kann. Neben den den 149 Textholzschnitten beinhaltet es auch mehr als 2000 Rezepte und Ratschläge zur Kellermeisterei.

Eine Notenhandschrift in brauner Tinte hat Ludwig van Beethovens Klavierstück Marcia zum Thema. Beethoven komponierte das Stück anlässlich der Belagerung von Missolonghi während des Griechischen Freiheitskampfes gegen das Osmanische Reich in den 1820er Jahren. Die Revolution in Griechenland wurde in Europa allgemein begrüßt, viele Intellektuelle beteiligten sich sogar aktiv daran, u.a. der englische Dichter Lord Byron, der in Missolonghi starb - an Malaria.

Ein weiteres interessantes Schriftstück aus dem Jahr 1500 ist ein Schreiben des deutschen Kaisers Maximilian I. an den Bürgermeister und Rat in Augsburg. Thema des Schreibens ist die reiche Kaufmannsfamilie Fugger, die für die Habsburger von großer Bedeutung waren. Maximilian lieh sich immer wieder Geld von ihnen und finanzierte damit nicht nur seinen eigenen Aufstieg, sondern auch die Wahl von dessen Enkel Karl zum römisch-deutschen König.

Viele weitere interessante Schreiben kommen in der Auktion zum Aufruf, u.a. von verschiedenen deutschen Kaisern und französischen Königen sowie dem russischen Zar Peter I.

Ein schönes Zeitdokument der Nachfahren Peters I. kommt in der Auktion ebenfalls zum Aufruf: Ein Galeriebild mit 1 Lithografie und 10 Originalfotografien von ca. 1880. Die Lithografie zeigt Zar Nikolaus I. zu Pferd. Um das zentrale Motiv herum sind ovale Fotografien von seiner Familie und den Nachfahren versammelt, darunter Zar Alexander III. und dessen Gemahlin Maria Fjodorowna sowie Zar Nikolaus II.

Ein hochinteressantes Los für alle Hundefreunde ist die Hunde-Gallerie oder naturgetreue Darstellung des Hundes in drei und vierzig reinen unvermischten Racen, mit einer kurzen Einleitung und Beschreibung jeder Race von Theodor Götz aus dem Jahr 1838. Das Werk umfasst 32 handkolorierte Aquatintatafeln und gilt als das schönste seiner Art zum Thema Kynologie in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts.

Wir verweilen noch einwenig im zoologischen Bereich, wechseln jedoch das Medium. Aus feinstem Porzellan wurde in der Manufaktur Meissen nach 1934 dieses seltene Fischservice für 6 Personen hergestellt. Umgeben von einem Goldrand zeigt die Aufglasurmalerei Süßwasserfische wie Forellen, Karpfen, Barsche und Zander. Das Service wird heute nicht mehr in Meißen hergestellt.

Alle Objekte der Auktion können am 17. sowie vom 19.-22. März im Auktionshaus torbesichtigt werden. Beginn der Auktion ist am 23. März um 15 Uhr.

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