Die prachtvolle Publikation, die eines der Top-Lose der kommenden Auktion bei Kiefer Buch- und Kunstauktionen darstellt, wurde 1856 anlässlich der Krönung Zar Alexanders II. und dessen Frau Maria Alexandrowna, geborene Marie v. Hessen-Darmstadt, am 26. August herausgegeben.

Die Beschreibung der Krönung Ihrer Kaiserlichen Majestäten, Kaiser Alexander II und Kaiserin Maria Alexandrowna aller Russen umfasst 32 Textillustrationen sowie 18 ganzseitige Chromolithografien, die nach Vorlagen von Zichy, Timm, Sorieul, Bagantz, Blanchard, Teichel u.a. angefertigt wurden.

Die farbigen Lithografien zeigen sehr detailliert den Ablauf der aufwändigen Krönungsfeierlichkeiten und bieten einen hochinteressanten Einblick in die vergangene Pracht des Russischen Zarenreiches.

Die Krönung des Zaren bzw. Kaisers war im Russischen Reich von immenser Bedeutung, die mit ihren umfangreichen Zeremonien und Ritualen den Herrschaftsanspruch des jeweiligen Monarchen unterstrich. Das Krönungsprozedere nach byzantinischen Vorbild blieb seit der Krönung Iwans IV. des Schrecklichen zum Zar des gesamten Russlands im Jahr 1547 bestehen, erfuhr in den nächsten 350 Jahren aber immer wieder einige Änderungen, die den jeweiligen Umständen angepasst waren.

Die wichtigste Änderung geschah unter Peter dem Großen, der nach westlichem Vorbild ab 1721 den Titel eines Kaisers annahm und neben der Krönung mit der Zarenkrone, der Mütze des Monomach, die Krönung mit der Kaiserkrone einführte. Die Krönung erfolgte nun auch nicht mehr durch den Patriarchen von Moskau, also dem Oberhaupt der russisch-orthodoxen Kirche, sondern durch den Zaren selbst, der im Anschluss an seine Selbstkrönung auch seine Gemahlin zur russischen Kaiserin krönte.

Da Peter der Große 1712 das von ihm gegründete Sankt Petersburg zur Hauptstadt Russlands machte, wurde der feierliche Einzug des Monarchen in die traditionelle Krönungsstadt Moskau unter seinen Nachfoldern zum festen Bestandteil der Krönungsfeierlichkeiten, bei der der Zar (oder die regierende Zarin) der Parade auf einem weißen Pferd voranritt.

Traditioneller Krönungsort war die Mariä-Entschlafens-Kathedrale (oder Uspenski-Kathedrale) aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts im Moskauer Kreml. Vor und nach der Krönungszeremonie fanden dort festliche Prozessionen mit dem Zar und der Zarin, der kaiserlichen Familie und hohen Würdenträgern statt, die sich anschließend im Facettenpalast, dem ältesten Teil des Großen Kreml Palastes, zu einem Bankett niederließen.

Die Feierlichkeiten in Moskau konnten sich nach der Krönung über Monate hinziehen und beinhalteten Empfänge, Volksfeste und Besucher diverser Theater- und Ballettaufführungen im Bolshoi-Theater. Den Abschluss bildete eine Pilgerfahrt der Zarenfamilie ins Dreifaltigkeitskloster in Sergijew Possad.

Der vorliegende Band mit der Beschreibung der Krönung Ihrer Kaiserlichen Majestäten, Kaiser Alexander II und Kaiserin Maria Alexandrowna aller Russen, der als Geschenk an Gäste und Zeugen überreicht worden war, besticht nicht nur durch seine schöne farbige Ausstattung, die ihn zu einem der bedeutendsten Druckwerke Russlands im 19. Jahrhundert machen. Es handelt sich zudem um eine der seltenen Ausgaben in russischer Sprache und kyrillischer Schrift, von der weniger Exemplare existieren als von der französischen Variante.

Die Auktion findet am 5. und 6. Oktober im Auktionshaus Kiefer in der Steubenstraße 36 Pforzheim statt. Auktionsbeginn ist an beiden Tagen um 11 Uhr. Vorbesichtigungen können vom 1.-4. Oktober jeweils von 11-18 Uhr vorgenommen werden.

Zu den weiteren Highlights der Auktion zählen u.a. ein Gemälde von Gustave Courbet, ein großer Guckkasten aus dem 18. Jahrhundert, eine IWC Savonette Ref. 5450, ein Gabriele Münter zugeschriebenes Gemälde sowie eine Erstausgabe von Francisco de Goyas Los desastres de la guerra.

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