Die Schedel'sche Weltchronik, nach ihrem Entstehungsort auch Nürnberger Chronik genannt, ist das Hauptwerk des vielseitig gebildeten Nürnberger Bürgers Hartmann Schedel (1440-1514). Hartmann Schedel studierte an der Universität Leipzig und schloss sein Studium 1459 mit dem Magister artium ab. Neben seinem geisteswissenschaftlichen Studien besuchte Schedel auch Vorlesungen in weltlichem und Kirchenrecht.

Während seiner Leipziger Jahre kam er auch mit Peter Luder in Kontakt, der begonnen hatte, die humanistischen Lehren in Deutschland zu verbreiten. Schedel schloss sich dem Kreis an. 1463 ging er mit Peter Luder nach Padua, wo er in Medizin, Anatomie und Chirurgie promovierte. Nach seiner Rückkehr nach Deutschland war Schedel an verschiedenen Orten als Arzt tätig, ab 1482 in seiner Heimatstadt Nürnberg, wo er als hoch geachteter Bürger lebte.

Neben seiner Arbeit als Arzt betätigte sich Schedel auch als Autor. Bereits in den 1460er Jahren hatte er eine Liedersammlung herausgegeben, zwei medizinische Rezeptsammmlungen folgten. Sein Hauptwerk ist jedoch die Weltchronik, die 1493 unter dem Titel libri cronicarum cum figuris et ymagibus zunächst in lateinischer Sprache erschien. Bereits im gleichen Jahr erschien eine deutsche Ausgabe. Übersetzer war der seit 1473 in Nürnberg niedergelassene Historiograph Georg Alt (um 1450-1510).

Die Schedel'sche Weltchronik entstand in Tradition gleichartiger Schriften des Mittelalters und ist in sieben Weltzeitalter aufgeteilt: 1. Die Schöpfungsgeschichte bis zur Sintflut, 2. das darauffolgende Zeitalter bis Abraham, 3. die Zeit bis König David, 4. die Zeit bis zum Babylonischen Exil, 5. das Zeitalter bis zur Geburt Christi, 6. Christi Geburt bis Schedels Gegenwart sowie 7. eine wenig erbauliche Aussicht auf das Jüngste Gericht und den Weltuntergang.

Der umfangreichste Teil der Weltchronik ist der 5., der die etwa 1500 Jahre von der Geburt Christi bis etwa 1493 umfasst. In ihm werden die wichtigsten weltlichen und religiösen Ereignisse, Naturereignisse und Entwicklungen jener eineinhalb Jahrtausende chronologisch dokumentiert. Es finden sich die Erbfolgen der Römischen und später der Römisch-deutschen Kaiser sowie die Chronologie der Päpste. Auch das Schicksal diverser Märtyrer wird auf den ersten Seiten dieses Teils ausführlich beschrieben.

Auch die ersten Teile stützen sich nicht nur auf die biblischen Überlieferungen, sondern beschreiben auch die Antike Welt mit ihren Wissenschaftlern, Philosophen und Herrschern. Man stößt auf Alexander den Großen, seinen Lehrer Aristoteles und auf Kleopatra oder Julius Cäsar. Die Chronik ist ein unschätzbar wertvolles Dokument über das Wissen des Abendlandes am Übergang von Mittelalter zur Neuzeit.

Wie bereits erwähnt ist die Schedel'sche Weltchronik die von allen Inkunabeln am reichsten illustrierte. Als Inkunabeln bezeichnet man die gedruckten Schriften der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts, deren Gestaltung sich noch stark an jene mittelalterlicher Handschriften orientierte. Nürnberg wurde schon bald ein bedeutendes Zentrum dieses Buchdrucks. Vor allem der Drucker, Verleger und Händler Anton Korberger (um 1440-1513) erwies sich als große Bereicherung für die Produktion und den Vertrieb der in Nürnberg entehrenden Schriften, die er in seinen Niederlassungen in ganz Europa vertrieb. Auch einen begabten Künstler für die Illustrationen der Bücher hatte er zur Hand, da er der Taufpate Albrecht Dürers (1471-1528) war.

Auch an den zahlreichen Illustrationen der Schedel'schen Weltchronik könnte Dürer teilweise mitgearbeitet haben, da seine Lehrer Michael Wolgemut (1434-1519) und Wilhelm Pleydenwurff (1460-1494) die zahlreichen Holzschnitte des Werks anfertigen. Insgesamt Schufen Wolgemut, Pleydenwurff und ihre Werkstätten für die Chronik 1809 Holzschnitte, die als Textillustrationen oder doppelseitige Stadtansichten zum Einsatz kamen. Da sich einige der Abbildungen, vor allem was die Portraits diverser Personen betrifft, wiederholen, können 650 Holzschnitte gezählt werden.

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Die Auktion findet am 30. Juni ab 11 Uhr im Auktionshaus Kiefer in Pforzheim statt. Die Besichtigung der Objekte ist vom 26.-29. Juni täglich von 11-18 Uhr möglich.

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