Das 18. Jahrhundert war das Jahrhundert der Entdeckungen. Seefahrer aus vielen europäischen Nationen machten sich auf die Reise, um neue Welten zu entdecken und für ihre Herrscher in Besitz zu nehmen, die Nordwestpassage vom Atlantik zum Pazifik zu finden oder den sagenhaften Südkontinent, die Terra Australis Incognita ausfindig zu machen.

Einer von ihnen war Louis Antoine de Bougainville, der von 1766 bis 1769 als erster Franzose die Welt umsegelte. Die Eindrücke dieser Reise, die ihn und seine Mannschaft nach Rio de Janeiro, Tahiti, Batavia (heute Jakarta) und Kapstadt geführt hatte, hielt er nach seiner Rückkehr in der viel gelesenen Schrift Voyage autour du monde par la frégate du roi La Boudeuse et la flûte L'Étoile fest. Ein "Fan" des Werkes war der britische Seefahrer James Cook, der darüber sagte: „Ich halte Bougainvilles Buch für die nützlichste und auch unterhaltsamste Beschreibung einer Reise durch dieses Meer, die bis jetzt erschienen ist.“ In England erschien die Übersetzte Ausgabe A Voyage Round the World . . . in the Years 1766, 1767, 1768, and 1769 ein Jahr nach der französischen Erstausgabe.

Begleitet wurde Bougainville von dem Botaniker Philibert Commerson, der wiederum seine als Mann verkleidete Assistentin und Geliebte Jeanne Baret dabei hatte. Die beiden Naturforscher katalogisierten während der Reise viele neue Tier- und Pflanzenarten.

Beschreibungen fremder Länder und Kulturen waren bei den Daheimgebliebenen äußerst beliebt. Gefördert wurde dies von den Philosophen der Aufklärungen, wie Jean-Jacques Rousseau, die die Vorzüge des "Edlen Wilden" priesen. Noch wichtiger waren aber natürlich die Handelsbeziehungen, vor allem nach Asien. Dort hatte Portugal bereits ab dem 17. Jahrhundert in Goa (Indien) und Macau (China) einen Fuß in der Tür.

Herrschte man über ein so riesiges Reich wie Russland, war es gar nicht nötig, seine Forscher "ins Ausland" zu schicken. Daher konnte der deutsche Geograph und Naturforscher Peter Simon Pallas gleich zweimal (1768–1774 und 1793/1794) für Katharina die Große innerhalb des Zarenreiches auf Erkundungstour gehen.

Auch in Europa gab es noch viel zu erforschen. Zum Beispiel die römischen Ruinen von Pompeji, was die Geburtsstunde der modernen Archäologie bedeutete. Ein Vertreter dieser neuen Disziplin war der italienische Forscher und Architekturtheoretiker Giovanni Battista Piranesi, der sich intensiv mit den Bauwerken des antiken Roms beschäftigte. Da er ebenfalls eine Ausbildung zum Kupferstecher erhalten hatte, konnte er Abbildungen seiner Forschungsobjekte gleich selber anfertigen.

Auch die Medizin war im 18. Jahrhundert auf dem Weg in die Moderne. Sehr verdient machte sich auf dem Gebiet der Anatomie der Schweizer Universalgelehrte Albrecht von Haller, dessen neue Erkenntnisse über die Arterien und deren Aufgaben im menschlichen Körper in seinem Werk Iconum anatomicarum quibus praecipuae partes corporis humani exquisita cura delineatae continentur veröffentlicht wurden.

Die Auktion mit Seltenen Büchern, Grafik und historischer Fotografie findet am 14. Juli im Auktionshaus Jeschke Van Vliet in der Lehrer Straße 57 in Berlin statt. Versteigerungsbeginn ist um 14 Uhr.

Drei weitere interessante Werke aus der Auktion sehen Sie im Folgenden.

Die reich illustrieren Stundenbücher lösten im 13. Jahrhundert die Psalter als private Gebetstücher ab. Verbreitet waren sie vor allem in Frankreich und Flandern, wo sie im 14. und 15. Jahrhundert ihre Blütezeit erlebten. Das bekannteste Werk seiner Art ist Très riches heures des Herzogs von Berry, das zwischen 1410 und 1416 von den Brüdern von Limburg angefertigt worden war.

The Ballad of Reading Gaol ist das letzte Werk Oscar Wildes, das zu seinen Lebzeiten veröffentlicht worden war. Wilde beschreibt darin die zwei Jahre, die er, Zwangsarbeit leistend, wegen seiner Homosexualität im Gefängnis von Reading verbringen musste. Die vorliegende Erstausgabe gibt als Autor C.3.3. an. Dieses Pseudonym Wildes war die Nummer seiner Gefängniszelle in Reading.

Gérard Thibault d'Anvers war ein niederländischer Meister des Fechtens. Sehr anschaulich beschrieb er sein Wissen in Academie de l'Espée. Die Illustrationen zeigen Schrittfolgen der Fechtkunst, wie beispielsweise den "geheimnisvollen Kreis", der oben links im Bild zu sehen ist. Obwohl das Werk bereits 1628 gedruckt worden war, wurde es erst 1630 veröffentlicht.

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