Das erste Kochbuch Deutschlands

Bei dem besonderen Kochbuch, das am 16. Februar im Auktionshaus Kiefer in Pforzheim versteigert wird, handelt es sich um eine Ausgabe der am 10. November 1485 vom Nürnberger Drucker Peter Wagner herausgegebenen Kuchen mayesterey oder Kuchemaistrey, bei dem es sich um das erste in Deutschland erschienene Werk handelt, das sich ausschließlich mit der Zubereitung von Speisen beschäftigt.

Lediglich 32 Seiten umfasst die Kuchen mayesterey, die sich ab ihrem ersten Erscheinungsdatum großer Beliebtheit erfreute und noch fast zweihundert Jahre lang immer wieder nachgedruckt wurde. Die Rezepte, die sie beschreibt, sollten ausschließlich die gehobene Tafel der oberen Schicht bedienen. Unter anderem werden die Zubereitung von bunt gefärbten Mehlspeisen, Bratenfüllungen, Krebsen, Pasteten und Bieberschwanz beschrieben.

Wer der Urheber der Rezepte war ist unbekannt. Peter Wagner lag anscheinend lediglich eine Handschrift mit Zubereitungsanweisungen eines schwäbischen Küchenmeisters vor, der ein absoluter Fachmann auf seinem Gebiet gewesen sein muss. Eine Ausbildung des Meisters in einer höfischen Umgebung machen Rezepte wie gefärbte Saucen oder vergoldete Mandeln, die ebenfalls in der Kuchen mayesterey vorkommen, wahrscheinlich. Ebenso deuten sie bereits auf die Prunktafeln der in ihren Anfängen stehen Renaissance hin.

Was kam auf den Tisch?

Am Ende des 15. Jahrhunderts sah der Speiseplan in Deutschland natürlich ganz anders aus als heute. Die Entdeckung Amerikas und der Kartoffel erfolgte erst 1492 und es sollte noch 300 Jahre dauern, bis die Kartoffel den Status als Nahrungsmittel in Europa bekam, den sie noch heute hat.

Eine Küche des frühen 16. Jahrhunderts im Dürer-Haus in Nürnberg Foto: museen.nuernberg.de Eine Küche des frühen 16. Jahrhunderts im Dürer-Haus in Nürnberg
Foto: museen.nuernberg.de

Grundnahrungsmittel für die Bauern und das ärmere Bürgertum, die den Großteil der Bevölkerung ausmachten, war das Brot. Getreide kam aber auch in gequetschter Form als Mus, Brei oder Grütze auf den Tisch. Der Genuss von Fleisch war eher selten, ein im Dezember geschlachtetes Schwein musste bis zum Sommer reichen. Auf Wildgerichte musste das einfache Volk gänzlich verzichten, da das Jagdrecht ausschließlich dem Adel vorbehalten war. Die häufigste Ergänzung zur Getreidespeise war das Gemüse, vor allem Kohl, Rüben und Zwiebeln.

Einschränkungen erfuhr der Speiseplan das ganze Jahr über durch Fastenzeiten. Diese waren im ganzen, von der katholischen Kirche geprägten Deutschland üblich, denn die Reformation lag im 15. Jahrhundert noch in relativ weiter Ferne.

Das prachtvolle Stundenbuch des Herzogs von Berry aus dem frühen 15. Jahrhundert ist mit den typischen bäuerlichen Arbeiten des jeweiligen Monats illustriert (hier: März) Das prachtvolle Stundenbuch des Herzogs von Berry aus dem frühen 15. Jahrhundert ist mit den typischen bäuerlichen Arbeiten des jeweiligen Monats illustriert (hier: März)

Ältere Rezeptsammlungen

Wer es sich leisten konnte, der ließ es sich schmecken. Die Auswahl der zum Verzehr als geeignet angesehen Tiere war im mittelalterlichen Deutschland noch weitaus höher als heute. Doch auch hier hatte die Kirche ein wachsames Auge: Völlerei galt als Todsünde. Und auch aus ärztlicher Sicht wurde maßvolles Speisen angemahnt. So sollte bereits Karl der Große im frühen 9. Jahrhundert auf seine geliebten Braten verzichten und auf gekochtes Fleisch zurückgreifen. Viele ältere Rezeptsammlungen finden sich in medizinischen Handschriften. Auch heute noch ist das Wort "Rezept" sowohl in der Küche als auch in der Arztpraxis zu finden.

Als ältestes Kochbuch der Welt gilt ein Werk aus Indien, das vermutlich um 1500 v. Chr. entstand. Um Christi Geburt entstand im antiken Rom das Kochbuch De re coquinaria, dessen Rezepte sich bis ins Mittelalter großer Beliebtheit erfreuen konnten. Konkurrenz bekam es in Europa durch Liber de Coquina in Italien (um 1300), Forme of Cury in England (um 1390) oder Du fait de cuisine in Savoyen (um 1420). Viele dieser Schriften wurden von den Köchen der Fürstenhöfe verfasst.

Älter als die Kuchen mayesterey in Deutschland ist Daz buoch von guoter spîse, auch Würzburger Kochbuch genannt. Die handschriftliche Rezeptsammlung ist jedoch lediglich ein Teil des Hausbuches des Würzburger Gelehrten Michael de Leone, das dieser um 1350 zu führen begann.

Vor allem seine weite Verbreitung macht die Kuchen mayesterey zum ersten richtigen Kochbuch Deutschlands. Dies war nur durch den Mitte des 15. Jahrhunderts von Johannes Gutenberg erfundenen Buchdruck möglich geworden.

Kiefer

Bei dem im Auktionshaus Kiefer angebotenen Exemplar handelt es sich um einen Nachdruck aus Nürnberg von 1531. Ergänzt werden die 32 Seiten durch einen Titelholzsschnitt sowie einen Kalbsledereinband von 1900.

In der 103. Auktion des Pforzheimer Auktionshauses Kiefer kommen am 16. und 17. Februar mehr als 6700 Lose aus den Gebieten Bücher, Handschrift und Drucke zum Aufruf. Versteigerungsbeginn ist an beiden Tagen um 11 Uhr. Eine Vorbesichtigung der angebotenen Objekte kann vom 12.-15. Februar vorgenommen werden.

Entdecken Sie das gesamte Angebot des Auktionshauses Kiefer hier bei Barnebys.

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