Willkommen im Haus der Fantasie

In den 1950er Jahren arbeiteten Gio Ponti und Piero Fornasetti gemeinsam an einem Wohnungsprojekt in Mailand: Casa di Fantasia. Einige der Möbel, die die beiden Designer dafür entwarfen, werden nun in einer gemeinsamen Auktion von Cambi und Phillips versteigert.

Willkommen im Haus der Fantasie

Casa di Fantasia: So nannte Gio Ponti jenes Projekt an der Mailänder Via Washington, für das er den Auftrag von Casa Lucano erhalten hatte und an dem er gemeinsam mit seinem geschätzten Freund und Kollegen Piero Fornasetti arbeitete.

Links: Gio Ponti Rechts: Piero Fornasetti
Links: Gio Ponti Rechts: Piero Fornasetti

Über die fruchtbare Zusammenarbeit sagte Ponti: "Was mir Fornasetti gibt? Er schafft die Möglichkeit, einzigartige Dinge zu gestalten, dank seines Tempos und erstaunlichen Recherchen, dank des Lichts und der Poesie, die von den Dekorationen ausgehen." Es war nicht die erste Zusammenarbeit der beiden, die sich zum ersten Mal 1933 auf der Triennale in Mailand begegnet waren, wo Ponti Teil der Jury gewesen war. Von dem Moment an waren die beiden unzertrennlich, die mit "vier Händen" wunderbare Dingen schufen: Ponti entwarf und Fornasetti schmückte alles mit Hilfe seiner unermüdlichen Fantasie.

Konditorei Dulciora, Mailand, 1950 | Foto: Fornasetti official Milano
Konditorei Dulciora, Mailand, 1950 | Foto: Fornasetti official Milano

Die 1950er Jahren waren das "Goldene Jahrzehnt" des kreativen Duos im Bereich Innenausstattung. Gemeinsam arbeiteten sie an vielen wichtigen Projekten, darunter Casa Cremaschi, Casa Licitra, das Casino von San Remo und der Dulciora Shop in Mailand. Und eben auch das 1951 abgeschlossene Projekt Casa di Fantasia.

In Zusammenarbeit mit weiteren Künstlern und Designern, darunter Edina Altara, Fausto Melotti und Tapio Wirkkala, nahm die Wohnung Gestalt an. Es war eine Mischung, die an italienische Metaphysik und französischen Surrealismus erinnerte und im Nachkriegsitalien stilistisch einzigartig war.

Gio Ponti (1891-1979) und Edina Altara (1898-1983), Kommode, ca. 1951 | Foto: Cambi e Phillips
Gio Ponti (1891-1979) und Edina Altara (1898-1983), Kommode, ca. 1951 | Foto: Cambi e Phillips

Die Wohnung war wie eine imaginäre Bühne für seine Bewohner. Die Räume wurden nach diesem Konzept gestaltet, sodass jeder von ihnen eine vielseitige und manchmal auch theatralische Umgebung bildete.

Fausto Melotti, Gruppe von 285 Kacheln, ca. 1951 | Foto: Cambi e Phillips
Fausto Melotti, Gruppe von 285 Kacheln, ca. 1951 | Foto: Cambi e Phillips

"Fantasie: Fähigkeit des Geistes, mentale Bilder in komplexen Darstellungen zu reproduzieren oder zu erfinden, die sich teilweise oder ganz von der Realität unterscheiden."

Die Fantasie spiegelte sich in der nach ihr benannten Wohnung auch in der Idee der Illusion wieder, die in den Verzierungen mancher Räume wiederfindet. Der von Ponti und Fornasetti geschaffene optische Effekt erzeugte eine Entmaterialisierung der Volumen, einen echten Trompe-l'œil-Effekt, der für Häuser eher untypisch ist. Nach Abschluss des Projekts dankte Gio Ponti dem Eigentümer der Wohnung, der es ihm ermöglicht hatte, seiner Fantasie freien Lauf zu lassen.

Gio Ponti, Kabinett mit beleuchteter Rückwand mit Turm und König, ca. 1951 | Foto: Cambi e Phillips
Gio Ponti, Kabinett mit beleuchteter Rückwand mit Turm und König, ca. 1951 | Foto: Cambi e Phillips

In den Schatten gestellt wurde die Gestaltung der Räume durch ihre Ausstattung mit anthropomorphen Gegenständen, darunter glasierte Keramikskulpturen, die Ponti gemeinsam mit Richard Ginori und Gabbianelli geschaffen hatte. Die Skulpturen waren teilweise von den weiblichen Figuren des Risorgimento im 19. Jahrhundert inspiriert oder von den hellenistischen Tanagra-Figuren aus Griechenland.

Gio Ponti, Große Statuetten von König und Königin, ca. 1951 | Foto: Cambi e Phillips
Gio Ponti, Große Statuetten von König und Königin, ca. 1951 | Foto: Cambi e Phillips

Ein Teil der großartigen Ausstattung der Casa di Fantasia wird nun in einer exklusiven Auktion angeboten, die gemeinsam vom Londoner Auktionshaus Phillips und dem bedeutenden italienischen Auktionshaus Cambi abgehalten werden wird.

Gio Ponti und Piero Fornasetti, Paar Stühle, ca. 1951 | Foto: Cambi e Phillips
Gio Ponti und Piero Fornasetti, Paar Stühle, ca. 1951 | Foto: Cambi e Phillips

Am 21. März werden 30 Objekte der Ausstattung versteigert, darunter die Grandi Statuette di Re e Regina ("Großen Statuetten von König und Königin"), die 1951 von Gabbianelli hergestellt wurden, Coppia di pistole ("Pistolenpaar") aus glasierter Keramik aus dem selben Jahr und ein Esstisch mit Messingspitzen.

Gio Ponti , Esstisch, ca. 1951 | Foto: Cambi e Phillips
Gio Ponti , Esstisch, ca. 1951 | Foto: Cambi e Phillips

Die Auktion findet am 21. März um 17 Uhr (Ortszeit) bei Phillips in London statt. Der Katalog, für dessen Lose sie jetzt bereits Gebote abgeben können, ist vollständig auf der Website von Cambi zu sehen.

Die Ausstellung zur Auktion ist vom 16.-21. März bei Phillips in London für interessierte Besucher geöffnet.

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