Im Jahr 1939 entschied der italienische Automobilhersteller Alfa Romeo, dass er zukünftig unter seinem eigenen Namen im Rennsport engagieren wolle und gründete das Alfa Corse Factory Racing Team. Das neue Team mischte die Karten neu, denn bis dahin war die Scuderia Ferrari das offizielle Werksteam von Alfa Romeo auf Rennstrecken gewesen. Als Enzo Ferrari die Position des Sportdirektors für das neue Team angeboten wurde, lehnte er ab und schlug dem Mailänder Hersteller, der ihn nach seiner Karriere als Rennfahrer in den 1920er Jahren angestellt hatte, die Tür vor der Nase zu.

Enzo Ferrari | Foto via grandprixhistory.com Enzo Ferrari | Foto via grandprixhistory.com

Stattdessen gründete Enzo Ferrari seine eigene Firma, Auto Avio Costruzioni Ferrari, in der Nähe seiner Geburtsstadt Modena. Zusammen mit ehemaligen Mechanikern, die für Fiat und Alfa Romeo gearbeitet hatten, baute Ferrari nicht nur mechanische Teile für Flugzeuge und Autos, sondern auch ein neues Rennauto: Den AAC815, das Modell, das Puristen als den ersten Ferrari der Automobilgeschichte betrachten.

Ferrari AAC815 | Foto via motor-car.net Ferrari AAC815 | Foto via motor-car.net

Der AAC815 wurde 1940 beim Mille Miglia-Rennen in Brescia vorgestellt, konnte jedoch den sportlichen Erwartungen seines Herstellers nicht gerecht werden. Dieser war stattdessen gezwungen, seine Träume von Schnelligkeit und Großartigkeit vorerst aufzugeben, um das faschistische Regime unter Mussolini mit der Herstellung Maschinenteilen in seinen Werkstätten zu unterstützen.

Rache

Enzo Ferrari, der es kaum erwarten konnte, mit seinen Autos wieder auf den Rennstrecken anzutreten, gründete 1947, also nur zwei Jahre nach Kriegsende, die neue Firma Ferrari in Maranello, 20 km südlich von Modena, wohin er 1943 bereits die Werkstätten hinverlegt hatte.

In Maranello entwarf und fertigte Enzo angetrieben von dem Wunsch, sich an Alfa Romeo zu rächen, seinen zweiten Rennwagen, den Ferrari 125 S, ein Rennfahrzeug mit einem 1,5-Liter-V12-Motor. Das neue Auto sollte noch im gleichen Jahr den Grand Prix von Rom gewinnen und seinem zähen und visionären Erbauer den Spitznamen "Il Commendatore" einbringen.

Ferrari 125 S | Foto via mDiecast.com Ferrari 125 S | Foto via mDiecast.com

Der 125 S trug bereits das charakteristische Ferrari-Abzeichen mit einem sich aufbäumenden schwarzen Pferd vor gelbem Hintergrund (Cavalino rampante), das ursprünglich auf der Kabine des Kampfflugzeugs von Francesco Baracca, einem italienischen Helden im Ersten Weltkrieg, gemalt gewesen war. Weitere Modelle folgten, darunter der Ferrari 159 S und der Ferrari 166 S. Letzterer sollte auch den Weg für den Bau von Fahrzeugen für den Straßenverkehr ebnen.

Formel 1

Als 1950 die Formel-1-Weltmeisterschaft ins Leben gerufen wurde, stand das Ferrari-Team natürlich mit am Start. Zunächst musste Enzo Ferrari die Vorherrschaft der "Alfettas" ertragen, bevor er sich in den nächsten zwei Jahren auf jeder Strecke profilieren konnte. Nach dem Ausscheiden von Alfa Romeo stieß Ferrari auf der Rennstrecke auf Maserati, Mercedes, Ford, McLaren und Porsche.

Alberto Ascari bei einem Formel 1-Rennen 1953 | Foto via Autobild Alberto Ascari bei einem Formel 1-Rennen 1953 | Foto via Autobild

Nach 15 Weltmeistertiteln und legendären Fahrern wie Alberto Ascari, Juan Manuel Fangio, Alain Prost, Niki Lauda, Jacques Villeneuve und Michael Schumacher hat die Marke Ferrari einige der schönsten Kapitel in der Motorsportgeschichte geschrieben und schreibt sie noch immer weiter.

Michael Schumacher in einem Formel 1-Wagen von Ferrari | Foto via f1i.com Michael Schumacher in einem Formel 1-Wagen von Ferrari | Foto via f1i.com

Einen privaten Schicksalsschlag erlebte Enzo Ferrari 1956, als sein Sohn Dino im Alter von nur 24 Jahren starb. Die weitere Forschung und Umsetzung an dem von Dino entwickelten V6-Motor hielt Enzo jedoch davon ab, sich aus dem Motorsport zurückzuziehen.

Ferraris für den Privatgebrauch

Während der Schwerpunkt bei Ferrari immer auf der Herstellung von Wettbewerbsfahrzeugen und nicht auf dem industriellen Bau von Personenkraftwagen gelegen hatte, wandte sich Ferrari, der mit seiner Firma 1960 an die Börse gegangen war, im darauffolgenden Jahrzehnt verstärkt diesem Markt zu. Die Verkauf von straßentauglichen Fahrzeugen sollte die weiterhin populären Rennteilnahmen mitfinanzieren, denn dieses Vergnügen wurde immer teuerer. Dies führte zur Markteinführung des Ferrari 250 GTE, ein Modell, das den Komfort eines Familienautos mit den Besonderheiten eines Sportwagens kombinierte. Mit 900 produzierten Exemplaren gilt der 250 GTE als erster Serien-Ferrari.

Ferrari 250 GTE | Foto via theclassiccartrust.com Ferrari 250 GTE | Foto via theclassiccartrust.com

Die GTO-Version, von der 1962 bis 1963 nur 39 Stück produziert wurden, bleibt das emblematischste Modell des Herstellers - und auch das teuerste. 52 Millionen Euro muss man bereit sein dafür zu bezahlen!

Ferrari GTO | Foto via carstyling.ru Ferrari GTO | Foto via carstyling.ru

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Die schönste "Frau" der Welt

Mit seiner Leidenschaft für Mechanik und Motorisierung lautete Enzo Ferraris Motto: "Aerodynamik ist etwas für Leute, die nicht wissen, wie man Motoren baut". Für den Karosseriebau interessierte er sich nicht. Die Verkleidung seiner Rennautos überließ Ferrari kundigen Mitarbeitern wie Gian-Battista "Pinin" Farina.

Farina, der vorher selber Rennen gefahren war, wurde 1952 Karosseriebauer bei Ferrari. Auch päter, nachdem er das Familienunternehmen PininFarina gegründet hatte, arbeiteten seine Firma und Ferrari noch immer eng zusammen. PininFarina produzierte auch die Karosserien für jene beiden Modelle, die Ferrari noch kurz vor seinem Tod im Jahre 1988 entworfen hatte: Der berühmte Testarossa, der bis 1996 hergestellt worden ist, und der F40, der 1987 auf den Markt kam.

Ferrari F40 mit dem "Maßanzug" von PininFarina | Foto via Hypebeast Ferrari F40 mit dem "Maßanzug" von PininFarina | Foto via Hypebeast

Um die Art ihrer Zusammenarbeit zu beschreiben, erklärte Farina, dass Ferrari mit seinen Autos die schönsten Frauen der Welt "nachbauen" wolle, während seine Aufgabe lediglich darin bestand, die "Damen" maßgeschneidert einzukleiden.

Die Fahrt ist noch nicht zu Ende

Nach dem Tod seines Gründers und dem nun entstanden "Mythos" konnte sich Ferrari zunächst über hohe Verkaufszahlen freuen, geriet anschließend allerdings schnell in ernsthafte Schwierigkeiten. Es ist den innovativen Ideen von Luca di Montezemolo, der von 1991 bis 2014 Vorstandsvorsitzender von Ferrari gewesen ist, zu verdanken, dass sich das Unternehmen wieder erholen und sich im Jahr 2017 über einen Umsatz von 3,3 Milliarden Euro freuen konnte.

Enzo Ferrari | Foto via Classic Driver Enzo Ferrari | Foto via Classic Driver

Die Fahrt ist für Ferrari noch lange nicht zu Ende - und im Geiste fährt der geniale Visionär und Firmengründer Enzo immer mit.

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