Der englische Botaniker und Entomologe William Curtis kam 1746 in der südenglischen Grafschaft Hampshire zur Welt. Sein Geburtsort Alton liegt unweit der Grenze zur Grafschaft Surrey, die nicht selten als der "Garten Englands" bezeichnet wird. Das Interesse an der ihn umgebenden Pflanzenwelt schien ihm somit bereits in die Wiege gelegt.

Seine berufliche Karriere begann er als Apotheker. Dadurch, und durch seine wachsende Kenntnis auf dem Gebiet der heimischen Flora, wurde Curtis 1771 Vorsteher des 1673 von der Worshipful Society of Apothecaries gegründeten Chelsea Physic Garden wurde, dem ältesten botanischen Garten in London.

Curtis "Amtszeit" dauerte bis 1777. In diesem Jahr veröffentlichte er den ersten Band von Flora Londinensis, in dem er sich auf die wild wachsenden Pflanzen Londons konzentrierte sowie auf jene, die in einem Radius von 10 Meilen rund um die Hauptstadt des Empire wuchsen und sie beschrieb. Auch kümmerte er sich um den Druck und den Vertrieb.

Für die Illustration der bis 1798 erschienen sechs Bände trat Curtis an die besten Künstler im Bereich Botanik heran, die England damals zu bieten hatte: William Kilburn, James Sowerby und Sydenham Edwards. Von ihnen stammten die detailreichen Vorlagen für die 432 Kupferstiche der ersten Auflage, die anschließend koloriert wurden.

Der Aufwand und die Liebe zum Detail für Flora Londinensis war groß, ebenso der Erfolg der Reihe. Nur finanziell lohnte es sich nicht wirklich. Diesen konnte Willam Curtis ab 1787 für sich verbuchen, als er zum ersten Mal die ebenfalls hervorragend illustrierte Zeitschrift Curtis's Botanical Magazine veröffentlichte, das auch heute noch existiert.

William Curtis starb 1799 in Brompton bei (heute in) London. Achtzehn Jahre später wurde damit begonnen, eine neue Auflage von Flora Londinensis zu veröffentlichen. Die Ausführung geschah durch den Biologen George Graves und den Botaniker William Jackson Hooker, die die Erstausgabe um 214 Tafeln und eigene Texte erweiterten.

Die zweite Auflage wurde in fünf Bänden zwischen 1817 und 1828 veröffentlicht. In der Dezemberauktion des Auktionshauses Kiefer liegt nun eine interessante Variante in sieben Bänden aus dem Jahr 1821 vor, die bislang vollkommen unbeachtet geblieben war und somit ein seltenes Schmuckstück dar.

William Curtis' wegweisendes Werk wird am 8. Dezember bei Kiefer Buch- und Kunstauktionen in Pforzheim versteigert. Weitere Highlights des Auktion sind Der beschlossen gart des rosenkranz marie des Nürnberger Mediziners und Buchdruckers Ulrich Pinder, das auch Holzschnitte von Albrecht Dürer beinhaltet, eine zwischen 1702 und 1710 veröffentlichte Erstausgabe des Atlas novus exhibens orbem terraqueum per naturae opera von Heinrich Scherer sowie Alberto Giacomettis letztes und bedeutendstes lithografisches Mappenwerk Paris sans fin mit 150 Originallithografien, das 1969 posthum veröffentlicht worden war.

Insgesamt umfasst die Auktion über 1100 Lose mit antiquarischen Büchern, Handschriften, Fotografien, Gemälden und Grafik. Beginn der Versteigerung ist am 8. Dezember um 15 Uhr. Veranstaltungsort ist das Auktionshaus Kiefer in der Steubenstraße 36 in Pforzheim. Dort können vom 4.-7. Dezember alle Lose der Auktion vorab besichtigt werden.

Entdecken können Sie diese aber auch gleich hier bei Barnebys.