1 Peter Kjeldgaard - Leiter der Design-Abteilung bei Bruun Rasmussen

Warum ist skandinavisches Design der 1950/60er Jahre auf der ganzen Welt so beliebt?

Ich denke, dass dies mehrere Gründe hat. Vor allem besticht jenes skandinavische Design durch seine Kombination von Funktionalität und handwerklichem Können. Diese Ära war die Geburtsstunde vieler revolutionärer Ideen und Objekte…

Was hat Sie dazu gebracht, sich im Bereich „Design“ zu engagieren?

Ich handle seit Ende der 1990er Jahre mit Design-Objekten. Also zehn Jahre, bevor ich bei Bruun Rasmussen angefangen habe. Es war eine sehr aufregende Zeit für die Entwicklung des skandinavischen Design-Marktes.

7 Poul Kjærholm "PK 71" - Satz von drei würfelförmigen Tischen, hergestellt von E. Kold Christensen

Ich nehme an, dass der Design-Handel eine der Hauptaktivitäten von Bruun Rasmussen darstellt. Repräsentiert er die Mehrheit der Einnahmen?

Wir organisieren jedes Jahr vier Design-Auktionen, mit Ergebnissen zwischen 12 und 13 Millionen Dänischer Kronen. Tatsächlich sind Design und Moderne Kunst die beiden größten Abteilungen bei Bruun Rasmussen. Zunächst integrierten wir Design in die wichtigeren Auktionen, jetzt widmen wir ihm alleine mehrere Tage im Jahr.

Haben Sie einen Lieblingsdesigner?

Nein, nicht wirklich. Ich weiß, dass sie alle gut sind und konzentriere mich auf das, was vor mir liegt. Aber natürlich ist es jedes Mal spannend, wenn ich neue Designer entdecke.

Von allen Design-Verkäufen bei Bruun Rasmussen, wie viel Prozent davon verlassen Dänemark?

Etwa 99% der Objekte gehen ins Ausland, was für uns ein großes Anliegen bedeutet.

Wer kauft heutzutage skandinavisches Design?

Das Interesse ist global. Die meisten Käufer leben aber in den Vereinigten Staaten, Großbritannien, Belgien, Frankreich und in den Niederlanden. Die Käufer wohnen in den Großstädten, in denen viel Geld vorhanden ist. Aber es waren die Japaner, die damit angefangen haben. Sie kaufen vor allem Finn Juhl und Niels Vodder. Finn Juhl ist ein Superstar in Japan!

2 Finn Juhl ist ein Superstar in Japan.

Sind die Dänen stolz auf ihr Design?

Ja, wir sind stolz darauf. Allerdings sind wir stets von gutem Design umgeben, sodass wir manchmal nicht verstehen, weshalb wir soviel Geld für etwas bezahlen sollen, das überall um uns herum zu finden ist.

Wenn Sie modernes Design mit klassischen Antiquitäten vergleichen, denken Sie, die Preise für das Design sind gerechtfertigt?

Die Machart ist weder besser noch schlechter. Aber es gibt keine Gerechtigkeit und wir verkaufen, was die Leute wollen. Wer den Mut hat, gegen den Strom zu schwimmen, kann auch gute Geschäfte machen.

Sie bieten noch immer gedruckte Kataloge an. Werden Sie das auch weiterhin beibehalten?

Ja, es war unsere bewusste Entscheidung, noch immer Print-Kataloge anzubieten. Aber es werden wohl weniger pro Jahr. Sie sind sehr teuer, aber es ist unser Bedürfnis, unser Können durch sie zu demonstrieren. Sie dienen auch als Marketing-Instrument. Der allgemeine Trend auf dem Markt wendet sich immer mehr dem Internet zu. Wir sind entschlossen, unsere Online-Präsenz und -Gebote weiter auszubauen, die gedruckten Kataloge aber beizubehalten. Dieses wird auch von dem langfristigen Verhalten unserer Kunden abhängen.

3 Eines der Top-Lose der Design-Auktion von Bruun Rasmussen am 9. Juni ist der "Delfin-Stuhl" von Hans J. Wegner.

Ihre nächste Design-Auktion ist am 9. Juni. Welche sind Ihre drei Favoriten?

Ein Sessel von Hans J. Wegner wird präsentier, der sich in sehr gutem Zustand befindet. Die Form wurde1950 in Kopenhagen erfunden und er wurde nur in wenigen Exemplaren vom Schreiner John Hansen gefertigt.

Ein weiterer Favorit ist die Hausbar, die Kaj Gottlob 1951 entwarf. Dieses handgefertigte Modell ist sehr selten. Gottlob hat es geschafft, ein spezielles Design mit einem dekorativen Ausdruck in Form von Holzeinlegearbeiten zu kombinieren. Ist der Schrank geschlossen, sieht er aus wie eine Skulptur. Öffnet man ihn, entdeckt man etwas völlig anderes.

4 Die Hausbar von Kaj Gottlob ist eine Rarität - und ein wahres Schmuckstück. Sowohl im geschlossenen...

5 ...als auch im geöffneten Zustand.

Das dritte Objekt ist wohl der „Bow Seat“ von Poul Kjærholm aus dem Jahr 1952. Der Prototyp wurde in nur zwei Exemplaren hergestellt. Das zum Verkauf stehende Modell gehörte dem Architekten selbst und war bis jetzt im Besitz seiner Familie.

6 Der "Bow Chair" von Peter Kjærholm von 1952 - einer von zwei Prototypen.

Was wird der kommende Trend sein?

Das ist schwer zu sagen. Die Keramik von Axel Salto ist seit einiger Zeit das Maß aller Dinge, ihre Preise können immer noch steigen. -ein anderer gesuchter Name in der Keramik ist die Türk-Dänin Alev Siesbye. Keramik aus den 1970er Jahren liegt zurzeit im Trend. Das neue Interesse an skandinavischen Textilien steigt auch weiter an. Sie sind eine schöne Tradition, aber es gibt keinen Markt dafür. Es gibt aber Ausnahmen, wie Marta Maas-Fjetterström und andere schwedische Künstler.

10 Die Keramikarbeiten von Alev Ebüzziya Siesbye werden, laut Peter Jensen Kjeldgaard, der Trend auf den nächsten Auktionen sein.

Was denken Sie über das dänische Design von heute?

Es gibt viele talentierte Designer. Die Produktion geschieht jedoch oft im Ausland, sodass die Objekte nur selten als "nationale Produkte" angesehen werden. Es wird nicht mehr viel neues Design geschaffen, doch das, was bereits vorhanden ist, wird sehr oft neu interpretiert. Was verständlich ist, wenn wir an die Zeit zwischen 1950 und 1970 denken. Es gibt einfach so viel Gutes...

Was machen Sie an einem freien Sonntag?

Ich richte gerade mein Sommerhaus ein. Dafür hole ich mir Inspiration auf Ausstellungen, Flohmärkten und Läden, im Internet und beim Blättern in Zeitschriften und Büchern. Mein Beruf ist mein Hobby!

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