Marco Zanuso erblickte 1916 in Mailand das Licht der Welt, wo er von 1935 bis 1939 ein Architekturstudium am Polytechnikum absolvierte. Direkt danach legte er sich jedoch erst einmal die Uniform der Marine an.

Viereinhalb Jahre an Bord diverser Schiffe änderte jedoch nichts an seiner eigentlichen Leidenschaft für die Architektur. Sobald er nach Mailand zurückgekehrt war, nahm er die Beziehungen zu seinen alten Freunden von der Universität wieder auf und legte den Grundstein für eine glänzende Karriere. Sein erster Schritt führte ihn zu den Printmedien, wo er als Redakteur der Architekturmagazine Domus und Casabella tätig war.

Marco Zanuso | Foto via Mohd Marco Zanuso | Foto via Mohd

Bald begann auch die Zusammenarbeit mit Unternehmen in und um Mailand: Bedeutend ist die Zusammenarbeit mit der Firma Artflex, für die er den Sessel Lady entwarf. Artflex war 1948 von Pirelli gegründet worden und stellte innovative Designs aus Schaumstoff her. Zanuso leistete einen wichtigen Beitrag in der Erforschung dieses neuen Materials als Möbelgrundstoff. Zur gleichen Zeit realisiert er für die Firma Fratelli Borletti, eine zukunftsweisende Nähmaschine, die ihm seinen ersten Compasso d‘Oro, den wichtigen Preis für Industriedesign, einbrachte.

Für die Nähmaschine Modell 1102 "Superautomatica", die er 1956 für Borletti designte, gewann Marco Zanuso den Compasso d'Oro | Foto: Paolo Monti, Mailand 1960 Für die Nähmaschine Modell 1102 "Superautomatica", die er 1956 für Borletti designte, gewann Marco Zanuso den Compasso d'Oro | Foto: Paolo Monti, Mailand 1960

In den folgenden Jahren, in denen der Wirtschaftsboom den Kreativen jener Zeit einen großen Schub verlieh, begann die Zusammenarbeit mit Richard Sapper, einem deutschen Designer, der nach seiner Karriere bei Mercedes-Benz nach Mailand gewechselt hatte. Es sind die Jahre von Gio Ponti, dem Studio BBPR, von Achille Castiglioni und all jenen Designern, die in Zusammenarbeit mit italienischen Firmen die Grundlagen für das schaffen, was bis heute in der ganzen Welt als Made in Italy bekannt ist.

Eines der ersten Designs des Duos Zanuso-Sapper war der Fernseher Doney für die Firma Brionvega, das erste portable Transistor-Fernsehgerät, das in Europa hergestellt wurde. Die außergewöhnliche Form des Doney brachte den Designern 1962 einen gemeinsamen Compasso d'Oro ein.

Der Fernseher "Doney" war ein Gemeinschaftswerk von Zanuso und Richard Sapper für Brionvega | Foto: Morand & Morand via Barnebys Der Fernseher "Doney" war ein Gemeinschaftswerk von Zanuso und Richard Sapper für Brionvega | Foto: Morand & Morand via Barnebys

Zanuso war nun auf dem Höhepunkt seiner Karriere angekommen und seine Bedeutung für das italienische Design der Nachkriegszeit war nicht zu übersehen: Die Anwendung von extrem innovativen Materialien und neuen Funktionalitäten für Massenprodukte des täglichen Gebrauchs.

Links: Der Stuhl K1340 war der erste, der komplett aus verstärktem Kunststoff hergestellt wurde | Foto via Tajan | Rechts: Eine zeitgenössische Werbefotografie | Foto: ©Kartell Links: Der Stuhl K1340 war der erste, der komplett aus verstärktem Kunststoff hergestellt wurde | Foto via Tajan | Rechts: Eine zeitgenössische Werbefotografie | Foto: ©Kartell

Auch in den folgenden Jahren heimste das Designer-duo weitere Preise ein, sei es für den Kindersessel K1340 von KART, dem ersten, der komplett aus Kunststoff gefertigt war, oder das ikonische Telefon Grillo von Siemens.

Zwei Exemplare des Grillo-Telefons, das Zanuso für Siemens entwarf Zwei Exemplare des Grillo-Telefons, das Zanuso für Siemens entwarf

Marco Zanuso war es im Laufe seiner Karriere gelungen, Rationalismus und Innovation mit der fortschreitenden Technologie zu verbinden. Das Design-Genie, das das Unbekannte niemals scheute starb 2001 nach langer Krankheit in seiner Heimatstadt Mailand.

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