Die Auktion beginnt am 12. November um 10 Uhr und umfasst u.a. Gemälde, Schmuck und Silber. Die Vorbesichtigungen finden am 5. November (10-16 Uhr), am 7. und 8. November (jeweils 10-18 Uhr) sowie nach Vereinbarung statt. Sehen Sie nun eine Auswahl an Highlights aus der Auktion. Klicken Sie auf die Bilder, um nähere Informationen zu den Objekten zu erhalten.

Das Auktionshaus Bolland & Marotz hat sich während seines über 40-jähirgen Bestehens als wichtigster Anbieter für norddeutsches Kulturgut profiliert. Kein Wunder also, dass unter den rund 1.000 Objekten der anstehenden Auktion am stärksten Künstler aus Norddeutschland vertreten sind. Vor allem sind die großartigen Arbeiten von Malern zu nennen, die der Worpsweder Künstlerkolonie angehörten.

Die Künstlerkolonie Worpswede wurde 1889 von den Malern Otto Modersohn, Hans am Ende und Fritz Mackensen gegründet. Sie ließen sich dort dauerhaft nieder, nachdem dem Örtchen Worpswede im Teufelsmoor bereits der Ruf als inspirierender und wunderschöner Flecken Erde vorausgeeilt war. Die Landschaft mit ihrer Weite und den besonderen Lichtverhältnissen war wie geschaffen für die Plein-Air-Malerei des Impressionismus, die, von Frankreich ausgehend, auch Deutschland erreicht hatte.

Nach und nach zogen weitere Künstler, die sich von der akademischen Malerei gelöst hatten, nach Worpswede oder schlossen sich der dortigen Bewegung lose an: Fritz Overbeck, Heinrich Vogeler, Carl Vinnen. Paula Becker kam 1898 als Schülerin von Mackensen nach Worpswede. Drei Jahre später heiratete sie Otto Modersohn.

Um etwa 1905 begann sich eine zweite Künstlergeneration in Worpswede zu etablieren, darunter Lisel Oppel, Udo Peters und Agnes Sander-Plump. Das Leben in der Kolonie sowie die sie umgebende Landschaft inspirierten auch den Lyriker Rainer Maria Rilke, der mit der Malerin und Bildhauerin Clara Westhoff verheiratet war, die 1898 nach Worpswede gekommen war, um bei Fritz Mackensen Zeichen- und Modellierunterricht zu erhalten.

Auch heute leben noch viele Künstler in Worpswede, seit die Kolonie in den 1970er Jahren neuen Aufschwung bekam. Zur neuen Generation gehören u.a. der Maler und Bildhauer Uwe Hässler, die Schriftstellerin und Liedermacherin Margarete Jehn sowie ihr Ehemann, der Komponist Wolfgang Jehn (beide gründeten 1984 den Autorenverlag Worpsweder Musikwerkstatt) oder der Fotokünstler Lothar Klimek, der ab 1986 in Worpswede lebte und dort 2013 verstarb.

Natürlich haben auch die übrigen Kategorie der Auktion viele Highlights zu bieten. Unter den Silberobjekten ist dieser fantastische Tafelaufsatz in Form einer Karawelle zu nennen, der Anfang des 20. Jahrhunderts von der Firma Neresheim in Hanau angefertigt wurde. Ein Londoner Einfuhr- und Händlerstempel belegt, dass das Prunkstück nach England verkauft wurde. Die Ausführung dieser Arbeit ist äußerst fein und zeigt viele Details, wie den vollplastischen Delfinkopf als Gallionsfigur oder die bewaffnete Besatzung in Renaissancekostümen. An Letzteren wird deutlich, dass sich die Hanauer Silberwerkstätten an den historischen Schiffstypen des 14. bis 16. Jahrhunderts orientierten.

Nicht mehr dem Historismus zugehörig ist hingegen dieses schöne Kaffee- und Teeservice aus Silber, welches in den 1920/30er Jahren im Stil des Art Déco geschaffen wurde. Der Designer war der Silberschmied Emil Harnisch (1862-1935), der für die Firma GEBR. FRIEDLÄNDER in Berlin tätig war. Die Gebr. Friedländer waren die Hofjuweliere des preußischen Königshauses bzw. deutschen Kaiserhauses.

Ein weiteres Highlight aus der Kategorie "Silber" ist dieser vergoldete Münzbecher, der zwischen 1725 und 1750 in Berlin hergestellt wurde (Stadtmarke). Die Meistermarke weist auf Martin Fr. Müller hin, der es zum 1737 Silberschmiedemeister gebracht hatte.

Zum Schluss kehren wir noch einmal zu den Gemälden zurück. Zunächst haben wir ein opulentes Festmal vor uns, welches von dem Maler Ferdinand Wagner geschaffen wurde. Dargestellt ist eine italienische Adelsfamilie in Kleidern der Renaissance und des Barock. Das Gemälde ist dem Historismus zuzuordnen. Wagner malte es wahrscheinlich nach seiner Italienreise 1867/68. Wagner schuf nicht nur "normale" Gemälde, sondern dekorierte auch Räume und Säle mit Wand- und Deckengemälden, wie z. B. im Hofbräuhaus in München.

Dieser Anbetungsszene des Barockzeitalters kommt nicht pompös daher, sondern wirkt volkstümlich durch die Darstellung einfacher Menschen, die dichtgedrängt das Bild bevölkern. Sie zeigen eine vielfältige Gotik und Mimik, einige wenden sich statt der Heiligen Familie dem Betrachter zu. Das Gemälde befand sich lange in Privatbesitz. Die Künstlersignatur ist heute nicht mehr zu sehen.

 

Den gesamten Katalog von Bolland & Marotz finden Sie hier bei Barnebys.