Am 29. März wird Sotheby's in Paris ein seltenes Gemälde von Paul Gauguin versteigern, das auf seiner Rückseite eine besondere Überraschung bereit hält: die beiden frühesten Selbstportraits des Künstlers. Das Gemälde von 1881 trägt den Titel Le Jardin de Pissarro, Quai du Pothuis à Pontoise, nach dem wunderschönen Garten Camille Pissarros in dem nordwestlich von Paris gelegenen Pontoise, den der junge Gauguin an den Wochenenden aufsuchte, um gemeinsam mit dem etablierten Impressionisten zu arbeiten.

Paul Gauguin, Le Jardin de Pissarro, Quai du Pothuis à Pontoise, 1881 | Foto: ©Sotheby's Paul Gauguin, Le Jardin de Pissarro, Quai du Pothuis à Pontoise, 1881 | Foto: ©Sotheby's

Das Gemälde war beinahe 100 Jahre Teil einer Privatsammlung und wurde lediglich zweimal der Öffentlichkeit präsentiert: Zum ersten Mal 1964 in Frankreich, ein weiteres Mal vor ein wenigen Jahren im Cleveland Museum of Art.

Gemälde, die aus dieser Schaffensperiode Paul Gauguins stammen, werden nur äußerst selten auf dem Auktionsmarkt angeboten. Im vorliegenden Fall kommen, sozusagen als i-Tüpfelchen, noch die beiden einzigartigen Skizzen auf der Rückseite hinzu, die als zwei der frühesten Selbstportraits des Künstler angesehen werden.

Die beiden Selbstportraits Paul Gauguins auf der Rückseite des Gemäldes | Foto: ©Sotheby's Die beiden Selbstportraits Paul Gauguins auf der Rückseite des Gemäldes | Foto: ©Sotheby's

Beidseitig bemalte Bildträger gäbe es häufiger, Selbstportraits wären dabei jedoch die Ausnahme, erklärt Aurélie Vandevoorde, Leiterin der Abteilung für Impressionismus und Moderne bei Sotheby's France, und fügt hinzu, dass dies daran läge, dass ein Selbstportrait das Hauptmotiv eines Künstlers sei, bei dem er sein wahres Talent unter Beweis stellen könne. Dass Paul Gauguin in diesem Fall gleich zwei Skizzen seines Konterfeis auf der Rückseite eines Gemäldes platzierte, dürfte ökonomische Ursachen gehabt haben, da es dem noch aufstrebenden Künstler schlicht und einfach an Geld mangelte.

Paul Gauguin, Selbstportrait, 1893 Paul Gauguin, Selbstportrait, 1893

Und die Vorderseite? Experten halten das Gemälde für eines der wenigen Zeugnisse für die tiefe Freundschaft, die Gauguin und Pissarro miteinander verband. Die beiden Künstler trafen sich erstmals im Jahr 1879. Gauguin hatte soeben seinen Job an der Börse niedergelegt, um künftig als Künstler arbeiten zu können. Pissarro nahm den achtzehn Jahre jüngeren Gauguin unter seine Fittiche und weihte ihn in die Geheimnisse des Malens - wie das Wechselspiel von Licht und Schatten, den Einsatz der Farben und die Darstellung von Landschaften - ein.

Diese Jahre waren prägend für Gauguins Karriere, vor allem die wiederholten Besuche in Pissarros Garten in Pontoise. Die Bedeutung, die Pissarro für seinen Schüler hatte, wird auch in dem vorliegenden Gemälde deutlich: In der unteren rechten Ecke hat Gauguin seinen Lehrer, der unter einem Sonnenschirm malt, abgebildet.

Le Jardin de Pissarro, Quai du Pothuis à Pontoise ist also mehr als die reine Darstellung eines Gartens, sondern vielmehr das Zeugniss der tiefen Freundschaft zwischen zwei Künstlerin, zwischen Lehrer und Schüler. Hinzu kommen noch die beiden frühen Selbstportraits eines der großen Maler des 19. Jahrhunderts. Bedenkt man dies alles, erscheint der Schätzpreis von 600.000 - 900.000 Euro beinahe schon wie ein Schnäppchen.

Paul Gauguin, Nafea faa ipoipo, 1892 Paul Gauguin, Nafea faa ipoipo, 1892

Allgemein gehören Paul Gauguins Gemälde nämlich zu den teuersten auf dem Kunstmarkt, angeführt von Nafea faa ipoipo ("Wann heiratest Du?"), das 2015 in einem privaten Verkauf für rund 210 Millionen USD von der Herrscherfamilie von Qatar erworben wurde.

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