Die Auktion mit Gemälden Alter Meister bei Cambi, die am Donnerstag, den 13. Dezember im Castello MacKenzie in Genua stattfindet, wird von einem ganz besonderen Werk angeführt: Peter Paul Rubens Heilige Familie, das nach 80 Jahren erstmals wieder bei einer Auktion angeboten wird.

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Diese Nachricht gehört zu den seltenen Gelegenheiten auf dem Kunstmarkt. Wiederentdeckungen kommen zwar vor, werden aber bestimmt nicht jeden Tag gemacht. Wenn ein derartiges Werk, bei dem es sich dann auch noch um die Arbeit eines hochbedeutenden Künstlers handelt, dann doch einmal in einer Auktion angeboten wird, ist das Interesse natürlich entsprechend hoch. Dies trifft auch auf den vorliegenden Fall zu, nachdem Cambi den Verkauf von Rubens Werk, das dieser während eines kurzen Italienaufenthaltes gemalt hatte, bekannt gab.

Peter Paul Rubens reiste zu Beginn des 17. Jahrhunderts nach Rom. Obwohl er zu diesem Zeitpunkt erst 23 Jahre alt war, war sein künstlerisches Niveau bereits so bemerkenswert, dass Vincenzo I. Gonzaga ihn als Hofmaler nach Mantua holte. Während seiner "italienischen Jahre" schuf der junge Rubens eine ikonographisch originelle Komposition: Die Heilige Familie mit der Heiligen Elisabeth und dem Johannesknaben mit der Taube.

Der Überlieferung nach befand sich die bei Cambi angebotene Version von Peter Paul Rubens "Heilige Familie mit der Hl. Elisabeth und dem Johannesknaben mit der Taube" lange im Besitz der römischen Adelsfamilie Colonna Der Überlieferung nach befand sich die bei Cambi angebotene Version von Peter Paul Rubens "Heilige Familie mit der Hl. Elisabeth und dem Johannesknaben mit der Taube" lange im Besitz der römischen Adelsfamilie Colonna

Die Komposition ist seit Mitte des 18. Jahrhunderts durch Stiche überliefert, die von Rubens selbst stammen und sich auch auf andere Gemälde des Italienaufenthaltes des Malers beziehen, darunter eine andere Darstellung der Heiligen Familie (Madonna della cesta), die sich heute im Palazzo Pitti in Florenz befindet.

Eine aus dem Umkreis Peter Paul Rubens' stammende Kopie von "Madonna della cesta" wurde am 23. Oktober 2018 im Dorotheum in Wien versteigert | Foto: ©Dorotheum Eine aus dem Umkreis Peter Paul Rubens' stammende Kopie von "Madonna della cesta" wurde am 23. Oktober 2018 im Dorotheum in Wien versteigert | Foto: ©Dorotheum

Von der Version mit der ursprünglichen Ikonographie sind heute drei Gemälde bekannt: die Fassung von 1602-05, die im Metropolitan Museum in New York ausgestellt wird, eine auf 1609 datierte Fassung im Los Angeles County Museum of Art sowie jene aus dem Besitz der römischen Familie Colonna, die jetzt bei Cambi versteigert wird.

Links: Die "Heilige Familie" im Los Angeles County Museum of Art Rechts: Die "Heilige Familie" im Metropolitan Museum of Art, New York Links: Die "Heilige Familie" im Los Angeles County Museum of Art Rechts: Die "Heilige Familie" im Metropolitan Museum of Art, New York

Letztere war 1910 Teil einer Auktion in Rom und befand sich seitdem in unterschiedlichem Privatbesitz: zunächst in den USA, dann wieder in Italien. 1946 erfolgte die Zuschreiben des Gemäldes an Rubens durch zwei Gutachter, im selben Jahr war es Teil einer Ausstellung in Detroit. Anschließend blieb es lange unbeachtet und unerwähnt, bis es 1985 in einer Publikation von D. Bodard Beachtung fand, in der ebenfalls Rubens als ausführender Künstler angegeben wurde.

Eine Untersuchung aus dem Jahr 2001 verfolgt die Geschichte dieser Heiligen Familie weiter und erwähnt zwei unsachgemäße Restaurierungen in der Nachkriegszeit sowie 1997. Eine in diesem Jahr durchgeführte professionelle Reinigung und Restauration beseitigte die Schäden der Vergangenheit und förderte zudem bisher unbekannte Details zutage. Die nunmehr leuchtenden Farben des Gemäldes belegen die Bedeutung von Rubens' Italienaufenthalt für dessen späteres Werk.

Heilige Familie mit der Heiligen Elisabeth und dem Johannesknaben mit der Taube wird am 13. Dezember bei Cambi in Genua versteigert. Wer die Gelegenheit hat, sollte auf jeden Fall die Ausstellung zur Auktion vom 7.-10. Dezember im Castello MacKenzie besuchen und einen Blick auf den wiederentdeckten Rubens werfen.

Welche spektakulären Wieder- und Neuentdeckungen es in den letzten Jahren gegeben hat, erfahren Sie hier.