Eine vielfältige Auswahl russischer Kunst bei Aguttes

Die russische Auktion von Aguttes hat 170 Lose mit russischer Kunst im Angebot, die sowohl ein aufwühlendes Gemälde von Chaim Soutine als auch sowjetische Propagandaplakate umfassen.

Eine vielfältige Auswahl russischer Kunst bei Aguttes

Am 17. Mai versteigert Aguttes Kunstwerke aus drei bedeutenden Sammlungen mit russischer Kunst: Arbeiten von Wladimir Baranow-Rossiné und seinem Atelier, sowjetische Propagandaplakate, die unangepasste Kunst der Leningrader Nonkonformisten sowie ein Gemälde von Chaim Soutine, dem russisch-französichen Maler der Moderne.

Wladimir Baranow-Rossiné

Elf Werke der Auktion entstammend en Händen von Wladimir Baranow-Rossiné, dem innovativen modernen Künstler, der 1888 in Cherson geboren wurde, das damals zum Rusichen Kaiserreich gehörte. Nach dem Ende seiner Schulzeit an einem Gymnasium in Odessa, begann Baranow 1908 ein Studium an der Kaiserlichen Akademie der Künste in Sankt Petersburg.

Wladimir Baranow-Rossiné (1888-1944), Die Dächer von Odessa, Tempera/Papier, monogrammiert, um 1910 | Foto: Aguttes
Wladimir Baranow-Rossiné (1888-1944), Die Dächer von Odessa, Tempera/Papier, monogrammiert, um 1910 | Foto: Aguttes

Noch als Student beteiligte er sich an Ausstellungen mit russischer Avantgardekunst in Moskau, Kiew, Vilnius, Berlin und Sankt Petersburg. 1910 zog er nach Paris, wo er das Pseudonym Daniel Rossiné annahm. Ab 1917 signierte er seine Werke schließlich mit Baranow-Rossiné.

Wladimir Baranow-Rossiné (1888-1944), Rhythmusstudie - Adam und Eva, Aquarell u. Zeichenstift/Papier, um 1910 | Foto: Aguttes
Wladimir Baranow-Rossiné (1888-1944), Rhythmusstudie - Adam und Eva, Aquarell u. Zeichenstift/Papier, um 1910 | Foto: Aguttes

Baranow-Rossinés Arbeiten lassen sich nicht nur einem einzelnen Stil zuordnen. Vielmehr enthalten sie Elemente des Neoimpressionismus, des Fauvismus, des Orphismus und des Surrealismus.

Wladimir Baranow-Rossiné (1888-1944), Portrait eines Gentlemen, Tempera u. Zeichenstift/Papier | Foto: Aguttes
Wladimir Baranow-Rossiné (1888-1944), Portrait eines Gentlemen, Tempera u. Zeichenstift/Papier | Foto: Aguttes

Von 1911 an präsentierte er seine Gemälde und Skulpturen auf Ausstellungen in seiner Wahlheimat Paris, die er auch nicht verließ als sie von der deutschen Wehrmacht während des Zweiten Weltkriegs besetzt wurde. Am 9. November 1943 wurde Wladimir Baranow-Rossiné mit seiner Familie, die später wieder freigelassen wurde, von der Gestapo verhaftet. Der Künstler wurde ins KZ Auschwitz-Birkenau deponiert, wo er am 25. Januar 1944 ermordet wurde. Heute wird Wladimir Baranow-Rossiné für seine Rolle als großer Schöpfer der modernen Kunst anerkannt.

Sowjetische Propagandaplakate

Die sowjetische Propaganda ist eine eigene Bildgattung der russischen Kunst, die von den 1930er Jahren bis zum Ende der UdSSR weite Verbreitung fand. Einige der so entstanden Plakate sind mit ihren symbolischen Motiven, klaren Formen und leuchtenden Farben zu wahren Ikonen kommunistischer Utopie geworden, in denen sich die futuristischen Linien der Avantgarde mit den Archetypen der russischen Geschichte mischen.

Für die Gestaltung der Plakate wurde auf Werke von Künstlern wie Kasimir Malewitsch, Alexander Rodtschenko oder Wladimir Lebedew zurückgegriffen. So wurden Propagandamittel erschaffen, die, auf internationaler Ebene verständlich, den Sieg über Faschismus und Kapital verherrlichten, in einer Weise, die weit über den sozialen Realismus hinausging.

Nicolas Kirillovitch Litvinov (*1935), Soirée du ballet classique de Moscou, Gouache/Papier, signiert, 1985 | Foto: Aguttes
Nicolas Kirillovitch Litvinov (*1935), Soirée du ballet classique de Moscou, Gouache/Papier, signiert, 1985 | Foto: Aguttes

In den 1970er Jahren bereicherten neue Inspirationen die klassischen Themen der marxistischen Ideologie. Die Künstler widmen einen Teil ihrer Arbeiten dem Antimilitarismus, der Ökologie und dem Ideal einer harmonischen Welt, die die großen Sorgen des postmodernen Humanismus widerspiegelt. Aus einem einfachen ideologischen Instrument wird das Plakat zum Bild einer Welt im Entstehen. Die schönsten von ihnen werden heute in der Tretjakow-Galerie oder im Tate-Museum ausgestellt.

Die Nonkonformisten von Leningrad

Im Dezember 1974 fand im damaligen Leningrad die erste Ausstellung nonkonformistischer Künstler statt, deren Werk vom sozialistischen Realismus abwich, der damals die herrschende künstlerische Bewegung war. Diese Ausstellung unter freiem Himmel war eine wegweisende Veranstaltung im russischen Kulturleben. Die von Yura Jarkhikh organisierte Ausstellung fan dein großes Echo und wurde in nur 4 Tagen mehr als 15.000 Menschen besucht.

Anatole Evguéniévitch Poutiline (*1943), L'Ange, Lithografie, signiert und datiert, 1979 | Foto: Aguttes
Anatole Evguéniévitch Poutiline (*1943), L'Ange, Lithografie, signiert und datiert, 1979 | Foto: Aguttes

Mehr als 50 Künstler nahmen an der Austellung teil, deren Werke durch die Vielfalt der Stile und die spirituelle Inspiration erstaunen. Zwischen dem Schmerz und dem existenziellen Drama durchdringt zuweilen ein kaum sichtbares Licht der Hoffnung. Zwölf jener Arbeiten kommen bei Aguttes zum Aufruf. Sie stammen aus dem Besitz eines der Hauptvertreter der nonkonformistischen Bewegung.

Edouard Zélénine (1938-2002), Musique, Lithografie, 1980 | Foto: Aguttes
Edouard Zélénine (1938-2002), Musique, Lithografie, 1980 | Foto: Aguttes
Die gequälte Seele des Chaim Soutine

"Soutine wirkte verängstigt und schläfrig. Wer hätte gedacht, dass in diesem ängstlichen und vernachlässigten Mann ein Talent steckte, das die Museen dieser Welt auf den Kopf stellen würde." So beschrieb der russische Schriftsteller Ilja Ehrenburg jenen Künstler, der auch seinen Kollegen Amedeo Modigliani faszinierte.

Chaim Soutine kam 1893 im heutigen Weißrussland zur Welt. Im Alter von zwanzig Jahren zog es ihn nach Paris, wo er Teil der avantgardistischen Kunstszene wurde. Nach weiteren Stationen in Frankreich kehrte er 1925 nach Paris zurück, wo auch das vorliegende Bild entstand. Soutine malte nun hauptsächlich Stillleben, nicht selten mit den Kadavern toter Tiere. Oft ließ er die Körper von ihnen auf der Tischdecke in seiner Küche zerfallen, ohne den Schrecken der Fäulnis zu fürchten. In diese Atmosphäre griff er zum Pinsel, um die Zweiteilung zwischen physischem Körper und Seele zu verstehen.

Chaim Soutine (1893-1943),
Chaim Soutine (1893-1943),

Oft zerstörte Soutine die so entstandenen Werke anschließend, schlitzte sie mit dem Messer auf, um so einen Schmerz auszutreiben, der Tief in seiner von Kindheitserinnerungen an seine streng religiösen Eltern geplagten Seele verborgen war. Eine Freundin des Künstlers, die Ehefrau des Kunsthändlers Leopold Zborowski, nahm die zerrissenen Werke an sich und ließ sie von einem Restaurator flicken. Tatsächlich weist auch das vorliegende Werk Les perdrix au volet vert ("Rebhühner am grünen Fensterladen") noch Spuren der Zerstörung durch den Künstler auf.

Aguttes' Auktion mit russischer Kunst findet am 17. Mai um 14:30 Uhr in Paris statt.

Entdecken Sie jetzt alle aktuellen Lose von Aguttes bei Barnebys!

Advert
Advert