Einflüsse

Georgia O'Keeffe, die am 15. November 1887 auf einer Farm in Wisconsin zur Welt kam und sowohl irische als auch ungarische Wurzeln hatte, beschloss bereits im Alter von 12 Jahren, Malerin zu werden. Ihre Ausbildung begann sie 1905 am Art Institute of Chicago, ging dann aber, nachdem sie ein Stipendium gewonnen hatte, zur Art Students League nach New York, wo sie von William Merritt Chase unterrichtet wurde, der selbst von den Impressionisten beeinflusst war.

Alfred Stieglitz, Georgia O'Keeffe, 1918 Alfred Stieglitz, Georgia O'Keeffe, 1918

Im Big Apple traf sie Alfred Stieglitz, einen Fotografen und Galeriebesitzer auf der Fifth Avenue, der 1917 ihre erste Einzelausstellung organisierte und 1924 ihr Ehemann wurde. Zuvor hatte Georgia, die die akademische Malerei zunehmend ablehnte und allergisch auf den Geruch von Terpentin reagierte, die Malerei beinahe aufgegeben. Davon abhalten konnte sie Arthur Wesley Dow, der nach den Prinzipien der japanischen Kunst arbeitete, und ihr diese während eines Sommerkurses in Virginia näherbrachte. Dies und Kandinskys Theorien zur Abstraktion sollten das Fundament von Georgias Karriere bilden.

Alfred Stieglitz, Die Hände von Georgia O'Keeffe | Foto: ©Museum of Fine Art, Boston Alfred Stieglitz, Die Hände von Georgia O'Keeffe | Foto: ©Museum of Fine Art, Boston

New York, New York

Georgia O'Keeffe suchte nur selten die Gesellschaft anderer Menschen und ging gern auf Reisen. Eine Zeit lang lebte sie in Texas, wo sie mit Zeichenunterricht ihren Lebensunterhalt verdiente. Nach ihrer Rückkehr nach New York organisierte Alfred Stieglitz besagte erste Einzelausstellung.

Georgia O'Keeffe, Lake-George-Reflection, 1921-1922 | Foto via Barnebys Georgia O'Keeffe, Lake-George-Reflection, 1921-1922 | Foto via Barnebys

Georgia wurde die Muse des Fotografen Stieglitz, der sie mit einigen modernen Künstlern, die seinem Freundeskreis angehörten, bekannt: Demuth, Dove, Harley, Steichen... Durch diese Kontakte wurden Georgias Arbeiten, darunter Landschaften, Blumen-Close-Ups und Ansichten des Lake George, die sie mit Wasser- oder Ölfarben ausführte, markanter und näherten sich immer mehr der Abstraktion an. In den 1920er Jahren nahm sie an diversen Ausstellungen in New York teil und gehörte dort zu den herausragendsten Künstlern. Aufträge folgten.

O'Keeffe und Stieglitz | Foto via Yale University O'Keeffe und Stieglitz | Foto via Yale University

Die Wüste als Inspirationsquelle

Ab den frühen 1930er Jahren besuchte Georgia O'Keeffe regelmäßig New Mexico, um neue Quellen der Inspiration zu finden. Das Ergebnis brachte sie auf ihre Leinwände und gab so die Gefühle und Erlebnisse zum Ausdruck, die die Wüstenlandschaft verursachte.

Georgia O'Keeffe, Black Mesa Landscape, New Mexico: Out Back of Marie’s II, 1930 | Foto via abqjournal.com Georgia O'Keeffe, Black Mesa Landscape, New Mexico: Out Back of Marie’s II, 1930 | Foto via abqjournal.com

Nach einer depressiven Phase, die die Fertigstellung eines Wandgemäldes für die Radio City Music Hall verhindert hatte, siedelte Georgia 1940 ganz in New Mexicos Ghost Ranch-Region über und richtete sich nahe der Ortschaft Abiquiu häuslich ein. Zu jenem Zeitpunkt wurden ihre Werke zunehmend fantastischer. Mitte der 1940er Jahre widmeten sowohl das Art Institute of Chicago als auch das MoMA in New York ihrem Werk eine Retrospektive. Sie war die erste Künstlerin, der diese Ehre zuteil wurde.

Georgia O'Keffee, Pelvis with the Distance, 1943 | Foto via Georgiaokeffee.net Georgia O'Keffee, Pelvis with the Distance, 1943 | Foto via Georgiaokeffee.net

Im Juli 1946 starb Alfred Stieglitz an den Folgen einer Herzattacke. Obwohl die Beziehung zwischen ihm und Georgia in den letzten Jahren distanzierter geworden war, verbrachte seine Witwe die nächsten drei Jahre damit, seinen Nachlass zu ordnen und mehr als 4000 Werke und zehntausende Briefe zu inventarisieren.

Ruhm und Einsamkeit

1949 kehrte sie nach New Mexico zurück und kultivierte ihr Eremitendasein. Dennoch wurde sie mit Ehrungen überschüttet, wurde Mitglied der American Academy of Arts and Letters und der American Academy of Arts and Sciences und erhielt sowohl die Presidential Medal of Freedom als auch die National Medal of Arts.

Gorgia O'Keeffe | Foto via alovelybeing.com Gorgia O'Keeffe | Foto via alovelybeing.com

Durch die Veränderungen, die die 1960er Jahre hinsichtlich der Kunst und Gesellschaft mit sich brachten, rückte die isoliert in der Wüste lebende Künstlerin in den Hintergrund der amerikanischen Kunstszene. Dennoch kam es 1970 zu einer weiteren Retrospektive im Whitney Museum of American Art in Manhattan.

Georgia O'Keeffe, Hibiscus, 1931 | Foto via Barnebys Georgia O'Keeffe, Hibiscus, 1931 | Foto via Barnebys

Bedingt durch die Verschlechterung ihrer Sehkraft musste sie 1972 das Malen aufgeben. Zeichnungen führte sie jedoch bis in die frühen 1980er Jahre aus. Außerdem entdeckte sie durch einen Freund die Töpferei und schrieb gemeinsam mit ihm ihre Autobiografie.

Georgia O’Keeffe, Jimson Weed: White Flower No. 1, 1932 | Foto via Barnebys Georgia O’Keeffe, Jimson Weed: White Flower No. 1, 1932 | Foto via Barnebys

Georgia O'Keeffe starb am 6. März 1986 im Alter von 98 Jahren in New Mexicos Hauptstadt Santa Fe, wo zehn Jahre später ein ihr gewidmetes Museum eröffnet wurde. Ihr Gemälde Jimson Weed / White Flower No.1, das Teil der Sammlung des Museums gewesen war, erzielte 2014 bei Sotheby's den Rekordpreis von 44,4 Millionen USD. Zwei Jahre später organisierte das Tate Modern in London die erste Retrospektive zu Georgia O'Keeffes Werk in Europa.

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