Ein schönes Objekt ist erstrebenswert. Ein schönes Objekt von einem bekannten Künstler noch mehr. Ein schönes Objekt eines bekannten Künstlers mit prominenter Provenienz bildet sozusagen die heilige Dreifaltigkeit in einer Auktion. Anzutreffen sind solche Objekte in Kürze im Auktionshaus im Kinsky, das mit der kommenden Auktion sein 25-jähriges Bestehen feiert.

Die Jubiläumsauktion beginnt am 30. November um 15 Uhr mit der Versteigerung, die dem Kunsthandwerk des Jugendstils und der Moderne gewidmet ist. Klar, dass Erzeugnisse der Wiener Werkstätte die Hauptrolle spielen. Angeführt wird diese von zwei Arbeiten Josef Hoffmanns, bei denen es sich um eben jene mit interessanter Provenienz handelt.

1909 kreierte Hoffmann eine Kette aus vergoldetem Silber und Perlmutt. Auf unbekanntem Wege kam sie in den Besitz von Emilie Flöge, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts als Modeschöpferin und Designerin tätig war, der Nachwelt aber vor allem als Muse und Lebensgefährtin Gustav Klimts bekannt ist. Dankenswerterweise trug Emilie eben diese Kette bei Aufnahmen im Fotostudio d'Ora-Bender, in dem viele Portraitaufnahmen von Mitgliedern der damaligen Wiener Künstlerszene entstanden.

Ebenfalls eine Arbeit Josef Hoffmanns stellt eine Kaminuhr aus versilbertem Alpacca dar. Deren prominente Besitzerin war die Frauenrechtlerin Yella Hertzka, der die berufliche Ausbildung junger Frauen, u.a. durch die Gründung einer von ihr geleiteten Gartenbauschule, besonders am Herzen lag. Ein Projekt, dass sie 1912 mit ihrem Mann Emil Hertzka, Inhaber des Musikverlages Universal Edition, betrieb, war die Errichtung mehrerer Villen am Kaasgraben im 19. Wiener Gemeindebezirk. Um die Pläne und die Ausstattung der Häuser, von denen eines von den Bauherren selbst bezogen wurde, kümmerte sich Josef Hoffmann höchstselbst.

Die Uhr mit der eingravierten Dankinschrift wurde Yella Hertzka 1913 von den ersten Bewohnern der neuen Villensiedlung als Geschenk überreicht.

Weitere Arbeiten der Versteigerung stammen von Künstlern und Designern wie Koloman Moser, Paul Philippe, Louis Comfort Tiffany, Johann Lötz Witwe, Franz Hagenauer und Dagobert Peche, der mit mehren interessanten Spiegelrahmen mit von der Partie ist.

Am selben Nachmittag ab 17 Uhr steht die Klassiche Moderne auf der Agenda. Hier darf man sich auf Werke von Rudolf Wacker, Otto Dix, Oskar Kokoschka und Wilhelm Thöny freuen. Der als surrealistischer Fotograf bekannte Man Ray ist mit zwei Ölgemälden vertreten, Gebirgsmaler Alfons Walde u.a. mit einem weiblichen Akt und Norbertine Bresslern-Roth mit einigen ihrer außergewöhnlichen Tierbilder.

Natürlich dürfen auch die beiden bekanntesten Namen der Wiener Moderne nicht fehlen. Egon Schiele und Emilie Flöges Lebensgefährte Gustav Klimt sind jeweils mit mehreren Zeichnungen vertreten. Klimts um 1916 entstandene Zeichnung Brustbild nach rechts diente als Studie für das heute verschollene Gemälde Der Pelzkragen.

Vom unbekannteren Wiener Maler Leopold Blauensteiner stammt das wunderbare Portrait seiner Frau Frieda aus dem Jahr 1908. Das Bildnis stellt ein Hauptwerk im Œuvre Blauensteiners sowie eine Jugendstilarbeit par excellence dar.

Beachten Sie bitte, dass die bedeutendsten Lose mit Arbeiten der Klassischen Moderne erst im Evening Sale aufgerufen werden, der am 1. Dezember um 18 Uhr beginnt. Dies gilt auch für die wichtigsten Arbeiten der Zeitgenössischen Kunst, deren Versteigerung bereits um 15 Uhr desselben Tages stattfindet.

Mehrfach vertreten ist die Grande Dame der österreichischen Malerei, Maria Lassnig, deren Arbeiten es nie an Fantasie, Selbsterkenntnis und Humor mangelt. Ein hervorragendes Beispiel für Lassnigs spätere Tendenz, sich mit spirituellen Themen zu befassen, stellt Korkenziehermann von 1986 dar, in dem die Küsterin Gevatter Tod nicht mit seinem üblichen Accessoire, der Sense, sondern mit einem Korkenzieher auf die Leinwand brachte.

Ursprünglich ohne Titel, hat das vorliegende Objekt von Franz West schließlich doch noch einen erhalten: Sitzwurst. Geschaffen hat es West unter Beibehaltung seiner obersten Maxime, nach der er die Natur für nicht imitierbar hält und daher auf ein unnatürliches Erscheinungsbild setzt. Doch ist es in der Natur nicht manchmal so, dass die Dinge nicht das sind, für das man sie hält? Auf den ersten Blick könnte man die Sitzwurst für ein Objekt aus Knete halten oder etwas in Packpapier gehülltes. Verwendet wurde jedoch ausschließlich Aluminium, wodurch ein überraschender haptischer  Effekt entsteht.

Dass es nicht nur auf das Ergebnis ankommt, sondern oftmals auch der Weg das Ziel ist, veranschaulicht Aktionskünstler Hermann Nitsch seit den 1960er Jahren. Ein Ergebnis, das während Nitschs 62. Aktion im Römischen Theater von Triest entstand, besteht aus Blut, Farbe und Textil (Priestergewand), die er im Verlauf der Aktion aus Bewegung und Musik auf der Leinwand platzierte.

Weitere Künstler im Katalog mit Zeitgenössischer Kunst sind Fritz Wotruba, Markus Lüpertz, Hans Bischoffshausen, Andy Warhol, Roy Lichtenstein, Helmut Leherb und Sigmar Polke.

Entdecken Sie alle Lose der Jubiläumsauktion im Palais Kinsky hier bei Barnebys.