Im Sommer 2018 staunten die Handwerker, die ein ehemaliges Büro in die neue Boutique von Modedesigner Oscar de la Rente verwandelten, nicht schlecht, als sie bei ihrer Arbeit unverhofft auf einen echten Schatz stießen.

Zum Vorschein kam dieser Schatz, als die Handwerker gerade dabei waren einen anderen in dem besagten Raum freizulegen: eine Holzdecke aus dem 19. Jahrhundert, die jahrzehntelang von einer zweiten Decke verdeckt wurde. Während der Freilegung der Holzdecke kam an der Stirnseite des Raumes ein noch größerer Fund zum Vorschein: ein rund 3 x 6 m messendes, im Laufe der Zeit verdunkeltes Gemälde, das sich über die gesamte Wandfläche erstreckt. Darauf zu sehen ist eine Gruppe von Reitern in Kleidern des 17. Jahrhunderts vor der Kulisse der Stadt Jerusalem.

Foto: ©Julien Mignot für The New York Times Foto: ©Julien Mignot für The New York Times

Obwohl Alex Bolen, Geschäftsführer bei Oscar de la Renta, von Anfang von der Existenz des Gemäldes Kenntnis besaß, beschloss er die Öffentlichkeit darüber erst zur Pariser Fashion Week im Januar 2019 zu informieren. Bolen nahm Kontakt zu Stéphane Pinta auf, seines Zeichens Spezialist für Gemälde Alter Meister bei der Firma Turquin, der das Gemälde als ein 1674 gemaltes Werk des flämischen Künstlers Arnould de Vuez identifizierte, der neben dem Ersten Hofmaler Charles Le Brun am Hof Ludwigs XIV. tätig gewesen war. Durch einen Bericht des französischen Historikers Albert Vandal konnte Turquin auch die Herkunft des Gemäldes klären. Dargestellt ist Charles-Marie-Francois Olier, Marquis de Nointel et Angervilliers, französischer Botschafter in Palästina, der mit seiner Entourage während einer Reise durch den Mittleren Osten im Jahr 1673 Jerusalem besucht.

Die Fassade der Oscar de la Renta-Boutique in der Rue de Marignan | Foto: Bangkok Post Die Fassade der Oscar de la Renta-Boutique in der Rue de Marignan | Foto: Bangkok Post

Die Eröffnung der neuen Oscar de la Renta-Boutique war eigentlich pünktlich zur Fashion Week geplant gewesen. Durch die Restaurierung des Gemäldes mussten die Umbauarbeiten jedoch unterbrochen werden, sodass die Eröffnung vermutlich nicht vor Mai stattfinden wird.

Experten vermuten, dass das Meisterwerk an der Wand festgeklebt und anschließend verdeckt wurde, um es vor den Nationalsozialisten, die Paris von 1940-44 besetzt hatten und Kunst im großen Maßstab enteigneten, zu schützen. Da eine Loslösung von der Wand für das Gemälde zu gefährlich wäre, hat Alex Bolen mit den Besitzern des Gebäudes ausgehandelt, dass das Gemälde Teil der neuen Boutique werden soll (der Mietvertrag geht über 10 Jahre). Als Gegenleistung übernimmt Oscar de la Renta vollständig die Kosten der Restaurierung.

Restaurator Benoît Janson bei der Arbeit | Foto: ©Julien Mignot für The New York Times Restaurator Benoît Janson bei der Arbeit | Foto: ©Julien Mignot für The New York Times

Der Spezialist Benoît Janson hat mit seinem Team bereits über mehrere Monate hinweg an der Restaurierung des Gemäldes gearbeitet, das er für "selten und außergewöhnlich in vielerlei Hinsicht" hält. Jede Restaurierung des Werkes, die in den vergangenen Jahrhunderten durchgeführt wurde, hat mit einer neuen Lackschicht ihre Spuren hinterlassen und die ursprünglichen Farben verfälscht. Die intensive und sogfältige Arbeit der Spezialisten wird voraussichtlich im Mai beendet sein, sodass die dann neueröffnete Boutique ein Anziehungspunkt für Mode- und Kunstfreunde gleichermaßen sein wird.

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