Zusammen mit dem Glasbläsermeister Andrea Rioda gründeten die beiden Männer 1921 die Firma Cappellin-Venini & C. auf der Insel Murano bei Venedig, die seit dem Ende des 18. Jahrhunderts Hauptzentrum der europäischen Glasherstellung gewesen war. Die Firmengründung sollte der dortigen traditionellen Fertigung neues Leben einhauchen.

Paolo Venini wird als der bedeutendste Glashersteller im Murano des 20. Jahrhunderts angesehen | Foto via theducker.com Paolo Venini wird als der bedeutendste Glashersteller im Murano des 20. Jahrhunderts angesehen | Foto via theducker.com

Schon bald stieß der Maler Vittorio Zecchin zu dem Trio unter dessen künstlerischer Leitung die ersten Kreationen im neuen Stil des Art déco gehalten waren. Auch Paolo Venini war kein Anhänger von Traditionen und war sein Leben lang bestrebt, seinen eigenen Weg zu gehen, indem er mit eigenen Techniken experimentierte. So gehörte er zu den ersten in Murano, die Methan verwendeten und damit die bisherige Farbpalette gehörig erweiterte. Mit immer neuen Kooperationen begab er sich zudem auf die Suche nach stilistischen Entwicklungen.

Ein bleibender Eindruck

1923 präsentierte das junge Unternehmen seine Produkte auf einer Kunstausstellung in Monza. Es folgten die Biennalen von Venedig, Mailand, Rom und Turin. Jede Präsentation weckte das Interesse internationaler Museen und bereits ab 1930 wurden Objekte von Cappellin-Venini & C. Teil diverser Sammlungen, u.a. vom MoMA in New York sowie verschiedener Einrichtungen in Skandinavien, eine Region, auf deren Designer die Schöpfungen Veninis im 20. Jahrhundert großen Einfluss hatten.

Dass Vintage-Glas aus Murano auf dem Auktionsmarkt heiß begehrt ist, bewies nicht zuletzt die Auktion von Cambi Casa d'Aste im Juni 2016. Erzeugnisse von Venini waren natürlich auch dabei. Entdecken Sie die unglaublichen Ergebnisse der Auktion hier. Dass Vintage-Glas aus Murano auf dem Auktionsmarkt heiß begehrt ist, bewies nicht zuletzt die Auktion von Cambi Casa d'Aste im Juni 2016. Erzeugnisse von Venini waren natürlich auch dabei. Entdecken Sie die unglaublichen Ergebnisse der Auktion hier.

Die Partnerschaft von Paolo Venini und Giacomo Cappellin war jedoch nicht für die Ewigkeit bestimmt, sodass es bereits 1925 zur Trennung der beiden einstigen Firmengründer gekommen war und Venini stand im Alter von erst 30 Jahren fortan an der Spitze von VSM Venini & C.

Unter seiner Gesamtleitung sowie der künstlerischen unter Bildhauer Napoleone Martinuzzi, wurde die Glasherstellung der Firma, die auch heute noch in einer Kirche aus dem 18. Jahrhundert untergebracht ist, moderner und vielfältiger. Zu den ursprünglich hergestellten Vasen gesellten sich stilisierte Tiere, Blumen und Früchte sowie eine breite Palette an Leuchtkörpern.

Die Kunst, Unterstützung zu finden

Der ehemalige Anwalt und visionäre Unternehmer, dessen Vorfahren einer Legende nach, einen Brennofen am Comer See betrieben haben sollen, besaß die Gabe, stets auf die Unterstützung talentierter Personen bauen zu können. Die Architekten Tomaso Buzzi und Giò Ponti, der Künstler Carlo Scarpa, die schwedische Keramikerin Tyra Lundgren, der amerikanische Maler Ken Scott und der Designer Fulvio Bianconi sind nur einige der großen Namen, die in der Zwischenkriegszeit und bis Ende der 1950er Jahre mit der Glashütte Venini zusammenarbeiteten.

Carlo Scarpa (rechts) mit Glasbläser Arturo Biasutto in der Werkshalle von Venini, Murano 1943 | Foto via pamono.com Carlo Scarpa (rechts) mit Glasbläser Arturo Biasutto in der Werkshalle von Venini, Murano 1943 | Foto via pamono.com

Blattförmige Schale von Tyra Lundgren für Venini | Foto via jacksons.se Blattförmige Schale von Tyra Lundgren für Venini | Foto via jacksons.se

Bianconi entwarf insbesondere den berühmten Fazzoletto, jene "Taschentuchvase", die heute zu den Klassikern des prestigeträchtigen Hauses zählt. Auch die Figuren der Commedia dell'Arte zählen zu seinen Schöpfungen. Im Zuge dieser fruchtbaren Zusammenarbeiten entwickelte Venini in der Nachkriegszeit Dekortechniken für feingeblasenes Glas aber auch für die Modellierung von massivem "versunkenen" Glas.

Fazzoletto-Vasen von Fulvio Bianconi für Venini | Foto via venini.com, 1stdibs.com Fazzoletto-Vasen von Fulvio Bianconi für Venini | Foto via venini.com, 1stdibs.com

Figuren aus der Commedia dell'Arte von Fulvio bianconi für Venini | Foto via cambiaste.com, 1stdibs.com Figuren aus der Commedia dell'Arte von Fulvio bianconi für Venini | Foto via cambiaste.com, 1stdibs.com

Familie

Paolo Venini, Gründer der heute international bekannten Glashütte und Marke starb 1959. Zu diesem Zeitpunkt befand sich sein Schwiegersohn, der Architekt Ludovico Diaz de Santillana, an der Spitze des Familienunternehmens. Er führte es im Geiste Veninis weiter, indem er auf technische Innovation und den stilistischen Input von zeitgenössischen Künstlern setzte. Auf diese Weise halfen Tobia Scarpa (Carlo's Sohn), Taplo Wirkalla aus Finnland und die italienischen Architekten und Designer Alessandro Mendini, Gae Aulenti und Ettore Sottsass, die Produktpalette von Venini zu ergänzen und das Unternehmen zu fördern, das bis Ende der 1980er Jahre in Familienbesitz bleiben sollte.

Objekte von Ludovico Diaz de Santillana und Tobia Scarpa für Venini | Foto via venini.com Objekte von Ludovico Diaz de Santillana und Tobia Scarpa für Venini | Foto via venini.com

Objekte von Tapio Wirkkala für Venini | Foto via cultfinlandia.it Objekte von Tapio Wirkkala für Venini | Foto via cultfinlandia.it

Objekte von Ettore Sottsass for Venini | Foto via venini.com Objekte von Ettore Sottsass for Venini | Foto via venini.com

Im Jahr 1972 zerstörte ein Brand die Büros und Archive des Unternehmens, wodurch historisch wertvolle Dokumente zur Firmengeschichte für immer verloren gingen. Die Produktionsstätten waren nicht betroffen. Ein Vorfall, der auch rund 700 Jahre später, den Beschluss der damaligen Regierung Venedigs nachvollziehbar macht, die Glasproduktion aufgrund der erhöhten Brandgefahr auf die Insel Murano zu verbannen...

Finanzieller Einsatz

In den Augen der großen italienischen Finanzgruppen wurde Venini in den 1990er Jahren zu einer echten wirtschaftlichen und strategischen Macht, dominiert von Persönlichkeiten wie Arturo Ferruzzi und Raul Gardini, die Mitte des Jahrzehnts eine Mehrheitsbeteiligung des Unternehmens besaßen.

1997 erzielte das Unternehmen mit seinen verschiedenen Tätigkeitsbereichen (Glaswaren und Beleuchtung) einen Jahresumsatz von rund 20 Milliarden Lire und beschäftigte über 100 Mitarbeiter. Der italienische Markt repräsentierte nicht mehr als 50% der Produktion und der Exporte des Unternehmens, dessen Schwerpunkt von Europa in die Vereinigten Staaten verlagert worden war.

Im selben Jahr verkaufte Gardini seinen Anteil an der Glashütte an die Gruppe Royal Scandinavia, die diese vier Jahre später an Italian Luxury Industries veräußerte, die die internationalen Ambitionen vor allem durch das Abschließen von Exklusivverträgen fortsetzte.

Bald schon 100 Jahre

Im Jahr 2016 erwarb der Schmuckhersteller Damiani das Unternehmen, das in den Jahren zuvor, bedingt durch die Finanzkrise, erhebliche Umsatzeinbußen hatte verzeichnen müssen. Unter der neuen Leitung wird der ursprüngliche Weg der Innovation und stetigen Weiterentwicklung fortgeführt, indem Glasschmuckwaren in das "Œuvre" von Venini aufgenommen werden.

Gegenüber Fashion Network äußerte Guido Damiani, dass Venini "eine fantastische Marke mit einer starken Geschichte ist, über die kommuniziert werden muss, um sie den aufstrebenden Luxuskonsumenten näher zu bringen. Wir können es dabei auf unseren international größten Märkten, wie Japan, kommerziell unterstützen."

Lampen von Venini im Hotel Vesuvio Roof Garden in Neapel | Foto via venini.com Lampen von Venini im Hotel Vesuvio Roof Garden in Neapel | Foto via venini.com

Die Beleuchtung von Geschäften und Hotels ist eine weitere Branche mit erheblichen Entwicklungspotenzial, durch die die Glashütte aus Murano, bewaffnet mit ihren bunten, lichtdurchfluteten Waren, ihrem 100. Geburtstag entgegenblicken kann - piano e sano.

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