Nelson Mandela im Gefängnis auf Robben Island, ca. 1966 | Foto: ©Getty Image Nelson Mandela im Gefängnis auf Robben Island, ca. 1966 | Foto: ©Getty Image

Zehn Jahre nach seiner Inhaftierung auf Robben Island schrieb Nelson Mandela auf einem dünnen, mit dem Gefängnisstempel markierten Blatt Papier einen zärtlichen Brief an die Familie seines engen Freundes Michael Harmel, über dessen Tod vier Monate zuvor er gerade erst informiert worden war. Für ein solch seltenes und persönliches Dokument sind die Erwartungen hoch: Der Schätzpreis für den Brief liegt bei 50.000-100.000 GBP (56.000-110.000 Euro).

"Ich habe oft an dich und Ray gedacht, seit ich vom Tod deines lieben Vaters gehört habe. Ich kenne keine Einzelheiten über das Datum oder die Umstände seines Todes, sondern nur die wenigen Informationen, die ich von jemanden erhielt, der dachte, wir wüssten bereits Bescheid. Es ist nicht leicht, die Tatsache zu akzeptieren, dass wir Mike nie wieder sehen werden." Mit diesen Worten eröffnete Mandela den Brief, den er an Michael Harmels Tochter Barbara schrieb, bevor auf die großen Qualitäten seines verstorbenen Freundes eingeht und betont, wie wertvoll diese Freundschaft für ihn war. Michael Harmel war im Juni 1974 in Prag gestorben.

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Harmel war ein Aktivist und Mitglied der Kommunistischen Partei, der bei seiner Rückkehr nach Südafrika im Jahr 1959 in die Gewerkschaft eintrat und erster Redakteur der Zeitung African Communist wurde. 1962, dem Jahr, in dem Nelson Mandelas Prozess begann, wurde Harmel verhaftet und fünf Jahre lang unter Hausarrest gestellt. Anschließend musste er ins Exil gehen.

Michael Harmel war nicht nur ein Begleiter Mandelas gewesen, der dessen Ideale teilte, sondern auch ein wertvoller Freund. Harmels Frau Ray entwarf 1958 das Hochzeitskleid für Winnie Mandela, die Hochzeitsfotos des frischgebackenen Ehepaares Mandela entstanden im Haus der Familie Harmel.

Nelson und Winnie Mandela am Tag ihrer Hochzeit | Foto via myjoyonline Nelson und Winnie Mandela am Tag ihrer Hochzeit | Foto via myjoyonline

"Ich war überzeugt, dass er die Ehre an der Spitze zu stehen, nicht verdienen würde. Erst Jahre später erkannte ich seine Einfachheit als eine Tugend, an der viele ein Vorbild nehmen konnten."

Während seiner bis 1990 dauernden Haftzeit wurde Mandela mehrmals "befördert", so dass er 1974 ein Häftling der Besoldungsgruppe A war, ein Rang, der ihm mehr Kontakt mit der Außenwelt ermöglichte.

Der Leiter der Buch- und Manuskriptabteilung des Auktionshauses Bonhams, Matthew Haley, sagt: "Es ist ein wunderschöner Brief, genau die Art von Brief, den man zu solch einem traurigen Anlass erhalten möchten, und umso mehr aufgrund der Umstände, unter denen er geschrieben wurde."

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Der Brief wird am 12. September bei einer Auktion von Bonhams in London aufgerufen. Er befindet sich jedoch noch immer in Südafrika, das er als national bedeutendes Dokument auch nicht verlassen darf, auch wenn ihn ein Bieter aus dem Ausland ersteigern sollte.

Das Auktionshaus setzt daher für die Versteigerung auf Museen und Institutionen, die die Chance ergreifen wollen, eine öffentliche Sammlung zu bereichern, wie es mit vielen Briefen Nelson Mandelas, die als Nationalschätze betrachtet werden, bereits geschehen ist.

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