Seit dem 27. Juni 2018 heißt nicht nur Lothar Matthäus' Devise "jetzt nur nicht den Sand in den Kopf stecken". Ganz Deutschland muss lernen, mit der Vorrunden-Pleite zu leben. Aber so ist das nunmal im Sport: "Mal verliert man und mal gewinnen die anderen" - das wusste schon Otto Rehhagel. Natürlich ist es nicht ganz so dramatisch, denn schließlich Stand Deutschland bereits viermal ganz oben auf dem Treppchen des FIFA World Cup.

Die deutsche Nationalmannschaft nach Erhalt des WM-Pokals 2014 | Foto: Marcello Casal Jr/Agência Brasil via Wikipedia Die deutsche Nationalmannschaft nach Erhalt des WM-Pokals 2014 | Foto: Marcello Casal Jr/Agência Brasil via Wikipedia

Und natürlich möchte jene Nation ihre Mannschaft einmal als Fußballweltmeister sehen und gebannt schauen Millionen von Fans auf der ganzen Welt alle vier Jahre zu, wenn die Spiele um den begehrten Titel ausgetragen werden. Einige unter ihnen gehen sogar soweit, Beträge im sechstelligen Bereich zu zahlen, wenn es darum geht, ein Stück WM-Geschichte in der eigenen Vitrine zu platzieren.

Wir haben nachfolgend die 5 teuersten WM-Memorabilia der Auktionsgeschichte einmal für Sie zusammengestellt.

Pelé, WM-Medaille 1958: 187.500 GBP

Die meisten Objekte dieser Auflistung befanden sich einst im Besitz von Edson Arantes do Nascimento, besser bekannt als die brasilianische Fußballlegende Pelé. 2016 bewies Pelé, dass er nicht nur über begnadete Füße verfügt, sondern auch über ein großes Herz, als er 2000 Objekte aus seinem persönlichen Besitz an das amerikanische Auktionshaus Julien's Auctions übergab, das diese für den guten Zweck versteigern sollte. Zu diesen Objekten gehörte auch Pelés Weltmeistermedaille von 1958, als er mit nur 17 Jahren der jüngste Spieler der Endrunde war. Die Medaille erzielte beeindruckende 270.000 USD (ca. 212.000 EUR). Die vollständige Liste der erzielten Preise der Benefizauktion finden Sie hier.

Nobby Stiles, WM-Medaille 1966: 188.200 GBP

2010 wurde bei Coventry Auctions die WM-Medaille von 1966 des Mittelfeldspielers Nobby Stiles für 188.200 GBP (ca. 213.000 EUR) versteigert. Stiles, bekannt für seine dominante Zahnlücke, hatte bei jener Fußballweltmeisterschaft viel geleistet und war bei jedem Spiel auf dem Platz gewesen. Neben seinem zahnlosen Grinsen blieb auch seine Tanzeinlage nach dem Finale in Erinnerung zumindest in seiner Heimat. Deutschland denkt bei jener WM nach wie vor eher ans "Wembley-Tor"...

Nobby Stiles, WM-Medaille 1966 | Foto: ©Handout/PA Nobby Stiles, WM-Medaille 1966 | Foto: ©Handout/PA

Replik des Jules Rimet-Pokals von 1966: 254.500 GBP

Um Englands bisher einzigen WM-Titel 1966 noch weiter auszukosten und die Öffentlichkeit noch mehr daran teilhaben zu lassen, fertigte Juwelier Dick Bird eine Replik des Jules Rimet-Pokals an, also der Weltmeistertrophäe zwischen 1930 und 1970. Viele Jahre lag die Replik unter dem Bett ihres Schöpfers, bevor sich dessen Familie 1997 entschloss, sie zu versteigern. Als Höchstbietender trat die FIFA selbst auf den Plan, zahlte 254.500 GBP (ca. 287.000 EUR) und platzierte den Pokal im National Football Museum in Manchester, wo er noch heute bewundert werden kann.

Links: Sieg der englischen Nationalmannschaft bei der WM 1966 Rechts: Der Pokal im National Football Museum | Foto: ©Jason Lock Photography Links: Sieg der englischen Nationalmannschaft bei der WM 1966 Rechts: Der Pokal im National Football Museum | Foto: ©Jason Lock Photography

Pelé, WM-Medaille 1970: 346.000 GBP

Als bislang einzigem Spieler der Geschichte war es Pelé dreimal vergönnt, Fußball-Weltmeister zu werden. Seine Leitungen und sein Talent sind tief im kollektiven Gedächtnis verankert und er wird als der beste Spieler aller Zeiten betrachtet. So verwundert es nicht, dass eine weitere seiner WM-Medaillen auf dieser Liste auftaucht. die ebenfalls bei Julien's Auctions versteigerte Medaille erzielte 346.000 GBP (ca. 391.000 EUR) und wurde damit zur teuersten Fußball-Medaille der Auktionsgeschichte. Den Rekord hielt bis dahin die Football Association Cup-Medaille von Stanley Matthews aus dem Jahr 1953, die 2014 für 220.000 GBP (ca. 248.000 EUR) bei Graham Budd Auction den Besitzer wechselte.

Pelés persönliche Replik des Jules Rimet-Pokals von 1970: 394.000 GBP

Und wie so oft während seiner Spielerkarriere steht Pelé auch auf dieser Liste ganz oben auf dem Siegertreppchen. Als Pelé 1970 zum dritten Mal mit der brasilianischen Nationalmannschaft Fußballweltmeister geworden war, verkündete er, dass dies seine letzte WM-Teilnahme gewesen war. Pelés persönliche Replik des in jenem Jahr zum letzten Mal verliehenen Jules Rimet-Pokals ist also in vielerlei Hinsicht ein ganz besonderes Objekt. Ersteigert wurde die Trophäe bei Julien's Auctions vom Schweizer Uhrenhersteller Hublot, dem langjährigen Geschäftspartner des Idols, für 394.000 GBP (ca. 445.000 EUR).

Pelés persönliche Replik des Jules Rimet-Pokals von 1970 | Foto via The Telegraph Pelés persönliche Replik des Jules Rimet-Pokals von 1970 | Foto via The Telegraph

Die vielen in dieser Rangliste aufgeführten Objekte der Pelé-Auktion 2016 bei Julien's Auctions lassen bereits erahnen, dass sämtliche Objekte des Wohltätigkeitsevents verkauft wurden. Insgesamt brachten die Erinnerungsstücke der Fußballlegende 3,4 Millionen GBP (ca. 3,8 Millionen EUR) ein.

Wie sieht's in Deutschland aus?

Von den oben genannten Preisen können deutsche Fußballmemorabilia bislang nur träumen. Dabei ist Deutschland als Fußballsammlernation neben England am längsten aktiv, etwa seit Ende der 1990er Jahre. So hohe Preise wie in England werden aber (noch) nicht bezahlt.

Hans Tilkowski beim WM-Finale 1966 im Wembley-Stadion | Foto via 11freunde.de Hans Tilkowski beim WM-Finale 1966 im Wembley-Stadion | Foto via 11freunde.de

Auch eines der hochpreisigen Erinnerungsstücke eines deutschen Spielers wurde natürlich in England versteigert: Das schwarze Finaltrikot, das der deutsche Torwart Hans Tilkowski 1966 nach der Wembley-Niederlage mit seinem englischen Kollegen Gordon Banks tauschte. Der dafür 2001 bei Christie's erzielte Preis betrug umgerechnet etwa 8.600 Euro.

Zukunftsaussichten

Generell ist die weltweite Szene der ernsthaften Sammler noch überschaubar, wächst aber stetig. Prognosen geben Grund zur Vermutung, dass die Preise für Fußball-Memorabilia nach der WM 2022 in Katar stark ansteigen werden, wenn der liquide Nahe Osten in dieses Auktionsgeschäft mit einsteigt. Man darf also gespannt sein, was der Salvator Mundi der Fußballwelt werden wird...

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