Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war es en vogue, sich zu gruseln. Am flackernden Kamin wurde aus Mary Shelleys Klassiker FrankensteinDracula von Bram Stoker oder Henry James' The Turn of the Screw vorgelesen. Man traf sich in Séancen, um via Medium mit dem Reich der Toten Kontakt aufzunehmen und diskutierte nach der Öffnung des Grabes von Tutanchamun im Jahre 1922, wen der Fluch des Pharao wohl als nächsten treffen würde.

Natürlich sprang auch die junge Filmindustrie auf diesen Zug auf. Vor allem die Universal Studios in Hollywood produzierten zwischen 1920 und 1950 eine Vielzahl von Filmen dieses Genres, die so prägnant waren, dass sie unter dem Begriff "Universal-Horror" zusammengefasst sind. In den frühen 1930er Jahren drehten die Universal Studios Horrorfilme, die zu absoluten Klassikern der Filmgeschichte geworden sind: Dracula (1931) mit Bela Lugosi in der Hauptrolle sowie Frankenstein (1931) und Die Mumie (1932), deren Hauptfiguren jeweils von Boris Karloff dargestellt wurden.

Dieses sehr gut erhaltenen Plakat zum Film "The Mummy" von 1932 wird aktuell online bei Sotheby's versteigert. Schätzpreis: 1 - 1,5 Millionen USD | Foto: Sotheby's Dieses sehr gut erhaltenen Plakat zum Film "The Mummy" von 1932 wird aktuell online bei Sotheby's versteigert. Schätzpreis: 1 - 1,5 Millionen USD | Foto: Sotheby's

Es war nicht nur die Zeit des Gruselns, sondern auch die Epoche des Art déco, dessen plakativer, glamouröser und dramatischer Stil sich hervorragend für die Gestaltung von Filmplakaten eignete. Behalten Sie dies alles im Hinterkopf, wenn Sie die folgen sechs Filmplakate betrachten, die bisher die treuesten Preise erzielt haben (und wovon Ihnen eines bekannt vorkommen dürfte).

Platz 5

"Dracula" (1931, Universal Pictures), Plakat für den US-Markt "Dracula" (1931, Universal Pictures), Plakat für den US-Markt

Den Anfang macht das US-Filmplakat zu Dracula aus dem Jahr 1931, das 2009 für 310.700 USD den Besitzer wechselte. Verkauft wurde es von Hollywoodschauspieler Nicolas Cage, in dessen privater Sammlung es sich viele Jahre befand.

Platz 4

Links: "The Bride of Frankenstein" (1935, Universal Pictures), Plakat für den US-Markt Rechts: "The Black Cat" (1934, Universal Pictures), Plakat für den US-Markt Links: "The Bride of Frankenstein" (1935, Universal Pictures), Plakat für den US-Markt Rechts: "The Black Cat" (1934, Universal Pictures), Plakat für den US-Markt

Den 4. Platz dieses Rankings teilen sich zwei Filmplakate, die 2007 bzw. 2009 bei Heritage Auctions versteigert wurden und jeweils 334.600 USD erzielten. Auch diese beiden US-Markt-Plakate für die Filme Frankensteins Braut (1935) und Der schwarze Kater (1934) stammten aus Privatsammlungen.

Platz 3

"Metropolis" (1927, UFA), Plakat für den deutschen Markt "Metropolis" (1927, UFA), Plakat für den deutschen Markt

Am deutlichsten vom Stil des Art déco geprägt ist das Plakat zum epischen und futuristischen Klassikers Metropolis, den Regisseur Fritz Lang 1927 für die UFA in Potsdam-Babelsberg drehte. Das Filmposter für den deutschen Markt war einem Sammler 357.700 USD wert.

Platz 2

"The Mummy" (1932, Universal Pictures), Plakat für den US-Markt "The Mummy" (1932, Universal Pictures), Plakat für den US-Markt

Unser Platz 2 durfte sich ab seiner Versteigerung im Jahr 1997 acht Jahren lang über den Titel "Teuerstes Filmplakat der Welt" freuen. 435.500 USD wurden damals dafür auf den Tisch gelegt. Das Poster, das aktuelle bei Sotheby's versteigert wird, könnte dieses Ergebnis verdoppeln oder sogar verdreifachen.

Platz 1

"Metropolis" (1927, UFA), Plakat für den internationalen Markt "Metropolis" (1927, UFA), Plakat für den internationalen Markt

Wenn Ihnen Platz zwei bereits bekannt vorkam, dürfte dies bei Platz 1 erst recht der Fall sein: Wieder handelt es sich um ein Plakat zum Film Metropolis aus dem Jahr 1927. Dieses Mal handelt es sich jedoch um die internationale Version, bei der die Namen der Schauspieler und Crewmitglieder in der unteren Bildhälfte fehlen. Bei einer Auktion im Jahre 2005 erzielte das Plakat 690.000 USD. 2012 wurde es bei einer weiteren Versteigerung zusammen mit Filmmemorabila für 1,2 Millionen USD versteigert.

Von den Filmplakaten dieser Liste sind jeweils nur sehr wenige Exemplare bekannt, was sie natürlich zu absoluten Sammlerstücken macht. Aber warum sind so viele Horrorfilme vertreten? Zum einen, weil es sich bei diesen alten Filmen um Pionierarbeiten handelt, die mittlerweile ikonisch verehrt werden. Zum anderen gruseln wir uns wohl auch heute noch gerne.

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