In der Wohnung des vor sieben Jahren verstorbenen Jan Eric Löwenadler wusste man gar nicht, wo man zuerst hinschauen soltel. Das Interieur des gesamten Penthouses bestach mit seinen Wandmalereien, der Designsprache, der Farbwahl und natürlich mit den Kunstwerken, die einem überall begegneten.

Jan Eric Löwenadler (1936-2010) war Kunsthändler und -sammler. In den späten 1950er Jahren gründete er die Europäische Ferienschule, die heutige EF Education. Gemeinsam mit Göran Engström führte Löwenadler die Galerie Löwenadler am Karlaplan in Stockholm und ging später als Kunsthändler nach Paris und New York, wo er Robert Rauschenberg, Andy Warhol, Jean Michel Basquiat, Roy Lichtenstein, Jasper Johns und Keith Haring vertrat und eine wichtige Rolle bei der Einführung dieser Künstler in Schweden spielte.

Löwenadler bekannte sich schon früh öffentlich zu seiner Homosexualität. Er und sein Lebensgefährte Alejandro Madero Wage gehörten zu den ersten schwulen Paaren in Schweden, die das Recht auf eine eingetragene Lebenspartnerschaft wahrnahmen.

1986 kehrte Jan Eric Löwenadler Paris und New York den Rücken und machte sich auf die Suche nach einem neuen Zuhause in Stockholm. Dieses fand er in einer Obergeschosswohnung aus den 1920er Jahren, die er vom Architekten Per Öberg in ein Penthouse umwandeln ließ. Geschaffen wurde eine Kunstoase, deren Innendesign und architektonischer Stil mit den feinsten Adressen in Paris und New York mithalten konnte.

Insgesamt gab es 437 m² Wohnfläche mit 93 m² Balkonen und Terrasse, die es zu gestalten galt. Nach dem Ausbau des Dachgeschosses wurden auf den beiden Ebenen zunächst zwei separate Wohnungen geschaffen, die jedoch in den frühen 1990er Jahren zu einem geräumigen Penthouse zusammengelegt wurden.

Ein wichtiges Anliegen Löwenadlers und seines Architekten war es, den ursprünglichen Stil der 1920er Jahre in der Wohnung zu erhalten. Auch Teile der originalen Einrichtung und Materialien, darunter die Kalksteintreppe, wurden integriert.

Der Salon, das Esszimmer und die Bibliothek auf der unteren Etage erstrahlten in einem satten Grün unter himmelblauen Decken. Für die Ausstattung wählte Löwenadler Möbel, Dekoration und Details mit floralem Motiv, um so den Eindruck zu erwecken, dass man sich in einem Garten aufhält.

Der Salon wurde mit dekorativen Elementen der unterschiedlichsten Epochen und Regionen ausgestattet. Im Hintergrund erkennt man die offene Gestaltung der Räume mit dem Blick in die Bibliothek.

Louis XV-Schreibtisch und -stuhl stammten aus der Hauptepoche des französischen Rokoko. An der Wand hing zeitgenössische Kunst.

Das Esszimmer wurde in den gleichen Farben gestaltet wie der Salon. Hier sorgten zwei Esstische für eine intime Atmosphäre bei Dinner-Einladungen. Die Tische aus schwarzem Stahl und Glas folgten der Ästhetik des Gartenthemas und passten zu den Glastüren in des Wintergartens, der sich an das Esszimmer anschließt. Um die Tische herum gruppierten sich graue Stühle des schwedischen Spät-Rokoko mit durchbrochen gearbeiteten Rückenlehnen.

Im Zuge der Renovierung verschwanden Türen und Türrahmen. Die vom Esszimmer ins Treppenhaus führenden offenen Durchgänge wurden stattdessen von ionischen Säulen flankiert. Um der dadurch entstandenen kühlen Atmosphäre im Esszimmer entgegenzuwirken, nahm ein zentral platzierter Teppich weite Teile des Fußbodens ein.

Auch die Bibliothek wurde durch Stoffe des bekannten schwedischen Designunternehmens Svenskt Tenn in einen Garten verwandelt. Blumen, Tiere und Blätter schufen eine kleine Oase zwischen den mit Bücherregalen verkleideten Wänden.

Im Schlafzimmer auf der unteren Etage mussten die grünen Wände einem gedeckten blauvioletten Farbton weichen, der eine ruhige, dämmrige Atmosphäre verbreitete. Ergänzt wurde das klassische Interieur mit Landschaftsgemälden des 19. Jahrhunderts sowie Sesseln in zurückhaltendem Grau.

Das Badezimmer wurde vollständig mit Carrara-Marmor verkleidet. Durch die Tür unter einer Spiegel-Supraporte erhascht man einen Blick auf das Tafelsilber in einem ehemaligen Bedienstetendurchgang.

Ein cleanes Design in Grau mit Marmorarbeitsplatten wurde auch für die 1986 eingebaute Küche gewählt. Durch die Küche hindurch gelangt man zudem zu der Treppe, die zur Dachterrasse hinaufführt. Gleich nebenan befindet sich die Eingangstür zur Butlerwohnung.

Die immer offenen Wandöffnungen ermöglichen immer neue Einblicke in die einzelnen Räume und auf deren Ausstattung. Je nachdem aus welcher Richtung man kommt, ändert sich der Eindruck, den man erhält.

Eine leichtere Atmosphäre als im Salon der unteren Etage herrschte im Wohnzimmer des Obergeschosses mit seinen apricotfarbenen Wänden.

Durch die Glaspyramide im japanischen Stil gelangt Licht nicht nur in die obere Etage, sondern auch ins Treppenhaus.

Auch im oberen Esszimmer wurden klassische mit zeitgenössischen Elementen kombiniert. Der Boden vor der Terrassentür besteht aus Glas, sodass dadurch Licht in den darunter liegenden Raum gelangen kann.

Die offen gestaltete obere Etage verfügt nur über eine kleine Durchgangsküche. Dahinter sieht man Einbauschränke, deren apricotfarbene Türen mit den Wänden verschmelzen.

Die Unterschränke des Badezimmers haben Oberflächen aus dem seltenen blauen Granit aus Brasilien. Blau ist auch die Farbe des dahinter liegenden oberen Schlafzimmers.

Nach dem Tod von Jan Eric Löwenadler im Jahr 2010 wurde seine luxuriöse Wohnung in Stockholm verkauft. Der Preis lag bei 58 Millionen SEK (ca. 5,75 Millionen EUR).

Fotograf: Kent Billeqvist

Styling: Sigbrit Kvarning