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Durch ihre jeweiligen Karrieren in der Werbung und im Rechtswesen verschlug es Ros und Richard eines Tages nach Asien. Der Plan war, zunächst zwei Jahre in Hongkong zu leben und anschließend zwei weitere in Singapur - mittlerweile leben die beiden seit 30 Jahren in Asien.

Ihr altes chinesisches Shophouse, gelegen in Singapurs historischem Distrikt Emerald Hill, widerspiegelt die gemeinsame Leidenschaft für Sammlerstücke und Inneneinrichtung. Sofort kommt einem das Wort "eklektisch" in den Sinn, und kein anderes Wort könnte das Zuhause von Ros und Richard wohl besser beschreiben. Zwischen einer Jukebox aus den 1950er Jahren, einem Automaten in Form eines Affen, Kunst aus Russland und Möbeln aus China gibt es unendlich viel zu entdecken.

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Ros erzählt uns, wie sie in den späten 1980er Jahren die Trödelläden Singapurs durchforstet haben, um all die wundervollen Dinge zu finden. Bedauerlicherweise existieren diese Geschäfte heute nicht mehr, doch zu den Schätzen, die Ros in ihnen einst gefunden hat, gehören auch ein Nebelhorn und eine alte britische Luftschutzsirene, die sich heute in ihrem Haus in Frankreich befindet.

Nachdem sie ihrer Karriere in der Werbeindustrie den Rücken gekehrt hatte, wandte sich Ros ihrer Liebe zum Innendesign zu und eröffnete ein eigenes Geschäft in diesem Bereich. Der Laden war wie ein Zuhause eingerichtet und bot eine faszinierende Mischung mit Stücken aus Südostasien, England und Frankreich. Jedes einzelne Stück war von Ros auf ihren Reisen sorgfältig ausgesucht worden. Ihre Intention war, dass sie jedes Objekt, das sie für den Laden erwarb, auch bei sich zuhause hinstellen würde.

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Auch die Lage und die Architektur des Ladens waren für Ros von besonderer Bedeutung. Die Art, in der die chinesischen Shophouses gebaut worden waren, basierte auf der Idee, dass die Inhaber eines Geschäfts in den Räumen darüber Platz zum Wohnen haben sollten. Emerald Hill ist das einzige Viertel in Singapur, in dem diese chinesischen Shophouses noch zu finden sind. Jedes der kleinen Häuser ist ein Schmuckstück für sich und in einer anderen Farbe gestrichen.

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Mit einer kleinen Gartenterrasse vor dem Eingang, einem Innenhof und drei Stockwerken, beschreibt Ros das Haus als eine Art TARDIS, also die Polizei-Zelle, mit der Serienheld Doctor Who durch Raum und Zeit reist. Was das Haus an Breite einbüßt, macht es durch Länge wieder wett. Der Innenhof zwischen Korridor und Esszimmer geht auf eine alte Tradition zurück, bei der diese Höfe zur Lüftung der lang gestreckten Häuser dienten.

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"In den Salon ziehen wir uns alle zurück, wenn wir in Ruhe lesen oder Musik hören und entspannen möchten. Oft lasse ich dabei die Vordertür offen und schließe nur die halbhohen Holztüren, die ein einzigartiges Feature dieser chinesischen Shophouses sind. Vor den Vordertüren angebracht, sind sie wie die Schwingtüren eines Saloons im Wilden Westen. Lässt man die Holztüren bei offener Vordertür geschlossen, genießt man jede Menge Privatsphäre bei jeder Menge natürlichem Licht."

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Bevor sie in das Shophouse zogen, lebten Ros und ihre Familie 25 Jahre lang in einem wunderschönen alten Kolonialhaus der britischen Armee. Emerald Hill ist nun seit vier Jahren ihr Zuhause.

Der Salon beherbergt eine Mischung aus chinesischen und englischen Möbeln, die sie aus ihrem alten Haus mitgebracht hatten, und die sich nun nahtlos an ihren neuen Standorten einfügen.

"Dieses Haus ist wirklich das perfekte Zuhause für eine Familie. Direkt beim erstmaligen Betreten war mir sofort klar, wie und wofür jeder Raum am besten genutzt werden sollte."

Obwohl beide Häuser von ihrer Grundfläche her sehr ähnlich sind - jeweils um die 370 Quadratmeter - unterscheiden sie sich deutlich vom Grundriss her. Während sich alle Räume in Ros' ehemaligen Haus auf einer Ebene befanden, verteilen sie sich im Shophouse auf drei Etagen, was völlig neue Möglichkeiten der Raumaufteilung ergab. Die Familie hatte keine Ambitionen, neue Möbel anzuschaffen. Vielmehr sollten die alten, über Jahre liebevoll zusammengetragenen Stücke die neuen Räume erobern.

"Das Esszimmer hat sich zu einer Art Familienzimmer entwickelt, das auch außerhalb der Essenszeiten genutzt wird. Den Esstisch benutze ich tagsüber als Arbeitsplatz, da ich von ihm aus in den Innenhof blicken kann, wo sich balinesische Steingötter und -affen zwischen Blumen und Pflanzen verstecken..."

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Bei einigen Stücken dauerte es etwas länger, um einen geeigneten Platz für sie zu finden. So sollte die Jukebox von 1956, in England gekauft und nach Singapur verschifft, ursprünglich in einer der oberen Etagen stehen. Als sie dann jedoch im Esszimmer aufgestellt worden war, fügte sie sich perfekt in die asiatische Möblierung ein, wo sie nun ihren Platz direkt neben einer vietnamesischen Sitzbank mit leuchtend rotem Kissen einnimmt. Über ihr hängt als Wandschmuck ein auf Samt gebetteter Lobster - ein in der indonesischen Hauptstadt Jakarta erworbenes Stück.

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Und der Affe im Glaskasten? Dabei handelt es sich um eine alte Automatenfigur aus Frankreich. Das ungewöhnliche Stück stammt aus den Händen eines bekannten französischen Herstellers solcher Automaten und präsentiert verschiedene Bewegungen: Während die kleine, noch immer im Originalkostüm gekleidete Figur auf der Geige spielt, öffnet und schließt sie ihre großen Augen. Ros hatte das ungewöhnliche Objekt auf Empfehlung in London gekauft. Diese hatte sie in Prag erhalten, wo sie auf der Suche nach böhmischem Glas für ihren Laden gewesen war. Nachdem sie in der tschechischen Hauptstadt bereits ein Auge auf zwei Vogelautomaten geworfen hatte, bekam sie den Tipp, ihre Fühler auch nach London auszustrecken, wo die besten Stücke dieser Art gehandelt werden. ein Londoner Spezialist schaute sich mehrere Jahre für Ros um, bevor sich diese für den Affen entschied.

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Das Schöne an Ros' Haus ist, dass jeder Raum unendlich viele Gesprächsthemen bietet. Sie erzählt, wie Gäste jedes Mal, wenn sie das Haus betreten, etwas Neues entdecken. "Mein Stil ist keineswegs minimalistisch! Ich arrangiere die Möbel und Objekte auch gerne neu, sodass Gäste oftmals denken, es handele sich um neue Stücke." 

Und es sind auch nicht nur die skurrilen Stücke, die eine interessante Geschichte zu erzählen haben. Auch über die Kunstsammlung der Familie gibt es einiges zu sagen. Nachdem die Familie nach Asien umgezogen war, traf sie auf Marjorie Chu, Kunsthändlerin und Pionierin auf dem Gebiet der lokalen Zeitgenössischen Kunst, die vielen jungen Künstlern zu einem höheren Bekanntheitsgrad verholfen hat. Zudem hatte Chu 1971 das Art Forum gegründet. In den 1980er und 1990er Jahren kauften Ros und Richard bei ihr die ersten Stücke ihrer Sammlung.

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Ros erzählt über Marjorie Chu, dass "sie über fantastische Verbindungen zu lokalen Künstlern verfügte, die es auf dem Kunstmarkt zu etwas bringen wollten. Viele von ihnen sind mittlerweile sehr bekannt in der Region. Sie erkannte ein Talent sofort, wenn sie es sah."

Neben lokaler Kunst, hängen in dem Haus auch Gemälde aus Europa. Die vier großen Gemälde hinter dem Buddha im Esszimmer stammen von dem spanischen Mönch Juan Rodriguez. Der Künstler war von seinem Orden nach Asien gesandt worden, um zu malen. Er kehrte nie wieder nach Spanien zurück, stattdessen verbrachte er sein Leben damit, seine Reisen durch Asien und Afrika in Bildern festzuhalten.

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Im Salon hängen Werke von vielen vietnamesischen Künstlern, aber auch solche, die das Paar vollkommen unerwartet entdeckt hatte. Während eines ihrer üblichen Besuche in einem Laden für zeitgenössisches Mobiliar, präsentierte ihnen der in Paris geborene Besitzer eines Tages seine selbstgemalten Werke mit üppigen französischen und vietnamesischen Interieurs.

Ein weiteres Steckenpferd der Familie ist Kunst aus Russland, die sie meistens in einer darauf spezialisierten Galerie in London kauft. "Die Galerie ist mittlerweile leider geschlossen, und wir wünschten, wir hätten dort noch mehr erstanden", erzählt Ros.

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Da sie selbst im fernen Asien lebt, empfindet Ros Barnebys als hilfreichen Navigator in der Auktionswelt. So war es für sie somit ein Leichtes, Teile ihres europäischen Mobiliars online auf einer Auktion von Sotheby's zu ersteigern.

Auch sind es Auktionen, auf denen die Familie viele außergewöhnliche Stücke findet, die ihren persönlichen Stil ergänzt und erweitert.

 

Fotografiert und arrangiert von Anne Nyblaeus.

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