Bevor Porzellan auch in Europa hergestellt werden konnte, musste es aus seinem Ursprungsland China importiert werden. Großer Beliebtheit erfreute sich das blauweiße Porzellan, das unter den Herrschern der Ming-Dynastie produziert wurde. Mit dem Ende der Ming-Dynastie 1644 geriet der Handel mit chinesischem Porzellan ins Stocken. Eine Lösung musste her.

Die Lösung hieß "Fayence". Der Name Fayence leitet sich von der italienischen Stadt Faenza ab. Faenza war im 16./17. Jahrhundert ein bedeutendes Zentrum für die Herstellung der "italienischen Fayence", der Majolika.

Fayence besteht aus gelblichem bis rötlich-braunem Ton, der durch den Brennvorgang zwar hart aber noch immer wasserdurchlässig ist. Daher werden die Gefäße mit einer Glasur überzogen, bei der Fayence handelt es sich um eine Bleiglasur, die durch Beimischung von Zinnoxid eine weiße Farbe erhält.

Auch auf deutschem Gebiet wurden ab dem 17. Jahrhundert Fayence-Manufakturen gegründet, u.a. in Hanau (1661), Frankfurt/Main (1666) und Ansbach 1709. Auch in der freien Reichsstadt Nürnberg wurde 1712 nahe der Stadtmauer in der Kartäusergasse eine solche Manufaktur ins Leben gerufen. Die Bemalung der Gefäße, hauptsächlich Enghalskannen und Krüge mit Zinnmontierungen, beschränkte sich zunächst auf blauweiße Dekore nach Vorbild der drei genannten Manufakturen sowie der berühmten Delfter Produktion.

Mit der Zeit kamen weitere Farben dazu: Rot, Gelb, Grün und Braun. Diese Scharffeuerfarben, die als Unterglasurmalerei später für die Porzellanmalerei von hoher Bedeutung waren, werden vor dem Glasieren auf das Gefäß aufgebracht. Bei Fayencen interessanterweise jedoch erst danach. Anschließend erfolgt der Glatt- bzw. Scharfbrand.

Die Vorliebe für die Herstellung von Schankgefäßen mit Metallmontierung in Nürnberg erklärt sich durch die Zusammensetzung des Gründungstrios. Neben dem Kaufmann Johann Conrad Romedi (1704–1720) handelte es sich dabei um den Zinngießer Christoph Marx (1669–1731) sowie den Goldschmied Heinrich Gott-fried Anton Hammon (1656–1723), die sich durch den Verkauf der metallverzierten Fayencen einen Anstieg ihrer eigentlichen Erzeugnisse versprachen.

Nach technischen Problemen in den Anfangsjahren der Manufaktur, begann eine umfangreiche Produktion etwa 1718/20. Vor allem durch die Anwerbung begabter Keramikmaler wie Georg Friedrich Grebner (tätig 1715-1744) gewannen die Erzeugnisse deutlich an Qualität. Nach chinesischen Motiven setzte man zunehmend auch auf religiöse Motive und Auftragsarbeiten der Nürnberger Patrizierfamilien, die ihre Wappen auf Tellern und Platten präsentieren wollten.

Die Fayencemanufaktur in Nürnberg erlebte ihre Glanzzeit bis etwa 1780. Das europäische Porzellan lief ihr, wie auch andernorts, zunehmend den Rang ab. 1840 endetet schließlich die Herstellung von Fayence in Nürnberg. Eine große Sammlung wird dort heute im Germanischen Nationalmuseum  ausgestellt.

Die hier vorgestellten Fayencen kommen in der kommenden Auktion des Nürnberger Auktionshauses Franke zum Aufruf. Neben Keramik umfasst der Auktionskatalog auch viele weitere Kategorien, wobei Schmuck und Kleinuhren mit mehr als 1000 Losen die größte darstellen.

Die Versteigerungen beginnen am 19. April um 14 Uhr, an den beiden Folgetagen jeweils um 10 Uhr. Vorbesichtigungen können vom 16.-18. April jeweils zwischen 10 und 20 Uhr vorgenommen werden.

Entdecken Sie den aktuellen Katalog des Auktionshauses Franke hier bei Barnebys.

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