Anlässlich der Feierlichkeiten, mit denen 2019 dem 500. Todestag Leonardo da Vincis gedacht werden soll, wurde in Rom eine Majolika-Kachel der Öffentlichkeit präsentiert, deren Vorderseite eine Profildarstellung des Erzengels Gabriel ziert. Renaissance- und Leonardo da Vinci-Forscher Ernesto Solari glaubt, dass es sich dabei um die früheste erhaltene Arbeit da Vincis handelt - eine These, die von Seiten anderer Forscher gestützt wird, wonach die Kachel vom erst 18-jährigen Leonardo im April 1471 im Brennofen seines Großvaters angefertigt worden sein soll.

Die Behauptungen kommen allerdings nicht von ungefähr. Die Grundlage dafür bilden die Inschrift "da Vinci lionardo" am unteren Rand, das Monogramm "LDV" sowie die Jahreszahl 1471. Alle Angaben wurden von der hinzugezogenen Grafologin Ivana Rosa Bonfantino bestätigt, mit der zusammen Solari das hochinteressante Objekte vorstellte.

Leonardo da Vinci, Erzengel Gabriel, 1471 | Foto: Trotter Christie via Wikimedia Commons Leonardo da Vinci, Erzengel Gabriel, 1471 | Foto: Trotter Christie via Wikimedia Commons

Ein weiteres Detail macht die Kachel aber noch interessanter, als sie sowieso schon ist: Bei dem Bildnis des Erzengel Gabriel könnte es sich um ein Selbstportrait da Vincis handeln - also das früheste Selbstportrait des späteren Renaissancemeisters.

Die sensationelle Entdeckung wird der weiteren Forschung über die Jugend Leonardo da Vincis Tür und Tor öffnen. Und die Forschung braucht solche Sensationen, um das Interesse am Leben bekannter Künstler aufrecht zu erhalten und finanzielle Mitte für weitere Untersuchungen zu erhalten. Das sich das durchaus lohnen kann, bewies schließlich im letzten Jahr erst die Versteigerung von Leonardo da Vincis Salvator Mundi, ein Gemälde, das lange Zeit für eine Kopie gehalten wurde und nach Bestätigung seiner Echtheit zum teuersten Gemälde auf dem Auktionsmarkt wurde.

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Die Untersuchungen, denen die Majolika-Kachel unterzogen wurde, umfassten eine Thermolumineszenzanalyse, anhand derer das 15. Jahrhundert als Entstehungszeitraum bestätigt werden konnte, eine Pigmentanalyse, die die Kompatibilität der Farben bestätigte sowie die von Ivana Rosa Bonfantino erstellte grafologische Expertise. Für letztere wurde die bis dato einzige bekannte Signatur von Leonardo da Vinci herangezogen, die auf dem Auftrag für die Felsgrottenmadonna zu lesen ist. Ebenfalls folgte ein Vergleich mit Schriftstücken, die dem Maler sicher zugeordnet werden können.

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Eine Kopie der Kachel wird nun im Leonardo da Vinci Experience Museum in Rom ausgestellt. Und man darf gespannt sein, welche sensationelle Entdeckungen es rund um den legendären Maler und Ingenieur in Zukunft noch geben wird.

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