Es ist eine Tatsache, dass Andy Warhol - der Papst des Pop - auch dreißig Jahre nach seinem Tod am 22. Februar 1987 Kreative und Intellektuelle noch immer gleichermaßen begeistert. Auch seine einstigen Kritiker mussten irgendwann zugeben, dass man nicht umhin kommt zu sagen "es gibt die Kunst vor Warhol und es gibt die Kunst nach Warhol", die sich schnell und stürmisch in alle Himmelsrichtungen verbreitete.

Welcher Künstler in diesem Maße bedeutungsvoll für die Aktmalerei war, erfahren Sie hier.

Eine zynische und hemmungslose Ära reflektierend, verschmolzen Warhols Arbeiten leicht mit seinem Lifestyle als New Yorker Dandy und weckten das Bewusstsein der Öffentlichkeit, wohin Bilder führen können. Mit andren Worten: Wie man den Betrachter täuschen kann. Ob Warhol ein ein Prophet war, der diese Tendenzen anprangerte oder ob er einfach Freude beim Kochen seines "Süppchens" hatte, sind Theorien, die noch immer diskutiert werden.

Andy Warhol, Big Campbell's Soup Can with Can Opener (Vegetable), 1962 | Abb.: Christie's Andy Warhol, Big Campbell's Soup Can with Can Opener (Vegetable), 1962 | Abb.: Christie's

Eine Fundgrube an Erfahrungen

Andy Warhol - geboren am 6. August 1928 als Andrew Warhola Jr.  - wuchs in der Industriestadt Pittsburgh im Osten der USA auf. Sein Vater Andrew Warhola Sr., ein Immigrant aus der Slowakei, versuchte mit einer Arbeit im Tagebau so gut es ging seine Frau Julia, die erst 1921 in die Vereinigen Staaten eingewandert war, und seine vier Kinder durchzubringen. Die Weltwirtschaftskrise in den 1930er Jahren erschwerte diese Zielsetzung jedoch ungemein.

Andy Warhol war ein oft kränkelndes Kind. Im Alter von neun Jahren wurde bei ihm Chorea Minor diagnostiziert, eine Nervenkrankheit, die ihn über weite Zeiträume ans Bett fesselte und seine Schulbildung unterbrach. In dieser Phase seines Lebens begann Warhol zu zeichnen und Fotos von Filmstars zu sammeln. Gleichzeitig stand er unter dauerhaften Einfluss seiner Mutter, die der orthodoxen Kirche angehörte und sich mit Ikonen der byzantinischen Tradition umgab. Später sagte Warhol, dass dies die einschneidende und einflussreichste Zeit im Hinblick auf die Entwicklung seines persönlichen Kunstgeschmacks und Stils gewesen sei.

Der junge Andrew Warhola Jr. | Foto via artnet Der junge Andrew Warhola Jr. | Foto via artnet

Andrew Warhola Sr. starb 1942. Zwei Jahre später schrieb sich Andy am Carnegie Institute of Technology in Pittsburgh für den Studiengang "Gebrauchsgrafik" ein, den er 1949 mit dem Bachelor of Fine Arts erfolgreich abschloss.

Ein Kind der Werbeindustrie

Nächster Halt: New York! Hier fand Andy Arbeit als Illustrator für Magazine wie Glamour, Vogue, Harper's Bazaar und The New Yorker. Sein künstlerisches Talent setzte er auch als Schaufensterdekorateur ein. Die Zeichnungen, die er in seiner Anfangsphase in der Kunstmetropole New York anfertigte, stellte er in Restaurants aus, die von Stars besucht wurden. Als er 1952 schließlich seine erste Ausstellung in einer Galerie präsentierte, konnte er einen breiten Erfahrungsschatz aufweisen: Er entwarf Kostüme für eine Theatergruppe (seine blonde Perücke stammte aus dieser Zeit), entwarf Weihnachtskarten für Modegeschäfte und verbesserte ganz neben bei seine kommerziellen Illustrationen und für die er sogar ausgezeichnet wurde.

Andy Warhol, Gold Shoe, ca. 1958 | Abb.: Sotheby's Andy Warhol, Gold Shoe, ca. 1958 | Abb.: Sotheby's

Warhol entwickelte aber auch einen gewissen Geschäftssinn. Er bezeichnete seine Arbeit schlicht als "kommerzielle Kunst" und war nicht abgeneigt, die große Menge Geld damit zu verdienen, die ihn in seiner Kindheit in Pittsburgh fortwährend gefehlt hatte.

Die Swinging Sixties

In den 1960er Jahren widmete sich der anspruchsvolle "Adman" ("Werbeanzeigen-Mann") der zeitgenössischen Kunst, angetrieben von seiner unersättlichen Neugier, insbesondere auf die europäische Avantgarde (darunter Yves Klein, Jean Tinguely, Niki de Saint Phalle) und deren Fähigkeit, alle Medien und Techniken - einschließlich Comics, Malerei, Siebdruck, Foto und Film - aufzugreifen. Dank seiner Erfahrungen in der Inszenierung von Shows und Events wurde er schon bald zum Trendsetter - so sehr, dass er neben seinen Landsleuten Roy Liechtenstein, Jasper Johns und James Rosenquist zu einer Autorität der Pop Art avancierte.

Anfang der 1960er begann Warhol schließlich verstärkt mit dem Siebdruckverfahren auseinanderzusetzen, das sozusagen zu seinem Markenzeichen werden sollte. Für seine persönliche Variante verwendete er Schwarz-Weiß-Fotografien von Prominenten (darunter Mao Tse-tung, Marilyn Monroe oder er selbst) oder Bilder von alltäglichen Konsumgüter, wie Coca Cola-Flaschen, Suppendosen von Campbell's oder Dollarscheine, die er mit großen Farbflächen bedruckte.

Andy Warhol, Self-portrait, 1986 | Foto: Christie's Andy Warhol, Self-portrait, 1986 | Foto: Christie's

Ein weiteres Markenzeichen wurde die Vervielfältigung eines Motivs, das damit als "Klischee" offenbart und die Grenze zwischen elitärer Kunst und der Popkultur aufgehoben werden sollte. Gleichzeitig kritisierte Warhol damit die Gesellschaft des Massenkonsums und die überall anzutreffende Standardisierung.

Andy Warhol, Four Marilyns, 1962 | Abb.: Christie's Andy Warhol, Four Marilyns, 1962 | Abb.: Christie's

Die Factory

Als ob es ihn zu seinen Wurzeln zurückzöge, richtete sich Andy Warhol Mitte der 1960er Jahre im Industrieviertel an der 47. Straße in Manhattan ein. Mit dabei: Scharen von Mitarbeitern, die hauptsächlich für die Reproduktion seiner Arbeiten verantwortlich waren.

Die Factory wurde zum Kultplatz der New Yorker Untergrundszene. Hier führte Warhol Regie bei verschiedenen Experimentalfilmen und half bei der Aufnahme der ersten Songs der Band The Velvet Underground. In dieser Arbeit ging Warhol sosehr auf, dass er verkündete, die Kunst zugunsten der Musik ad acta gelegt zu haben...

Wer zu dieser Zeit Andy Warhols Muse war, können Sie hier nachlesen.

Doch bereits Anfang der 1970er Jahre kehrte er zur Kunst zurück. Er entwickelte neue Portraitserien, die sogenannten Retrospektiven, und nahm auch Aufträge wohlhabender Sammler und Prominenter aus den USA und Europa an.

Andy Warhol, Sixty Last Suppers, 1986 | Abb.: Christie's Andy Warhol, Sixty Last Suppers, 1986 | Abb.: Christie's

Andy Warhols facettenreiches Werk ist im Grund unklassifizierbar und ebenso umfangreich. Allein das Andy Warhol Museum in seiner Heimatstadt Pittsburgh zeigt rund 10.000 Gemälde, Filme, Fotografien und Papierarbeiten - um nur einige zu nennen. Im slowakischen Medzilaborce, Heimat seiner Eltern, initiierte die Familie Warhol die Gründung eines Andy Warhol-Museums, das 1991 seine Tore öffnete.

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