Bei besagter Originalgrafik, die am 22. September im Auktionshaus Stahl zum Aufruf kommt, handelt es sich um Ruhende Kühe, eine Farblithografie auf Japanbütten, die Emil Nolde 1926 geschaffen hat.

Im Jahr 1926 war Emil Nolde nach Aufenthalten in München, Paris, Kopenhagen und Berlin in seine nordfriesische Heimat zurückgekehrt und ließ sich mit seiner Frau in Seebüll nieder, wo er sein berühmtes Atelierhaus inmitten eines liebevoll angelegten Gartens errichten ließ. Der Garten und die Landschaft rund um Seebüll wurden zu Noldes bevorzugten Motiven. Bei Ruhende Kühe könnte es sich um eine der ersten Arbeiten nach seiner Rückkehr handeln.

Die Farblithografie erschien in einer limitierten Auflage von nur 11 signierten Exemplaren. Auf dem vorliegenden hat Emil Nolde vermerkt, dass es "In dieser Fassung ein[en] Druck" geben sollte. Die Lithografie war in den 1920er Jahren vermutlich direkt beim Künstler erworben worden und befand sich seitdem in Familienbesitz.

19 Jahre früher als Noldes Lithografie und rund 180 Kilometer weiter südlich entstand ein anderes Werk, das von der Landschaft Norddeutschlands inspiriert war und das jetzt im Hause Stahl angeboten wird. Im August 1907 hielt Otto Modersohn einige Bauernhäuser inmitten einer leicht hügeligen Landschaft in Ölfarbe auf Karton fest.

Der in der Künstlerkolonie Worpswede lebende Maler blickte zu diesem Zeitpunkt wahrscheinlich zuversichtlich in die Zukunft, hatte er sich doch soeben mit seine Frau Paula Modersohn-Becker ausgesöhnt, die nun zudem das erste gemeinsame Kind erwartete. Tragischerweise starb Paula jedoch im November an den Folgen der schwierigen Geburt von Tochter Mathilde. Otto Modersohn zog bald darauf nach Fischerhude.

Von Otto Modersohns Malerkollegen und Mitgründer der Künstlerkolonie Worpswede, Fritz Mackensen, stammt das interessante Portrait der Margarethe Gocht, das ebenfalls im Jahr 1907 entstanden war. Es handelt sich um eine Auftragsarbeit von Mackensens Freund dem Medizin-Professor Hermann Gocht. Dessen Frau Margarethe war eine der ersten Wasserstoffballon-Pilotinnen. Interessant ist nicht nur die dargestellte Person, deren locker geschnittenes violettes Kleid verrät, dass sie eine Befürworterin der praktischen Reformkleidung für Frauen gewesen war, sondern auch der Bildhintergrund. Portraitiert wurde Margarethe Gocht nämlich am Treppenaufgang des Worpsweder Wohnhauses Barkenhoff des Malers Heinrich Vogler.

Der Barkenhoff in Worpswede | Foto via worpswede-museen.de Der Barkenhoff in Worpswede | Foto via worpswede-museen.de

Von Ernst Eitner und Friedrich Kallmorgen liegen in der Auktion zwei interessante Ansichten aus Hamburg vor. Vom in Altona geborenen Kallmorgen stammt eine detailreiche Ansicht der Hamburger Katharinenkirche vom Zollkanal aus gesehen. Obwohl sich Kallmorgens künstlerische Karriere hauptsächlich in Karlsruhe und Berlin abspielte, gehörten Impressionen des Hamburger Hafens bei Besuchen in der Heimat zu seinem festen Repertoire.

Von einem der Gründungsmitglieder des Hamburger Künstlerclubs von 1897, Ernst Eitner, stammt das Gemälde Schäferkampsallee mit Christuskirche aus dem Jahr 1938. Der norddeutsche Landschaftsmaler Eitner spielte bei der Erneuerung der Hamburger Kunstszene um 1900 mit seinen impressionistischen Werken eine bedeutende Rolle. Das vorliegende Werk scheint direkt "aus dem Fenster heraus" gemalt worden zu sein und fängt die Abendstimmung über dem westlichen Teil der Hansestadt ein.

Neben den Arbeiten norddeutscher Maler und Grafiker sind natürlich auch andere Kategorien in der Auktion vertreten. Im Bereich der Bronzeplastik sind zwei ausdrucksstarke Frauenfiguren zu nennen. Nach einem Modell von Ferdinand Lepcke wurde 1925/45 die 73 cm hohe Skulptur Eva mit der Schlange geschaffen, deren Echtheit durch die ausführende Kunstgiesserei Lauchhammer bestätigt wurde.

Aus einer Privatsammlung in Schleswig-Holstein stammt die Bronze Rastende von Fritz Klimsch, der mit der Figur im Alter von 80 Jahres noch einmal etwas Neues ausprobierte. Das Ergebnis war eine kraftvoll gestaltete Frauenfigur, deren komplexe Gestaltung gleichzeitig Ruhe und Anspannung ausstrahlt.

Zu den älteren Losen der Auktion zählt auch eine Reliefplatte aus Buchsbaumholz, die von einem süddeutschen Künstler im 17. Jahrhundert geschaffen worden war. Dargestellt ist das Urteil des Paris aus der griechischen Mythologie, das den Auftakt zum Trojanischen Krieg bedeutete. Die abgebildete Szene zeigt den Moment, in dem Paris die Liebesgöttin Aphrodite als schönste Göttin auswählt und ihr als Siegeszeichen einen Apfel überreicht. In der linken Bildhälfte ziehen die Verliererinnen Hera und Athene ab, während Hermes in der Baumkrone wartet, das Ergebnis der Wahl an Zeus zu übermitteln.

Alle abgebildeten Objekte werden am 22. September ab 11 Uhr im Auktionshaus Stahl im Graumannsweg 54 in Hamburg versteigert. Zum Aufruf kommen 650 Lose mit Kunst, Antiquitäten, Schmuck, Uhren, Fotografie und Accessoires.

Den aktuellen Katalog zur Auktion können Sie gleich hier bei Barnebys entdecken.

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