Mit großer Sorgfalt und äußerst detailreich arbeitete Albrecht Dürer 1513 seinen Kupferstich Der Reiter oder Ritter, Tod und Teufel aus. Das Werk ist einer der drei Meisterstiche Dürers. Die anderen beiden, Melecolia I und Der heilige Hieronymus im Gehäus, entstanden ein Jahr später.

Albrecht Dürer bewohnte zu jener Zeit ein großes Haus am Nürnberger Burgberg und trat als Gesandter des Größeren Rates der Freien Reichsstadt Nürnberg. Wenige Jahre zuvor war Kaiser Maximilian I. als sein Gönner in Erscheinung getreten, von dem Dürer immer wieder Aufträge erhielt. Außerdem begann sich der Meister vermehrt dem Holzschnitt und dem Kupferstich zuzuwenden. Vom Kaiser erhielt Dürer einen Freibrief, der seine Druckarbeiten vor unrechtmäßiger Vervielfältigung schützten - sozusagen eine Frühform des Copyrights.

Selbstportrait von Albrecht Dürer (1500), München, Alte Pinakothek Selbstportrait von Albrecht Dürer (1500), München, Alte Pinakothek

Ritter, Tod und Teufel zeigt im Vordergrund einen Ritter auf seinem stattlichen Pferd. Er trägt eine Lanze und ist in voller Rüstung, das Visier seines Helmes ist jedoch hochgeklappt. Der Ritter wird vom Tod begleitet, der auf einem weit weniger ansehnlichen Pferd reitet, Schlangen und Hörner auf dem Kopf hat und vor dem Ritter eine Sanduhr hochhält. Hinter dem Ritter ist der Teufel als ein Mischwesen aus verschiedenen Tieren dargestellt. Die Gruppe bewegt sich durch eine Senke, deren Ränder mit Wurzelwerk durchwachsen sind. Vor ihnen liegt ein Totenkopf auf ihrem Weg, der sie möglicherweise zu einer im Hintergrund dargestellten Stadt auf einem Burgberg führt. ALs ein weiterer Begleiter des Ritters ist ein Hund zu sehen.

Als Vorlage für die Darstellung von Ross und Reiter dienten verschiedene Studien, die Dürer 1495 und kurz vor der Anfertigung der Kupfertafel.

Reiterstudie von 1495 (links) und 1512/13 Reiterstudie von 1495 (links) und 1512/13

Was ist die Aussage von Ritter, Tod und Teufel? Zum Zeitpunkt des Entstehens des Stiches gehörte die Welt der Ritter bereits der Vergangenheit an. Deutlich wurde das schon 100 Jahre zuvor, als die in schwerer Rüstung gekleideten Ritter der französischen Armee den englischen Langbogenschützen in der Schlacht von Azincourt unterlagen.

Mehrere Symbole deuten daraufhin, dass das Bild ein Andenken an das dem Untergang geweihte Rittertum verstanden werden muss. Die vom Tod vor dem Ritter in die Höhe gehaltene Sanduhr scheint zu sagen "Deine Zeit ist abgelaufen", der Totenkopf ist ein typisches Symbol für eine Memento Mori-Darstellung. Es ist eine gewisse Wehmut über die verlorene Ritterlichkeit in dem Stich zu spüren, die durch den Hund, der für Treue, die oberste Tugend der Ritterschaft, steht.

Kaiser Maximilian I. "der letzte Ritter" in voller Rüstung, Holzschnitt von Albrecht Dürers Zeitgenossen Hans Burgkmair d. Ä. Kaiser Maximilian I. "der letzte Ritter" in voller Rüstung, Holzschnitt von Albrecht Dürers Zeitgenossen Hans Burgkmair d. Ä., 1508

Wie bereits erwähnt, gehörte das Rittertum zu Lebzeiten Albrecht Dürers der Vergangenheit an. Nur noch Raubritter machten von sich Reden und anderen das Leben schwer. Der berühmteste von ihnen, Götz von Berlichingen, der später durch Goethe unsterblich werden sollte, befehdete unter anderem Dürers Heimatstadt Nürnberg. Es gab aber immer noch Männer, die den Zeiten des hohen Rittertums nachtrauerten und mit spielerischen Ritterturnieren wieder zum Leben erwecken wollen. Einer dieser Männer war Dürers Gönner Kaiser Maximilian I., der auch "der letzte Ritter" genannt wird. Wenn der Kupferstich vielleicht nicht im Auftrag des Kaisers entstanden war, wurde er gewiss durch ihn und seine romantischen Ideale inspiriert.

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