Die Geschichte begann im Jahr 1872, als der ehemalige Gouverneur von Kalifornien, Leland Stanford, Muybridge bat, sein Pferd Occident bei voller Geschwindigkeit zu fotografieren. Standford wollte herausfinden, ob das Pferd zu einem bestimmten Zeitpunkt wenn es galoppierte, alle vier Hufe gleichzeitig vom Boden löste. Die ersten Aufnahmen waren nur wenig aufschlussreich. Muybridge erarbeitete jedoch ein neues Verfahren, das in der unglaublichen Geschwindigkeit einer Tausendstelsekunde arbeitete.

Im Juli 1877 veröffentlichte Muybridge ein Bild, das Occidents Bewegung in einem Standbild zeigte. Das Bild sorgte für Aufsehen, da weder Kunst noch Wissenschaft bislang solche Fotos gesehen hatten.

Eadweard Muybridge, Animal Locomotion, Philadelphia, 1887, 95 collotypes Eadweard Muybridge, Animal Locomotion, Philadelphia, 1887, 95 collotypes

Muybridge war entschlossen, ein Pionier in diesem Bereich der Fotografie zu werden. Er stellte 12 Kameras gleichzeitig auf, die mit elektromagnetischen Auslösern ausgestattet waren, die durch über eine Schiene gespannte Saiten aktiviert wurden. Später erweiterte er diesen Aufbau auf 24 Kameras, wodurch er die Bewegungen von Tieren mit unglaublicher Präzision erfassen konnte.

In den 1880er Jahren wurde Eadweard Muybridge von der University of Pennsylvania gesponsert, um Forschungen über die Bewegungsabläufe von Tieren und Menschen durchzuführen. Die menschlichen Modelle, entweder völlig nackt oder sehr leicht bekleidet, wurden in verschiedenen Handlungsabläufen vor einem skalierten Gitterhintergrund fotografiert, u.a. beim Treppengehen oder dem Hämmern auf einen Amboss, beim Wassereimer tragen oder dem gegenseitigen Überschütten mit Wasser. Es entstanden Tausende von Bildern, die die Bewegungsabläufe von Menschen und Tieren offenlegten, die dem menschlichen Auge bislang verborgen geblieben waren.

Eadweard Muybridge, Animal Locomotion, Philadelphia, 1887, 95 collotypes Eadweard Muybridge, Animal Locomotion, Philadelphia, 1887, 95 collotypes

Muybridge verstand sich in erster Linie als Künstler, sah aber auch die wissenschaftlichen und kommerziellen Aspekte seiner Erfindungen. Seine späten Jahre verbrachte er zum großen Teil bei Vorträgen und bei der Demonstration seiner Fotografien und frühen Filme. Er erfand das Zoopraxiskop, ein Projektionsgerät für die Vorführung chronofotografisch erzeugter Bilder. Dieses Gerät wurde später als ein früher Filmprojektor und der Prozess als Zwischenstadium in Richtung Film oder Kinematografie betrachtet.

Eadweard Muybridges Einfluss erfuhr in Wissenschaft- und Kunstkreisen eine breite Anerkennung. Thomas Eakins, William Dickson, Thomas Edison, Marcel Duchamp, Harold Edgerton, Francis Bacon und viele andere waren sich der Pionierleistung Muybridges bewusst.

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