Élisabeth Vigée-Lebrun (1755-1842)

Louise Élisabeth Vigée-Lebrun gilt als eine der besten Portraitmalerinnen ihrer Zeit. Während es Frauen damals beinahe unmöglich war in die Académie, der staatlichen Institution im Frankreich des Ancien Régime, die die Aufsicht über Malerei und Bildhauerei innehatte, aufgenommen zu werden, wurde Élisabeth Vigée-Lebrun zu einer der Lieblingsmaler der Königin Marie Antoinette und des Hofes von Versailles.

Vigée-Lebrun war sehr berühmt und ihr modernes Stadtpalais war ein beliebter Ort, an dem "Tout-Paris" zusammenkam.

1783 verursachte sie einen Skandal im Salon mit La reine en gaule. Das Gemälde zeigt Marie Antoinette in einem Kleid aus Baumwoll-Musselin, ein Stoff, der in der Regel für Unterwäsche verwendet wurde. Vigée-Lebrun musste das Bild zurückziehen. Um sich dem Druck zu entziehen, ersetzte es durch ein Portrait der Königin in einem traditionellen Kleid.

1 Louise Élisabeth Vigée-Lebrun - Selbstportrait, 1790 Abb. Galleria degli Uffizi, Florence

Mary Cassatt (1844-1926)

Die US-amerikanische Malerin und Grafikerin Mary Cassatt ist eine atypische Gestalt der impressionistischen Bewegung. Mehr Portraitistin als Landschaftsmalerin, schloss sie sich mit ihrer Vorliebe für die Malerei im Freien, ihrem Sinn für Farben und ihrer Suche nach dem Realismus unter anderem Degas, Pissarro und Morisot an.

Der Tod ihrer Schwester im Jahr 1882 wurde zu einem Wendepunkt in ihrer Karriere. Kinder und Mütter wurden zu ihrem Lieblingsmotiv. Im Jahr 1890 faszinierte sie eine Ausstellung japanischer Drucke, die sie in ihrer Kunst fortan beeinflussten. Ihre meisterhafte Beherrschung der Aquatinta-Technik rief bei ihren Kollegen Bewunderung hervor.

1904 erhielt sie den Walter-Lippincott-Preis für ihr Gemälde Caresses. Sie lehnte den Preis jedoch aufgrund der "Unabhängigkeit des Geistes" ab. Im selben Jahr wurde sie mit dem Orden der Ehrenlegion ausgezeichnet.

2 Mary Cassatt - Selbstportrait, vor 1878, Metropolitan Museum of Art, New York Abb. Metropolitan Museum of Art, New York

Camille Claudel (1864-1943)

Die Bildhauerin Camille Claudel hatte ein mehr als bewegtes Leben. Zehn Jahre lang verband sie eine leidenschaftliche Liebe mit dem Bildhauer Auguste Rodin (1840-1917). Als kreative Partner schufen sie gemeinsam mehrere Skulpturen, darunter "Der Kuss" (1886).

Trotz der Trennung inspirierte sie Rodin, der ihr künstlerisches Genie nie anzweifelte, sein ganzes Leben lang. Camille Claudels Skulpturen waren innovativ. Wie sonst niemand, griff sie in ihren Arbeiten die Intensität der Bewegung auf. "Ich habe viele neue Ideen", vertraute sie ihrem Bruder Paul an.

Durch eine illegale Abtreibung im Jahre 1892 entkräftet, ereilte sie mehr und mehr der Wahnsinn. Das Ende ihrer Tage erlebte sie in Einsamkeit und Isolation in der Irrenanstalt von Montfavet in Vaucluse. Trotz ihrer Internierung, zogen ihre Skulpturen weiterhin Sammler an. Heute gilt sie als eine der bedeutensten Bildhauer des 20. Jahrhunderts.

3 Camille Claudel (1864-1943) Abb. via lelephant-larevue.fr

Getrude Stein (1874-1946)

Die amerikanische Schriftstellerin Gertrude Stein war mehr für ihre Kunstsammlung als für ihr dramaturgisches Talent bekannt. Sie liebte Frankreich und Paris und verteidigte moderne Künstler wie Picasso und die Kubisten.

Während ihrer fast vierzig Jahre andauernden Beziehung mit Alice B. Toklas wurde Gertrude Stein allmählich zu einer der größten Sammlerinnen ihrer Zeit. Ihre Begabung, die Talente von morgen zu entdecken, faszinierte schon damals. Matisse, Picasso, Picabia, Balthus... von allen hängten Bilder in ihre Wohnung in der Rue Fleurus 27, wo sich "Tout-Paris" und durchreisende Amerikaner in der Hauptstadt trafen.

4 Alice B. Toklas und Getrude Stein in ihrer Pariser Wohnung, Fotografie von Man Ray Abb. Courtesy of The Red List

Coco Chanel (1883-1971)

Als Symbolfigur der französischen Eleganz revolutionierte Gabrielle Chanel, genannt Coco Chanel, die Mode mit ihren Kreationen. Absolut modern, ritt sie Pferde nicht im Damensattel, sondern trug hautenge Jodhpurs und Kravatten.

Sie Designerkarriere begann sie mit originellen, schlichten Hüten in Paris, Deauville und Biarritz. Bald begann sie Kleider zu entwerfen, die sie zu öffentlichen Anlässen trug. Ihre Kreationen unterschieden sich deutlich von den traditionellen Kleidern, die Frauen zu der Zeit bevorzugten.

Für das Spiel mit der weiblichen/männlichen Rolle entwarf Chanel komfortable, stilvolle und praktische Kleidung. Wahren ihre Kreationen auch schlicht, liebte sie es, die Outfits mit Accessoires aufzuwerten.

5 Coco Chanel (1883-1971) Abb. Rex via The Telegraph

Suzanne Belperron (1900-1983)

Suzanne Belperron war eine bedeutende französische Schmuckdesignerin. Als Designerin für Boivin schuf sie sehr feminine, sinnliche und schlichte Stücke.

Suzanne Belperron liebte Schmucksteine (Citrin, Peridot, Amethyst) und bunte Juwelen. Die Stücke von Boivin sind nur selten von ihr signiert, da Belperron eine Signatur als zu gewöhnlich empfand. Sie sagte: "Mein Stil ist meine Signatur".

Inspiriert von der Natur und fremden Kulturen, spielte Belperron mit Einflüssen und Stilrichtungen. Ihr Schmuck bekam schnell eine luxuriöse Note und verschönerte die Outfits der bekanntesten Couturiers.

6 Suzanne Belperron (1900-1983) Fotografie aus dem Archiv von Olivier Baroin

Frida Kahlo (1907-1954)

Die Gemälde von Frida Kahlo gehören zu denen, die die Kunstlandschaft tiefgreifend verändert haben.

Nachdem sie im Alter von sechs Jahren bereits an Kinderlähmung erkrankt war, wurde sie durch die Folgen eines Busunfalls für Monate ans Bett gefesselt. Zu dieser Zeit begann sie - mit einem Spiegel über ihrem Bett - Selbstportraits anzufertigen.

In einem Land (Mexiko) lebend, das von männlichem Chauvinismus geprägt war, widerspiegeln ihre surrealistischen Gemälde ihren Wunsch nach Freiheit und Reisen. Aber auch ihr Bedauern darüber, dass sie nach zahllosen Operationen, niemals würde Kinder bekommen können. Frida Kahlo kompensierte ihr Leiden mit ihren Werken, die man daher als "Kampfkunst" bezeichnen könnte.

7 Frida Kahlo - Selbstportrait, 1940 Abb. via Frida Kahlo Foundation

Louise Bourgeois (1911-2010)

Louise Bourgeois war eine in Amerika eingebürgerte, visuelle Künstlerin aus Frankreich. Bekannt ist sie für ihre monumentalen Skulpturen. Keiner bestimmten Strömung zugeordnet, richtete sie sich in Frauenangelegenheiten nach ihrer persönlichen Erfahrung. Sie beschäftigte sich vor allem mit der Mutter-Tochter-Beziehung, der Rolle des Vaters und der Mutterschaft.

In einer fast therapeutischen Dimension, exorzierte Louise Bourgeois ihre Kindheit in ihren Werken. Der Phallus repräsentatiert den Vater, die Spinne die Mutter.

Um mit der Vergangenheit abzuschließen (ihre Mutter starb jung, ihr Vater demütigte sie), war die Kreativität für Louise Bourgeois von großer Bedeutung für das eigene Überleben.  "Die Kunst hält uns gesund", sagte sie.

8 Louise Bourgeois im Jahre 1966 vor ihrer Skulptur "Spider V" Abb. Peter Sumner Walton

Diane Arbus (1923-1971)

Das Treffen mit ihrem Ehemann erlaubte Diane Arbus ein Medium zu entdecken, das sie bis dahin ignoriert hatte: Die Fotografie. Allmählich emanzipierte sie sich, entwickelte ihren eigenen Stil und begann, Außenseiter unsterblich zu machen.

Transgender, behinderte Zwillinge, Kleinwüchsige... jeder, der von der Norm abwich, weckte ihr Interesse. Ihr ist es zu verdanken, dass die amerikanische Bevölkerung die Vielschichtigkeit der Gesellschaft entdeckte.

Zu Lebzeiten gelobt und kritisiert, lässt Diane Arbus niemanden gleichgültig. Zudem zeigen sie uns einen sehr persönlichen Aspekt ihrer Vision der Menschheit.

9 Diane Arbus (1923-1971) Abb. The Estate of Diane Arbus LLC

Marina Abramovic (*1946)

Marina Abramovic unterscheidet sich stark von anderen Künstlern. Mit ihrer Performance-Kunst verschiebt sie immer wieder die Grenzen der Physik.

Marina Abramovic ist Teil einer Strömung, die "Body-Art" genannt wird. Sie benutzt ihren eigenen Körper für ihr künstlerisches Schaffen und als Performance-Werkzeug, um durch Leiden herauszufinden, wie weit sie gehen kann.

2012 setzte sie sich im MoMA an sechs Tagen in der Woche für jeweils sieben Stunden auf einen Stuhl und starrte jede Person an, die auf einem Stuhl gegenüber von ihr Platz nahm. Diese künstlerische Leistung, die mehr als 700 Stunden dauerte, war eine der längsten, die jemals durchgeführt wurden. Durch Erfahrung transzendiert, empfindet Marina Abramovic die Performance als ein Ausdrucksmittel für die Außenwelt.

10 Marina Abramovic (*1946) Abb. ohnotheydidnt.livejournal.com/

Diese zehn Frauen haben dazu beigetragen, auf ihre eigene Weise die Kunstgeschichte zu verändern. Und noch viele weitere gehören dazu: Niki de Saint-Phalle, Sonia Delaunay, Claude Cahun, Annette Messager, Sophie Calle... Die Liste ist schier endlos.

Wie Goethe zusammenfasste: "Das Ewig-Weibliche zieht uns hinan."

 

 

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