Vom Ende des Mittelalters bis zum Anfang des 20. Jahrhundert, von der Renaissance bis zur Moderne - in 217 Losen mit Gemälden aus fünf Jahrhunderten geht das Auktionshaus Lempertz am 14. März auf eine kunstgeschichtliche Reise. Heiligenbilder, Portraits, Landschaften und Genreszenen widerspiegeln dabei den Geist ihrer jeweiligen Epoche.

Religiosität im 15. Jahrhundert

Die Kunst des europäischen Mittelalters war tief geprägt vom christlichen Glauben. Angefangen bei den Buchillustrationen über aus Holz geschnitzte Heiligenfiguren bis hin zu den grandiosen Kathedralen im gotischen Stil. Auch in der Malerei standen biblische Figuren, Heilige und Märtyrer im  Mittelpunkt.

Ein unbekannter Maler des Veneto-adriatischen Mittelmeerraumes hat hier den Heiligen Hieronymus dargestellt. Hieronymus (347-420) war ein christlicher Gelehrter, Theologe und Kirchenvater, dessen Gedenktag - sein Sterbetag - sowohl in der römisch-katholischen als auch in der orthodoxen Kirche - am 30. September begangen wird. Hieronymus bevorzugte eine asketische Lebensweise, weshalb er häufig als ein in einer Höhle lebender Eremit dargestellt wird. Sämtliche Attribute des Heiligen sind ebenfalls abgebildet: Löwe, Bibel, Kruzifix, Kardinalshut, Schädel und ein Stein, mit dem er sich auf die Brust schlug.

Die Entdeckung des Ich im 16. Jahrhundert

Mit der Renaissance, die ab dem 15. Jahrhundert von Italien aus Europa im Sturm eroberte, begann der Individualismus in der Kunst seinen Siegeszug anzutreten. Bedeutende Persönlichkeiten aus Adel und dem aufstrebenden und wohlhabenden Bürgertum, ließen sich immer häufiger portraitieren. Auch die Maler, die sich nun an der Natur orientierten, wurden sich ihrer selbst und den Werken, die sie schufen, bewusster und begannen ihre Arbeiten zu signieren.

Bei dem vorliegenden Gemälde aus England sind die Namen von Maler und der dargestellten Dame jedoch nicht überliefert. Das Bildnis gibt allerdings einen hervorragenden Einblick in die höfische Mode des elisabethanischen Zeitalters, die auf edelste Verzierungen setzte. So ist die schwarze Robe der Dame mit weißem Pelz und unzähligen Perlen verziert. Weiße Spitze und rote Edelsteine sind weitere Statussymbole, die den Reichtum der aufstrebenden Seemacht England verdeutlichen.

Barocke Perfektion im 17. Jahrhundert

Das Zeitalter des Barock war geprägt von einer ungemeinen Prachtentfaltung an den europäischen Fürstenhöfen. Die Malerei wurde zu einem beliebten Repräsentationsmittel für die Verherrlichung eines Souveräns. Im Gegenzug wurde die Malerei aber auch ungemein gefördert. Akademien wurden gegründet, allen voran die Accademia di San Luca in Rom, von wo aus entscheidende Impulse Künstler in ganz Europa erreichten. So auch in den Niederlanden, wo es zu einem Goldenen Zeitalter der Kunst kam. Hier war es das gehobene Bürgertum, das Kunst und Künstler ungemein förderte.

Seit dem späten Mittelalter taten sich viele männliche Mitglieder der niederländisch-flämischen Familie Brueghel als Maler hervor. Einer von ihnen war im 17. Jahrhundert Jan Brueghel der Jüngere, der Landschaften, Tiere und Blumen malte. Portraits oder Heiligenbilder, die mit aufwändigen Blumengirlanden umkränzt sind, finden sich wiederholt im Oeuvre des Malers.

Unbekümmertheit im 18. Jahrhundert

Das leichtlebige 18. Jahrhundert versah die barocke Prachtentfaltung nur noch mit einem Augenzwinkern. Man entdeckte die Vorzüge eines Privatlebens und bedachte alles mit einem möglichst geistreichen Bonmot. Männer und Frauen sehnten sich nach ewiger Jugend und puderten sich die Haare weiß, Maler malten Genreszenen vom Lande mit einem Schäfer und einer Schäferin, die, in edle Seidenstoffe gehüllt, ihre Herde hüteten.

Eine der beliebtesten Freizeitbeschäftigungen des Adels war damals die Jagd. Das Gemälde von Charles Amédée van Loo zeigt, das eine Jagd aber weniger der Nahrungsbeschaffung oder der sportlichen Ertüchtigung diente. Sie war vielmehr ein gesellschaftliches Ereignis, das weitere Gelegenheiten bot, auf galante Art mit dem anderen Geschlecht in Kontakt zu kommen. Van Loo, der einer Künstlerfamilie entstammte, war mehrere Jahre lang Hofmaler für Friedrich den Großen in Berlin.

Der Geist der Romantik im 19. Jahrhundert

Die Französische Revolution hatte der unumstößlichen Herrschaft des Adels am Ende des 18. Jahrhunderts einen gehörigen Dämpfer verpasst. In den anderen europäischen Ländern versuchte man, die Freiheitsbestrebungen der Bevölkerung zu unterdrücken. So erneut ausgeschlossen vom politischen Geschehen, zog sich das Bürgertum verstärkt ins Privatleben zurück, der "Biedermeiermensch" war geboren, der sich romantischen und historisierenden Träumen hingab, bevor man sich ab der Mitte des Jahrhunderts der Realität zuwandte.

Nach wie vor war Italien das Land, das ein Maler erlebt haben musste - und genauso Bildungsreisende, die gerne Ansichten der Sehenswürdigkeiten mit nach Hause brachten. Viele Maler spezialisierten sich auf derartige Werke, so auch der Schweizer Maler Franz Knebel, der ein Atelier in Rom besaß. In der vorliegenden Arbeit hat er eine beliebte Touristenattraktion in stimmungsvollem Licht meisterhaft auf die Leinwand gebannt.

Aufbruch in die Moderne im 20. Jahrhundert

Im Laufe des 19. Jahrhunderts vollzog sich ein Wandel in der Kunstwelt, der den Weg in die Moderne Malerei ebnen sollte. Die neuen Impulse kamen nicht aus dem klassischen Italien, sondern aus Frankreich, vor allem aus der 1830 gegründeten Schule von Barbizon, die Landschaftsgemälde hervorbrachte, die erstmals direkt "vor Ort" unter freiem Himmel entstanden. Dies war auch die Grundlage der Entstehung des Impressionismus, da das Einfangen bestimmter Lichtverhältnisse eine schnelle Malweise erforderte.

Einer der späten Impressionisten in Deutschland war Otto Pippel, der bevorzugt die Münchener Gesellschaft portraitierte. Hier hat er sie unter freiem Himmel "erwischt", bei einem Autorennen im Forstenrieder Park, unweit der bayerischen Metropole. Das Gemälde Pippels, das durch ein gekonntes Spiel aus Licht und Schatten hervorsticht, entstand sehr wahrscheinlich in den 1920er Jahren.

Die Versteigerung "Gemälde des 15.-19. Jahrhunderts" findet am 14. März ab 14:30 Uhr im Auktionshaus Lempertz in Köln statt. Die Ausstellung zur Auktion ist vom 8.-13. März für interessierte Besucher geöffnet. Neben den sechs vorgestellten Werken kommen über 200 weitere zum Aufruf, die Sie gleich hier entdecken können.

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