Nofretete (14. Jahrhundert v. Chr.)

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Die Büste der Nofretete ist eines der ältesten und berühmtesten Portraits der Kunstgeschichte. Sie gilt als der Inbegriff von Perfektion und Schönheit. Damit wird sie der dargestellten Person mehr als gerecht, denn Nofretete bedeutet "Die Schöne ist gekommen".

Gefunden wurde die Büste 1912 vom deutschen Ägyptologen Ludwig Borchert in den Ruinen des antiken Amarna, das zu Nofretetes Lebzeiten als Gemahlin des Pharaos Echnaton die Hauptstadt des Reiches am Nil war. Echnaton, der eigentlich Amenophis hieß, hatte im polytheistischen Ägypten ein monotheistisches Religionssystem eingeführt, das einzig den Sonnengott Aton verehrte und in selbst zu einer zentralen Kultfigur machte. An Echnatons Seite, ebenfalls hoch verehrt, seine Hauptgemahlin Nofretete.

Ob es sich wirklich um Nofretete handelt, wurde im Laufe der Jahre immer wieder in Zweifel gezogen. Ebenfalls wurde vermutet, ob es sich nicht vielleicht um ein Idealbild handelt, da das Gesicht zu perfekt zu sein scheint. Auch eine moderne Fälschung wird immer wieder in Betracht gezogen.

Anna von Kleve (1515-1557)

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Der aus einer deutschen Künstlerfamilie stammende Hans Holbein der Jüngere ging 1532 nach England, wo er vier Jahre später Hofmaler des launenhaften Königs Heinrich VIII. wurde. Er malte die Mitglieder der königlichen Familie und der Hofgesellschaft.

Als die dritte Ehefrau Heinrichs VIII., Jane Seymour, 1537 im Kindbett starb, beauftragte der König Holbein damit, Portraits möglicher Heiratskandidatinnen zu malen. Eine von ihnen war die in Düsseldorf geborene Anna von Kleve. Ihr Bildnis gefiel Heinrich am besten. Anna wurde nach England geschickt.

Die erste Begegnung wurde zur Ernüchterung für Heinrich, der Erkannte, dass ein Gemälde nicht viel mit der Wirklichkeit zu tun haben musste. Holbein hatte anscheinend ein wenig "gephotoshopt". Geheiratet wurde trotzdem, die Annullierung der Ehe erfolgte ein halbes Jahr später. Ob Heinrich Anna tatsächlich als "flandrische Mähre" bezeichnete, ist aber vermutlich nur eine Legende.

Marie Antoinette (1755-1793)

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Zur Lieblingsmalerin der französischen Königin Marie Antoinette wurde die im selben Jahr geborene Élisabeth-Louise Vigée-Lebrun. Die Königin sorgte dafür, dass die Malerin 1783 zu einem der ersten weiblichen Mitglieder an der Académie Royale de Peinture et de Sculpture ernannt wurde.

Den ersten Auftrag für ein Portrait Marie Antoinettes erhielt Vigée-Lebrun 1778. Es entstand ein Staatsbildnis, das die Königin in einer weit ausladenden Robe de Cour zeigt, die vermutlich von ihrer Lieblingsmodistin Rose Bertin verziert worden war, und mit einer jener gigantischen Haaraufbauten, die damals am französischen Hof in Mode waren.

Als Marie Antoinettes Mutter, Kaiserin Maria Theresia, im fernen Wien das Bild sah und die ausgeprägte Putzsucht ihrer Tochter erkannte, warnte sie sie. Maria Theresia hielt eine bescheidenere Aufmachung für angemessener. Sollte Marie Antoinette nicht alsbald lernen sich zu beherrschen, würde "die Revolution grausam sein". Die Kaiserin sollte Recht behalten...

Napoléon Bonaparte (1769-1821)

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Mitten in jener Revolution betrat ein Mann die Bühne und wurde zu "dem starken Mann Frankreichs": Napoléon Bonaparte. Napoleon hatte eine militärische Ausbildung genossen und sich bereits zu dieser Zeit vor allem mit den großen Feldherrn wie Julius Caesar und Alexander den Großen beschäftigt.

Ein glühender Verehrer der Revolution und Napoléons war der Maler Jacques-Louis David. 1800 malte er den damaligen Ersten Konsul auf einem Pferd bei der Überquerung der Alpen. Damit stellte David, auf zweifellos sehr heroische Art und Weise, eine wahre historische Gegebenheit dar, als Bonaparte während seines zweiten Italienfeldzuges innerhalb von drei Tagen den Sankt Bernhard-Pass überschritt, um der österreichischen Armee in Norditalien den Weg abzuschneiden.

In die Steine am unteren Bildrand hat David drei Namen "eingemeißelt": Zum einen "Bonaparte", zum anderen die Namen "Hannibal" und "Karolus Magnus IMP", also Kaiser Karl der Große. Diesen beiden war es vor Napoleon gelungen, mit einer Armee die Alpen zu queren.

Madame Récamier (1777-1849)

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Im Gegensatz zu Jacques-Louis David war Juliette Récamier kein Fan von Napoléon Bonaparte. In ihrem Pariser Salon versammelten sich die Gegner des gebürtigen Korsen, darunter die berühmte Schriftstellerin Germaine de Staël. Sowohl Juliette als auch Germaine wurden schließlich von Napoléon aus Frankreich verband.

Bevor das geschah, ließ Juliette vermögender Ehemann seine Frau portraitieren. im Jahre 1800 beauftragte er David damit. Dieser malte die junge Frau in Rückenansicht auf einem nach ihr benannten Möbelstück liegend. Monsieur Récamier gefiel das Bild jedoch nicht. Er war der Meinung, es würde die Schönheit seiner Frau nicht zur Geltung bringen.

Ein neues Portrait musste her. Dieses Mal wurde François Gérard beauftragt, ein Schüler Davids. Er malte Juliette frontal in sitzender Position mit charmant geneigtem Kopf. Welches Portrait gefällt Ihnen besser?

Elisabeth von Österreich (1837-1898)

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Franz Xaver Winterhalter war einer der bekanntesten und begehrtesten Portraitmaler des 19. Jahrhunderts. Viele gekrönte Häupter Europas haben sich von ihm malen lassen.

Eine davon war die österreichische Kaiserin Elisabeth, von der er drei Portraits anfertigte. Zwei zeigen die schöne Kaiserin im Negligée mit gelöstem Haar und waren ausschließlich für ihren Gemahl Kaiser Franz Joseph bestimmt. Das dritte und bekannteste ist jenes, das Elisabeth in einer Ballgarderobe von Charles Frederick Worth und mit Diamantsternen im Haar zeigt.

Das Portrait war 1865 entstanden als sich Elisabeth auf dem Höhepunkt ihrer legendären Schönheit befand. Ende der 1860er Jahre beschloss sie dann, diesen Mythos für alle Ewigkeit aufrecht zu erhalten. Die ohnehin schon scheue Kaiserin ließ sich fortan nicht mehr malen oder fotografieren. Die Diamantsterne, die sie im Haar getragen hatte, verschenkte sie alle noch zu Lebzeiten.

Otto von Bismarck (1815-1898)

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Ein weiterer begnadeter Portraitist jener Zeit war in Bayern geborene Franz von Lenbach. Auch er durfte sich über eine hochherrschaftliche Klientel freuen, darunter die deutschen Kaiser Wilhelm I. und II., Franz Joseph von Österreich und auch Papst Leo XIII.

1874 begegneten sich Künstler und Reichskanzler zum ersten Mal. Die Freundschaft zwischen den beiden Männern sollte ein Leben lang andauern. Das erste Porträt entstand vermutlich 1877. Insgesamt malte Lenbach, der häufig Gast in Bismarcks privatem Familienanwesen war, bis 1897 etwa 80 Portraits des Staatsmannes.

Lenbach war nicht nur ein privater Freund Bismarcks, sondern auch ein Anhänger von dessen Politik. Als der junge Kaiser Wilhelm II. den alten Staatsmann 1890 entließ, war Lenbach empört. Hatte er ihn, als er noch in Amt und Würden war, vor allem in ziviler Kleidung dargestellt, malte er ihn fortan meist in Uniform.

Marilyn Monroe (1926-1962)

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Eine der meistfotografierten Frauen aller Zeiten war Marilyn Monroe. Die Kamera liebte sie und sie liebte die Kamera. Zunächst als Werbegesicht und Pin up-Girl, später als Filmstar mit Portraitfotos und glanzvollen Aufnahmen bei Filmpremieren.

Doch wo (Blitz-)Licht ist, ist bekanntlich auch Schatten. Das berühmte Foto mit dem hochgewehten weißen Kleid, das während der Dreharbeiten zu Das verflixte 7. Jahr entstand, trug zum Scheitern ihrer Ehe mit Joe DiMaggio bei. Paparazzi lauerten ihr auf, als sie nach einer Fehlgeburt das Krankenhaus verließ oder weinend aus der Psychiatrie kam.

Einem Fotografen vertraute sie ungemein und er wurde auch ihr Partner als sie ihre eigene Produktionsfirma gründete: Milton Greene. Greene schoß viele herausragende Fotoserien von Marilyn. Marilyns Lieblingsbild von sich selbst ist jedoch, nach eigener Aussage, diese Aufnahme von Cecil Beaton.

Elizabeth II. (*1926)

David Dawson - Lucian Freud, Elizabeth II, C-type colour print, 2001 © David Dawson David Dawson - Lucian Freud, Elizabeth II, C-type colour print, 2001
© David Dawson

Der britische  Fotograf Cecil Beaton dokumentierte im Laufe seiner Karriere die Roaring Twenties genauso wie die Swinging Sixties in London. Und wie wir eben bereits gesehen haben, schoß er auch Portraits. Neben Marilyn trat auch Queen Elizabeth II. wiederholt vor seine Linse, meist in königlicher "Montur".

Den Filmstar und die Königin verband nicht nur ein gemeinsamer Fotograf, beide Frauen wurden im selben Jahr geboren. Und einmal sind sie sich auch begegnet: 1957 hielt sich Marilyn anlässlich der Dreharbeiten zu Der Prinz und die Tänzerin in England auf. Hier wurde sie der Königin vorgestellt.

Neben den vielen vielen Fotografien, die heutzutage von gekrönten Häuptern gemacht werden, existiert aber immer noch das gemalte Portrait. Und genauso gibt es noch immer hervorragende Portraitmaler. Der vielleicht herausragendste unter ihnen war der 2011 verstorbene britische Maler Lucian Freud. 2001 hatte er die Ehre, die Queen anlässlich ihres Goldenen Thronjubiläums zu malen, das im Jahr darauf stattfinden sollte.

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