Amedeo Modigliani, Nu couché de dos, 1917 | Abb. via The Barnes Foundation Amedeo Modigliani, Nu couché de dos, 1917 | Abb. via The Barnes Foundation

Zwischen 1916 und 1919 malte Amedeo Modigliani eine Reihe weiblicher Akte an, die seinen Ruhm im Nachhinein begründen sollten. Zum Zeitpunkt ihrer Entstehung blickten die Menschen jedoch eher mit gemischten Gefühlen auf diese Werke, die für so manchen Skandal sorgten.

Ein Teil von ihnen wurde 1917 in der einzigen zu Lebzeiten Modiglianis veranstalteten Einzelausstellung des Künstlers in der Galerie von Berthe Weill, einer großes Förderin der Pariser Avantgarde, gezeigt. Der zu Werbezwecken im Schaufenster platzierte Akt sorgte für einen solchen Zustrom an Schaulustigen, dass die Polizei einschreiten musste und die so offensichtlich erotischen Werke ganz aus der Ausstellung entfernt wurden.

Amedeo Modigliani, Le Grand Nu, ca. 1919 | Abb. via Guggenheim Museum Amedeo Modigliani, Le Grand Nu, ca. 1919 | Abb. via Guggenheim Museum

Auch für die prüden 1950er Jahre waren Modiglianis Akte noch viel zu freizügig. So entfernte die US-Postbehörde Postkarten mit einem Akt des Künstlers aus dem Angebot des New Yorker Guggenheim Museums, da ihr ein solches Motiv nicht für die amerikanische Post geeignet schien. Mittlerweile sieht man das freilich anders und Museen auf der ganzen Welt, in denen die Werke von Amedeo Modigliani zu bewundern sind, führen in ihren Museumsshops Erinnerungsstücke mit den weltbekannten Frauenbildnissen.

Amedeo Modigliani, Nu couché (sur le côté gauche), 1917 | Abb. via Sotheby's Amedeo Modigliani, Nu couché (sur le côté gauche), 1917 | Abb. via Sotheby's

Nu couché (sur le côté gauche) schuf Modigliani im Jahr 1917 und gilt als das größte Gemälde aus der berühmten Aktserie - tatsächlich handelt es sich mit einer Bilddiagonale von 147 cm um das größte Bild, das der Künstler überhaupt jemals gemalt hat. Zum ist es das einzige der Aktgemälde, in dem das Modell vollständig abgebildet wurde. Für 157,2 Millionen USD (ca. 134,5 Millionen EUR) wurde Nu couché (sur le côté gauche) 14. Mai 2018 bei Sotheby's in New York versteigert.

Der Leiter der Abteilung für Moderne und Impressionismus bei Sotheby's, Simon Shaw, sagte im Vorfeld der Auktion: "Es gibt das Aktgemälde vor Modigliani und es gibt das Aktgemälde nach Modigliani", womit er betonte, dass die Bedeutung von Modiglianis Serie für die moderne Aktmalerei gar nicht hoch genug eingeschätzt werden kann.

Amedeo Modigliani, Nu couché, 1917 | Abb. via Christie's Amedeo Modigliani, Nu couché, 1917 | Abb. via Christie's

Der aktuelle Rekord für ein Werk von Amedeo Modigliani wurde 2015 bei Christie's aufgestellt. Für 170,4 Millionen USD (ca. 158,6 Millionen EUR) wechselte damals das ebenfalls 1917 entstandene Werk Nu couché den Besitzer. Damals war es zudem das zweitteuerste Kunstwerk, das jemals auf dem Auktionsmarkt versteigert wurde. Durch das Sensationsergebnis, das Leonardo da Vincis Salvator mundi Ende letzten Jahres erzielt hat, ist es heute auf Platz 3.

Zu Lebzeiten sah sich Modigliani zunächst genötigt, seine ersten Aktbilder für 10 oder 20 Francs an seinen Vermieter zu verkaufen, um nicht aus seiner Wohnung geworfen zu werden. Später nahm sich der Kunsthändler Leopold Zborowski seiner an, der Modigliani ein Tagesgehalt zahlte und auch die Modelle für die Aktgemälde entlohnte.

Amedeo Modigliani, Nudo Dolent, 1908 | Abb. via Curiator Amedeo Modigliani, Nudo Dolent, 1908 | Abb. via Curiator

1908 begann der 24-jährige Amedeo Modigliani, der zu dem Zeitpunkt seit zwei Jahren in Paris lebte, Aktgemälde zu schaffen. Seinen charakteristischen Stil entwickelte er jedoch erst rund sechs Jahre später. Sein Stil war eine Verschmelzung von Einflüssen der italienischen Renaissance und des Manierismus, afrikanischer Volkskunst und der Geometrie des Kubismus. Vor allem ist er jedoch Ausdruck einer stolzen weiblichen Nacktheit, die weit entfernt ist von jeder Art Mythos oder Allegorie.

Links: Amedeo Modigliani, Nu assis, 1916 | Abb.: © The Samuel Courtauld Trust, The Courtauld Gallery London Rechts: Amedeo Modigliani, Nu assis sur un divan (La Belle Romaine), ca. 1918 | Abb. via Sotheby's Links: Amedeo Modigliani, Nu assis, 1916 | Abb.: © The Samuel Courtauld Trust, The Courtauld Gallery London Rechts: Amedeo Modigliani, Nu assis sur un divan (La Belle Romaine), ca. 1918 | Abb. via Sotheby's

Amedeo Modiglianis Leben war kurz aber intensiv und mit seinem viel zu frühen Tod im Alter von 35 Jahren bleibt die Nachwelt mit der Frage zurück: "Was hätte er wohl noch alles geschaffen?". Modigliani lebte als Teil der Avantgarde inmitten der Pariser Kunstszene des frühen 20. Jahrhunderts, tauschte sich mit Picasso und Jean Cocteau aus und war mit Maurice Utrillo und Chaim Soutine befreundet, mit denen er fatalerweise eine Alkohol- und Opiumsucht gemein hatte.

Wer kurz vor seinem Tod die große Liebe des Künstlers war, erfahren Sie hier.

Links: Amedeo Modigliani, Vénus (Nu debout, nu médicis), 1917 | Abb. via Christie's Rechts: Amedeo Modigliani, Nu assis, 1917 | Abb. via Royal Museum of Fine Arts Antwerp Links: Amedeo Modigliani, Vénus (Nu debout, nu médicis), 1917 | Abb. via Christie's Rechts: Amedeo Modigliani, Nu assis, 1917 | Abb. via Royal Museum of Fine Arts Antwerp

Eine Legende besagt übrigens, dass Picasso eines Tages dringend einer Leinwand bedurfte, kurzerhand auf eine zurückgriff, auf der sich bereits ein Gemälde Modiglianis befand. Vielleicht sollte man also die kubistischen Werke Picassos aus jener Zeit einmal genauer unter die Lupe nehmen, ob darunter nicht vielleicht eine weitere Nu couché oder Nu assis Modiglinis ihren Betrachtern stolz und selbstbewusst eingegenblickt.

Amedeo Modigliani, Nu couché avec la tête reposant sur le bras droit, 1918 | Abb. via Fondation Modigliani Amedeo Modigliani, Nu couché avec la tête reposant sur le bras droit, 1918 | Abb. via Fondation Modigliani

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