In der “Bedeutender Schmuck”-Auktion, die am 31. Mai stattfindet kommt unter der Losnummer 348 ein herrliches Collier zum Aufruf: Zwei Reihen Salzwasser-Perlen (D. zwischen 6 und 10 mm). Der Schätzpreis von 100.000-120.000 EUR widerspiegelt sowohl die Schönheit dieses Schmuckstücks, als auch das hohe Interesse von privaten Sammlern bezüglich natürlicher Perlen von solcher Qualität. Im selben Katalog findet sich auch ein bedeutender Diamant im alt-europäischen Schliff von 8,28 ct, Farbe G, Klarheit SI2 (zum Los gehört auch ein Zertifikat von Geci Milan), der auf 30.000-60.000 EUR geschätzt wird (Los 349). Desweiteren wird ein Ring aus Gold und Platin angeboten, der mit einem Burma-Rubin (3,63 ct) und tropfenförmigen Diamanten (ca. 3 ct) besetzt ist. Der Rubin weist keinerlei Spuren einer Hitzebehandlung auf. Ihm ist ein Zertifikat von Gubelin, Luzern beigefügt. Der Schätzpreis liegt bei 35.000-45.000 EUR (Los 350).

348 Zweireihiges Collier mit Salzwasserperlen

349 Diamant im alt-europäischen Schliff

350 Ring mit Burma-Rubin und Diamanten

Im Katalog mit Gemälden Alter Meister und des 19. Jahrhunderts (Auktion am 1. Juni) sind viele Werke von besonderem Interesse. Darunter ein Portrait des Costanzo Patrizi von Giuseppe Passeri (Los 669, Schätzpreis: 18.000-22.000 EUR). Passeri erhielt seine ersten Lektionen von seinem Onkel, dem Maler und Historiker Giovanni Battista. Doch sein wahrer Lehrer war Carlo Maratta, der ihm die bedeutendsten Maler der Renaissance, des Klassizismus und des Barocks näherbrachte, vor allem Annibale Carracci, Guido Reni und Nicolas Poussin. Durch Maretta kam Passeri zu seiner Vorliebe für die Portraitmalerei: Er behält aber seinen Stil bei, der den staatlichen Klassizismus durchbricht und eine Sprache spricht, die das 18. Jahrhundert bereits vorweg nimmt. Dies erkennt man auch in den Fresken des Palazzo Barberini von 1678. Dieses erhabene Portrait des Marquis Costanzo Patrizi als eleganter Malteserritter, steht für die Ausgewogenheit zwischen Realität und Komposition und gehört zu den besten Arbeiten des Künstlers.

Passeri Portrait des Costanzo Patrizi von GIUSEPPE PASSERI

Von besonderem Interesse in diesem Katalog ist „Veduta di Venezia con il bacino di S. Marco dalla Chiesa di S. Maria della Salute“, welches zunächst Canaletto zugeschrieben wurde. Hier wird es einem anderen Maler des 18. Jahrhunderts zugeschrieben, der in bemerkenswerter Weise die Themen von Canaletto auf Leinwand rezipiert (Los 554, Schätzpreis: 15.000-25.000 EUR). William George Constable hat in seinem Katalog von 1962 verschiedene Versionen dieses Gemäldes aufgeführt, darunter eine in Windsor und eine in der Wallace Collection. Antonio Morassi fügte 1963 diese hinzu, die sich im Besitz des Viscount Hombledon befand. Der Forscher schrieb das Gemälde Canaletto zu, aufgrund der eleganten räumlichen Anordnung, der überraschenden Einfachheit, dem großen, dominierenden Himmel und dem Sinn für jedes Detail, welches durch das Spiel des Lichts noch hervorgehoben wird.

Venezia "Veduta di Venezia con il bacino di S. Marco dalla Chiesa di S. Maria della Salute", 18. Jh.

Die Auktion am 1. Juni bietet noch mehr: „Giuditta e Oloferne“ im Stile Caravaggios von Domenico Fiasella, datiert 1624 (Los 585, Schätzpreis: 15.000-25.000 EUR) und eine Zeichnung des Spätbarock von Sebastiano Conca (Los 647, Schätzpreis: 7.000-10.000 EUR), die „Trinità in Gloria tra Angeli e Santi“ darstellt und 1751 als Vorlage für ein Fresko von Vito D’Anna diente, welches dieser für die Kuppelkirche St. Catarina in Palermo anfertigte (D’Anna reiste vor allem nach Rom, um Papiere, Zeichnungen und Skizzen zu sammeln, die er für seine Arbeit auf Sizilien verwenden konnte). Von besonderem Interesse sind zwei mythologische Gemälde des Veronesers Antonio Balestra: „Zefiro, Flora e Amore“ und „Venere con Mercurio che istruisce Amore“, die zwischen 1710 und 1715 datiert werden, einer besonders glücklichen Zeit für den Künstler (Lose 753 und 754, Schätzpreis jeweils zwischen 35.000 und 50.000 EUR). Außerdem haben wir eine schöne „Adorazione dei Magi“ von Corrado Giaquinto, die ins Jahr 1750 datiert wird und die in ihrer steinigen Empfindsamkeit den Neoklassizismus vorwegzunehmen scheint (Los 802, Schätzpreis: 30.000-50.000 EUR).

Fiasella "Giuditta e Oloferne" von DOMENICO FIASELLA

Conca "Trinità in Gloria tra Angeli e Santi" von SEBASTIANO CONCA

Balestra "Venere con Mercurio che istruisce Amore" von ANTONIO BALESTRA

753 "Zefiro, Flora e Amore" von ANTONIO BALESTRA

802 "Adorazione dei Magi" von CORRADO GIAQUINTO

Unter der Auswahl von Gemälden des 19. Jahrhunderts möchten wir ein großes Leinwandbild des späten 19. Jahrhunderts von Raffaele Giannetti , „L’arrivo in laguna a Venezia“: Ein luftiges und farblich harmonisches Gemälde (Los 894, Schätzpreis: 30.000-40.000 EUR). Unter der Losnummer 895 befindet sich die passende Zeichnung dazu (Schätzpreis: 2.500-3.500 EUR). Der Katalog beinhaltet auch zwei intime Interieur-Szenen: Die erste, „La prova“ von Domenico Induno (Los 859, Schätzpreis: 10.000-15.000 EUR), die zweite von dessen älterem Bruder Girolamo mit dem Titel „La lettura“ (Los 860, Schätzpreis: 8.000-12.000 EUR).

894 "L’arrivo in laguna a Venezia" von RAFFAELE GIANNETTI

859 "La prova" von DOMENICO INDUNO

Induno "La lettura" von GIROLAMO INDUNO

Bedeutende Werke aus der Sammlung von Giancarlo Gallino

Die Galerie Antichi Maestri Pittori von Giancarlo Gallino trug entschieden dazu bei, zunächst in Turin, später in ganz Italien, die Rolle des Antiquitätenhändlers neu zu interpretieren. Dieser sollte nicht länger nur mit Sammlern in Verbindung stehen – wenn auch auf hohem und höchstem Niveau – sondern auch neues Interesse an alter Kunst fördern, wie ein Übersetzer oder „Schiedsrichter“ des Geschmacks.

Foto Gianni Agnelli, Federico Zeri und Giancarlo Gallino

Giancarlo Gallino hatte eine instinktive Begabung dazu, Leute zu beurteilen und auszuwählen: Einen jungen Mann mit beträchtlicher Erfahrung mit Antiquitäten wie Ezio Benappi, oder bekannte und talentierte Kunstexperten wie Giovanni Romano, Luciano Bellosi, Enrico Castelnuovo und Massimo Ferretti.

Die Galerie Antichi Maestri Pittori spielte eine führende Rolle für die Erforschung und Wertschätzung piemontesischer Kunst, für die das 18. Jahrhundert bis dahin die wichtigste Zeit war. Eine neue Sammlergeneration kaufte Werke von Künstlern wie Spanzotti, Gandolfino d’Asti, Defendente Ferrari und Macrino d’Alba, während Institutionen wie die Savoy Gallery, das Museum für Alte Kunst im Palazzo Madama und das GAM ihre Sammlungen erweiterten, dank des substantiellen Bemühens privater Stiftungen, mit Werken von Pietro d’Alba, Maestro di Boston, Antoine de Lonhy, Ambrogio da Fossano und Gaudenzio Ferrari, und auch durch Giovanni Migliara und Pelagio Palagi von der historischen Sammlung Baldassarre Ferrero.

1993, nachdem sich Giovanni Agnelli 1993 um das Lingotto Fiere bemühte und Federico Zeri Vorsitzender des wissenschaftlichen Ausschusses wurde, war die „Arte Antica“ geboren. Fünfmal fand dieses Biennale für Antiquitäten statt, bei der die ausgestellten Stücke von internationalen Experten der verschiedenen Kunstrichtungen ausgewählt werden: Z. B. Andrea Bacchi, Rossana Bossaglia, Enrico Castelnuovo, Andrea de Marchi, Everett Fahy, Massimo Ferretti, Mauro Natale, Anna Ottani Cavina und Carmen Ravanelli Giudotti.

Giancarlo Gallino gehörten eine Reihe von Meisterwerken, von denen er sich Zeit seines beruflichen Lebens nicht trennen konnte und die jetzt von seinen Erben zum Verkauf angeboten werden. Das erste ist ein einzigartiges Objekt von historischer Bedeutung: Ein figürliches Kapitell, welches, laut einer Studie Enrico Castelnuovos von 1990, von einem der symbolträchtigsten Monumente des italienischen Kunsterbes stammt: Der dritten Loggia des Turmes von Pisa (Los 724, Schätzpreis: 150.000-180.000 EUR). Das Kapitell ist vermutlich ein Überbleibsel der Restaurierung des Turmes im 19. Jahrhundert, gemeinsam mit einem weiteren Kapitell, das sich heute im Museo dell’Opera del Duomo befindet. Das zweite Objekt ist eine große Tafel, die von Neri di Bicci kurz nach 1475 gefertigt wurde. Sie zeigt die Erzengel Raffaele und Tobiolo umgeben von sechs Heiligen. In trompe l’oeil-Technik ist ein Tabernakel widergegeben. Dieses Werk ist Ausdruck eines zentralen Momentes der florentinischen Kunst, wo die Elemente der Renaissance zusammenkamen – das große Werk eines Meisters der toskanischen Malerei des 15. Jahrhunderts (Los 701, Schätzpreis: 400.000-600.000 EUR).

Pisa Kapitell des Turmes von Pisa

Neri "Die Erzengel Raffaele und Tobiolo umgeben von sechs Heiligen" von NERI DI BICCI

Der einwandfreie Geschmack von Giancarlo Gallino wird auch bei anderen Werken seiner Sammlung deutlich, wie der Kreuzigungsszene mit Maria und Johannes von Mariano d’Antonio Nutolo aus Perugia, der zwischen 1433 und 1468 tätig war (Los 704, Schätzpreis: 30.000-40.000 EUR) oder bei der Terracotta-Figur der Büßerin Magdalena, die Baccio da Montelupo zugeschrieben wird. Als zentrale Figur in Florenz in den Jahren nach dem Tod des Lorenzo von Medici („Der Prächtige“), war es ihm möglich, mit verschiedenen Materialien zu arbeiten, von Holz bis zu Bronze (aus der er sein Meisterwerk schuf, der Heilige Johannes von Orsanmichele). Doch er liebte die Terracotta. Dies verband ihn einerseits mit dem Geschmack seiner Zeit (und den großen Della Robbia), zum anderen mit seinen eigenen Wurzeln (Los 725, Schätzpreis: 6.000-8.000 EUR). Zum Schluss möchten wir Ihnen noch einen bezaubernden Altar aus der Sammlung Gallinos vorstellen (Los 703). Bemalt wurde er von Vincenzo Antonio Frediani (dokumentiert zwischen 1481 und 1505), plastisch ausgearbeitet von Cividali Matteo Lucchese (Lucca von 1436 bis 1501). Der Altar zeigt innen eine Pietà mit zwei Spendern und den Instrumenten der Passion sowie außen die Heilige Katharina von Alexandria und die Heilige Lucia, Der Schätzpreis liegt bei 40.000-50.000 EUR.

Nutolo Kreuzigungsszene vonMARIANO D'ANTONIO NUTOLO

Baccio Maria Magdalena von BACCIO DA MONTELUPO

Cividali Altar von VINCENZO ANTONIO FREDIANI und CIVIDALI MATTEO LUCCHESE

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