Es ist nicht ungewöhnlich, Geschichten oder Gerüchte über wiederentdeckte Meisterwerke zu hören, die in großelterlichen Häusern, auf staubigen Dachböden, in Lagerhallen oder Garagen versteckt waren. Wir haben die Top 10 für Ihr Lesevergnügen einmal zusammengestellt.

10. Caravaggio, Judith und Holofernes, ca. 1600-10

2014 entdeckten die Eigentümer eines Hauses bei Toulouse ein 400 Jahre altes Gemälde mit der biblischen Geschichte um Judith und den assyrischen General Holofernes, als sie eine undichte Stelle in ihrem Dach untersuchten.

Für das in bemerkenswert gutem Zustand erhaltene Werk wurde von Fachleuten ein Entstehungszeitraum zwischen 1600 und 1610 festgelegt. Sie schätzten zudem, dass der Wert 120 Millionen Euro betragen könnte.

Caravaggio, Judith enthauptet Holofernes (ca. 1600-10) Caravaggio, Judith und Holofernes (ca. 1600-10)

Bei dem Gemälde handelte es sich um eine Version von Judith enthauptet Holofernes (1599-1602), das im Palazzo Barberini in Rom zu sehen ist. Das Fundstück wurde in Paris gereinigt und analysiert. Einige Experten waren der Ansicht, es handele sich um ein Werk des flämischen Barockmalers Louis Finson, der im 17. Jahrhundert den Stil Caravaggios studierte und nachahmte. Andere waren der Ansicht, Caravaggio selbst habe es gemalt. In Finsons Testament steht geschrieben, dass er eine Kopie von Judith enthauptet Holofernes besaß. Diese galt jedoch seit 400 Jahren als verschwunden.

Der Kunstexperte Eric Turquin behauptet, dass der Dachbodenfund der echte Caravaggio ist. Seine Behauptung stützt er auf die Ausführung der Pinselstriche, komplizierte Details, die Verwendung von Licht und den insgesamt energischen Stil. Andere Experten, wie der britische Kunstkritiker Jonathan Jones, behaupten, dass dem Gemälde die "psychologische Intensität" von Caravaggio oder dessen signifikanter Realismus fehle. Inzwischen ist die umstrittene Caravaggio-Arbeit nach wie vor Anziehungspunkt für Kontroversen. 2016 trat der Kunsthistoriker Giovanni Agosti aus dem Vorstand der Brera Art Gallery in Mailand zurück, nachdem die Institution das Werk neben authentischen Caravaggio-Gemälden gezeigt hatte.

Allerdings hat die französische Regierung bis November 2018 ein Exportverbot für das Gemälde erlassen, um zu verhindern, dass es von internationalen Sammlern außer Landes gebracht wird. Da die Frist bald abläuft, sollte man das Ganze im Auge behalten.

9. Eugène Atget, Verloren geglaubte Fotografien von Paris, 1896

Ein bedeutendes Portfolio mit Fotografien von Eugène Atget, einem der „Gründerväter“ der modernen Fotografie, galt als verloren gegangen - bis es fast zufällig in den Archiven des Künstlers André Derain wiederentdeckt wurde. Die Arbeiten aus dem Jahr 1896 wurden 2016 in 21 Losen für insgesamt 730.000 GBP versteigert.

Eugène Atget, Verlorene Fotografien von Paris Eugène Atget, Verlorene Fotografien von Paris

Der 1857 geborene Atget begann 1890 zu fotografieren und dokumentierte die Architektur der Pariser Straßen, von Türgriffen bis hin zu Denkmälern, Ladenfronten und öffentlichen Orten.

8. Jackson Pollock, Nicht betitelte Gouache, ca. 1950/60er Jahre

Im Dezember 2015 entdeckte ein Mann aus Sun City, Arizona, der einem älteren Nachbarn beim Umzug in ein Altenheim half, in dessen Garage ein von Basketball-Star Kobe Bryant unterzeichnetes Poster der Los Angeles Lakers. Sie wandten sich an J. Levine Auction & Appraisal in Scottsdale, um den Wert ermitteln zu lassen. Doch als die Experten des Auktionshauses selbst einen Blick in die Garage warfen, stellten sie fest, dass das signierte Poster noch das am wenigsten wertvolle Stück in jenem Haushalt war. Sie entdeckten ein Gemälde, bei dem es sich um einen echten Jackson Pollock zu handeln schien sowie Arbeiten des Colour Field-Malers Kenneth Noland, des abstrakten Künstlers Jules Olitski und der bildenden Künstlerin Cora Kelley Ward.

Jackson Pollock, Nicht betitelte Gouache (ca. 1950/60er Jahre) Jackson Pollock, Nicht betitelte Gouache (ca. 1950/60er Jahre)

Der Hausbesitzer hatte diese Schatztruhe an Gemälden von seiner 1993 verstorbenen Halbschwester, der New Yorkerin Jennifer Gordon Cosgriff, geerbt. Weitere Untersuchungen ergaben, dass Cosgriff Mitte des 20. Jahrhunderts mit Clement Greenberg, einem Kritiker für moderne Kunst, und der Essayistin und Künstlerin Hazel Guggenheim McKinley, Schwester der berühmten Kunstmäzenin Peggy Guggenheim, befreundet gewesen war.

Das Gemälde von Jackson Pollock hat einen geschätzten Wert von 10 bis 15 Millionen USD. Dank Josh Levine, Inhaber und CEO von J. Levine Auction & Appraisal, wurde seine Provenienz und Authentizität genauestens überprüft. Die verwendeten Materialien wurden wissenschaftlich auf Mitte des 20. Jahrhunderts datiert.

Für die Auktion am 20. Juni 2017 wurden Gebote ab 5 Millionen USD erwartet. Letztendlich wurde das Werk wegen "ungenauer Untersuchungen und gesunkenem Bieterinteresse" zurückgezogen. Wann es nun versteigert wird, ist nicht bekannt.

7. Marie Krøyer, Mappe mit Kunstwerken und Zeichnungen 

Vor etwa 20 Jahren wurde auf einem Dachboden im schwedischen Dalarna eine Mappe mit beinahe 60 bislang unbekannten Gemälden und Zeichnungen der dänischen Künstlerin Marie Krøyer entdeckt.

Marie Krøyer, Mappe mit Kunstwerken und Zeichnungen Marie Krøyer, Mappe mit Kunstwerken und Zeichnungen

1962 hatte Marie Krøyers Tochter Vibeke die Mappe einem lokalen Handwerker vererbt. Anschließend verbrachte die Sammlung bis zu ihrer zufälligen Entdeckung rund vierzig Jahre auf jenem besagten Dachboden. Basierend auf dem Inhalt der Mappe veröffentlichte Tonni Arnold 2002 das Buch  Kunsten i Marie Krøyers liv. Vor der bedeutenden Entdeckung waren lediglich 20 Arbeiten von Marie Krøyer bekannt.

Marie Triepcke war eine vielversprechende Künstlerin, die ihre Karriere jedoch vorerst ad acta legte als sie den erfolgreichen Skagen-Maler Peder Severin Krøyer heiratete und stattdessen dessen bedeutendste Muse wurde, deren Schönheit weithin bekannt war. Die Ehe verlief turbulent und es dauerte nicht lange, bis Marie Peder verließ und nach Tällberg in Schweden ging. Sie heiratete den Komponisten Hugo Alfvén und fing wieder an zu malen.

6. John William Godward, Julia, 1914

John William Godward, "Julia" (1914) John William Godward, "Julia" (1914)

Dieses zuvor nicht registrierte Werk stellt eine wichtige Ergänzung zum Œuvre des viktorianischen Malers John William Godward dar. Die vermutlich erste Besitzerin war Julia Sophia Winkelmeyer Straub, Tochter des in Heilbronn geborenen Brauereibesitzers Julius Winkelmeyer aus St. Louis, Missouri. Seitdem war es innerhalb der Familie weitervererbt worden. Im Mai 2017 wurde es schließlich für 844.000 GBP verkauft.

5. Vincent van Gogh, Sonnenuntergang bei Montmajour, 1888

Auch diese Landschaft von Vincent van Gogh lebte viele Jahre lang versorgen auf einem Dachboden - dieses Mal einem norwegischen. Nachdem es 2013 dem Vergessen entrissen worden war, erfolgte eine zwei Jahre dauernde Untersuchung auch das Van Gogh-Museum, die die Authentizität bestätigte. Es stammt aus der Zeit, in der der Maler im südfranzösischen Arles lebte und bedeutende Werke wie beispielsweise die berühmten Sonnenblumen malte.

Vincent van Gogh, Sonnenuntergang bei Montmajour (1888) Vincent van Gogh, Sonnenuntergang bei Montmajour (1888)

Gemäß der International Business Times soll Sonnenuntergang bei Montmajour 50 Millionen USD wert sein, was nicht verwunderlich ist, handelt es sich doch um den wichtigsten Fund eines Van Gogh-Gemäldes seit 1928.

4. Raden Saleh, Jagd auf einen wilden Stier (Banteng), 1855

Raden Saleh, Jagd auf einen wilden Stier (Banteng) (1855) Raden Saleh, Jagd auf einen wilden Stier (Banteng) (1855)

Jagd auf einen wilden Stier (Banteng) von 1855 gehört zum Œuvre des indonesischen Malers Raden Saleh und verbrachte viele Jahre im Keller eines Hauses in der Bretagne. Im Januar 2018 konnte damit in einem Auktionshaus in Vannes ein Preis von 7,2 Millionen Euro erzielt werden, was dem Rekordpreis für ein Werk des Künstlers entspricht. Gezahlt wurde die Summe von einem anonymen Sammler aus Raden Salehs Heimatland Indonesien.

3. Rembrandt Harmensz. van Rijn, Der unbewusste Patient (Allegorie des Geruchssinns), ca. 1624

Das nächste Gemälde dieser Reihe stammt ungefähr aus dem Jahr 1624, einer Zeit, in der sich sein Erschaffer, Rembrandt Harmensz. van Rijn, in seinem späten Teenageralter befand. Es ist Teil einer Reihe, die die fünf Sinne zum Thema hat und zeigt einen bewusstlosen jungen Mann, der offenbar mithilfe von Riechsalz wieder zu Bewusstsein gebracht werden soll.

Rembrandt Harmensz. van Rijn, Der unbewusste Patient (Allegorie des Geruchssinns) (um 1624) Rembrandt Harmensz. van Rijn, Der unbewusste Patient (Allegorie des Geruchssinns) (um 1624)

Das Bild befand sich jahrelang in einem Keller in New Jersey und wurde schließlich bei einer Auktion von Nye & Company in Bloomfield für 500-800 USD angeboten. Die Gebote stiegen jedoch schließlich auf 870.000 USD, nachdem die beiden Pariser Kunsthändler Bertrand Talabardon und Bertrand Gautier das Gemälde als Werk des niederländischen Meisters identifiziert hatten. Der US-amerikanische Milliardär Thomas S. Kaplan, CEO der New Yorker Investment- und Verwaltungsgesellschaft Electrum Group kaufte es schließlich zu einem Preis, der bei 3-4 Millionen USD gelegen haben soll und präsentierte es als echten Rembrandt auf der TEFAF in Maastricht.

Übrigens: das letzte Werk der Reihe, das den Geschmackssinn allegorisch darstellt, ist noch nicht wieder aufgetaucht...

2. Artemisia Gentileschi, Lucretia, ca. 1630-45

Soeben erst versteigert wurde das Gemälde Lucretia der italienischen Barockmalerin Artemisia Gentileschi. Es war zum ersten Mal bei einer Auktion angeboten worden und erzielte einen Preis von rund 1,9 Millionen Euro, was mehr als seinem doppelten Schätzpreis entsprach. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts war es Teil der Sammlung einer aristokratischen Familie gewesen.

Artemisia Gentileschi, "Lucretia" (ca. 1630-45) Artemisia Gentileschi, "Lucretia" (ca. 1630-45)

Der gute Preis erklärt sich aus der zunehmenden Popularität der lange verkannten Malerin, die mutig ihr Leben, das von einer Vergewaltigung in jungen Jahren geprägt war, meisterte und ihre Erlebnisse in Darstellungen tapferer Frauen verarbeitete.

1. Leonardo da Vinci, Salvator Mundi, ca. 1500

Im Jahr 2005 wurde Salvator Mundi bei einer Auktion in New Orleans von einem Konsortium von Kunsthändlern für weniger als 10.000 USD erworben. Es war stark übermalt, sah also aus wie eine Kopie, und das Konsortium verbrachte die nächsten Jahre damit, das Gemälde wiederherzustellen und zu authentifizieren.

Leonardo da Vinci, "Salvator Mundi" (ca. 1500) Leonardo da Vinci, "Salvator Mundi" (ca. 1500)

Im Mai 2013 erwarb der Schweizer Händler Yves Bouvier das Werk für etwas mehr als 75 Millionen US-Dollar. Das Gemälde wurde dann an den russischen Sammler Dmitry Rybolovlev für 127,5 Millionen US-Dollar verkauft. Dieser entschloss sich nach einer sehr teuren Scheidung, es ebenfalls weiterzuverkaufen. 2017 wurde Salvator mundi zunächst in Hongkong, London, San Francisco und New York ausgestellt bevor es am 15. November 2017 in einer Auktion von Christies in New York für 450.312.500 US-Dollar verkauft wurde und damit einen Rekordpreis aufstellte, der vermutlich noch lange Bestand haben wird.

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