Detail aus "Portrait of Edmond de Bellamy" | Foto: © Christie's Detail aus "Portrait of Edmond de Bellamy" | Foto: © Christie's

Die kommende Auktionssaison ist mit allerhand Besonderheiten gespickt. Nachdem Sotheby's angekündigt hat, als erstes Auktionshaus kein physisches Objekt sondern die Idee hinter einem solchen zu versteigern, zieht Christie's nun nach. Mit Portrait of Edmond de Bellamy wird das Auktionshaus zum ersten Mal in der Geschichte ein Bild aufrufen, das von einer Künstlichen Intelligenz geschaffen wurde.

Der Titel ist jedoch nicht kausal und zusammen mit der Signatur (ein langer Algorithmus) wird deutlich, dass das Kunstwerk nicht von einem Menschen geschaffen wurde. Edmond de Bellamy ist wie sein Schöpfer kein Mensch aus Fleisch und Blut, sondern ein fiktiver Charakter, der mit einem Stammbaum ausgestattet wurde.

Foto via Obvious Art Foto via Obvious Art

Bei dem Leinwandgemälde, das auf 7.000-10.000 Euro geschätzt wird, handelt es sich um eine Idee des französischen Kollektivs Obvious, zu dem Hugo Caselles-Dupré, Pierre Fautrel und Gauthier Vernier gehören. Wie die Künstler erklären, besteht der Algorithmus, der das Bild erzeugt hat, "aus zwei Teilen. Auf der einen Seite ist der Generator, auf der anderen der Diskriminator". 

Das System wurde mit einer Datenbank von 15.000 Portraits verknüpft, die zwischen dem 14. und 20. Jahrhundert entstanden sind. Auf dieser Grundlage erzeugt der Generator ähnliche Bilder. "Der Diskriminator", fährt das Kollektiv fort, "sucht nach den Unterschieden zwischen den Bildern, die vom Menschen geschaffen wurden, und denen, die vom Generator erzeugt wurden. Das Ziel ist, den Diskriminator glauben zu lassen, dass die neuen Bilder echte Portraits sind".

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Das Projekt hatte sich das kontroverse Ziel gesetzt, zu zeigen, dass Künstliche Intelligenz die menschliche Kreativität nachahmen kann. Für die nächste Stufe ihres Versuchs wandte sich Obvious an Diskriminatoren aus Fleisch und Blut, die das Portrait als eines von einem Menschen oder von einer Maschine geschaffenes einordnen sollten. Zudem wurde überprüft, ob sie es überhaupt für Kunst hielten.

Die Reaktion der Menschen ist, wenn sie von Menschen geschaffene Kunst oder von einer Künstlichen Intelligenz geschaffene Kunst betrachten, sehr ähnlich. Das bedeutet aber nicht, dass es einem "Roboter" möglich wäre, Kunst auf der Ebene eines Menschen hervorzubringen, wenn wir Kunst als rein ästhetische Absicht betrachten.

Das Thema wirft viele Fragen auf, von denen die Auktion bei Christie's wohl nur eine einzige wird beantworten können: Ist der Kunstmarkt überhaupt an einem von einer Künstlichen Intelligenz geschaffenen Gemälde interessiert?

Ist Portrait of Edmond de Bellamy nur eines von vielen Experimenten der jüngsten Vergangenheit oder werden wir gerade Zeugen der Geburt einer völlig neuen Kategorie in der Kunst, die tatsächlich eine Zukunft haben könnte? Darüber werden wohl nachfolgende Generationen zu entscheiden haben.

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