NEW YORK, NY - OCTOBER 10: Co-Chairman, Post-War and Contemporary Art New York Loic Gouzer (C) speaks as Christie's unveils Leonardo da Vinci's 'Salvator Mundi' with Andy Warhol's 'Sixty Last Suppers' at Christie's New York on October 10, 2017 in New York City. (Photo by Ilya S. Savenok/Getty Images for Christie's Auction House) NEW YORK, NY - OCTOBER 10: Co-Chairman, Post-War and Contemporary Art New York Loic Gouzer (C) speaks as Christie's unveils Leonardo da Vinci's 'Salvator Mundi' with Andy Warhol's 'Sixty Last Suppers' at Christie's New York on October 10, 2017 in New York City. (Photo by Ilya S. Savenok/Getty Images for Christie's Auction House)

Der erwartete Preis liegt bei rund 100 Millionen USD. Denn es ist nicht nur recht unwahrscheinlich, dass ein originales Ölgemälde von Leonardo da Vinci in einer Auktion angeboten wird, es könnte auch tatsächlich das letzte Mal sein. Sofern es verkauft wird natürlich.

Als Christie's am 10. Oktober zur Pressekonferenz in seinen Räumlichkeiten an der Rockefeller Plaza in New York einlud und die frohe Kunde verbreitete, war es, als würde die Bombe der Kunstwelt hochgehen. Die Nachricht über den bevorstehenden Verkauf und Fotos des Gemäldes verbreiteten sich schnell in den traditionellen Nachrichtenkanälen und den sozialen Medien. Das erst vor wenigen Jahren "wiederentdeckte" Gemälde ist wahrscheinlich das einzige des berühmtesten Malers der Welt (neben Picasso und Warhol), das sich in privater Hand befindet. Daher ist auch seine Versteigerung eine vermutlich einmalige Gelegenheit, sowohl für das Auktionshaus als auch für die Auktionsbesucher. Aber um die Wahrheit zu sagen, ist diese Geschichte Teil eines recht komplizierten Skandals.

Leonardo da Vinci's Salvator Mundi. Courtesy of Christie's Images Ltd. 2017 Leonardo da Vinci's Salvator Mundi. Courtesy of Christie's Images Ltd. 2017

Leonardo da Vinci malte das besagte Gemälde zwischen 1506 und 1513 für den französischen König Louis XII. Danach wanderte es durch königliche Sammlungen und weniger namhaften Besitz. Vor nicht allzu langer Zeit wurde es bei Sotheby's für 45 GBP versteigert, da man es für ein Werk von Leonardos Schüler Giovanni Antonio Boltraffio hielt. Danach geriet das Bild in Vergessenheit, man hielt es sogar für zerstört. Dann erschien es jedoch plötzlich vor wenigen Jahren auf dem amerikanischen Kunstmarkt, nachdem es der Kunsthändler Alexander Parish, noch immer von einer Kopie ausgehend, bei einer Nachlassauktion in Louisiana entdeckte. Er entschied sich mitzubieten und verließ die Auktion um 10.000 USD ärmer, jedoch mit einem Bild unter dem Arm, dass sich als eines der teuersten der Welt erweisen sollte.

Nach der Restaurierung des Gemäldes stellten Experten fest, dass es sich um ein echtes Werk des toskanischen Meisters Leonardo da Vinci handelt. Mit Hilfe von Sotheby's konnte ein Konsortium von Kunsthändlern das Gemälde vor vier Jahren für 80 Millionen USD an den bekannten Schweizer Geschäftsmann und Kunsthändler Yves Bouvier verkaufen.

NEW YORK, NY - OCTOBER 10: Christie's unveils Leonardo da Vinci's 'Salvator Mundi' (pictured) with Andy Warhol's 'Sixty Last Suppers' at Christie's New York on October 10, 2017 in New York City. (Photo by Ilya S. Savenok/Getty Images for Christie's Auction House) NEW YORK, NY - OCTOBER 10: Christie's unveils Leonardo da Vinci's 'Salvator Mundi' (pictured) with Andy Warhol's 'Sixty Last Suppers' at Christie's New York on October 10, 2017 in New York City. (Photo by Ilya S. Savenok/Getty Images for Christie's Auction House)

Yves Bouvier wiederum verkaufte das Gemälde für 127,5 Millionen USD an den russischen Milliardär Dmitry Rybolovlev, der früher vor allem für undurchsichtige politische Machenschaften, Mord und eine daraus resultierende Gefängniserfahrung bekannt war, heute jedoch vor allem als Besitzer des Fußballclubs AS Monaco von sich reden macht. Mit der Unterstützung durch Yves Bouvier trug Rybolovlev eine der hervorragendsten Kunstsammlungen der Welt zusammen, mit Werken von Paul Gauguin, Auguste Rodin, Amedeo Modigliani, Pablo Picasso, Henri Matisse, Mark Rothko und eben jenem Salvator Mundi-Gemälde von Leonardo da Vinci, das jetzt in aller Munde ist.

So weit, so gut - alle waren glücklich und zufrieden. Als der Verkauf jedoch öffentlich bekannt wurde, verklagte das Kunsthändler-Konsortium Sotheby's indem es das Auktionshaus einer Beteiligung und sogar des Vertragsbruchs beschuldigte, was Sotheby's klar dementierte. Gleichzeitig wurde Yves Bouvier beschuldigt, indirekt Kunst gestohlen und die Kunstbesitzer betrogen zu haben. Nun bekamen auch Bouviers ehemalige Kunden und Kompagnons kalte Füße.

Dmitry Rybolovlev und Yves Bouvier gehen getrennte Wege Fotomontage: Vanity Fair Dmitry Rybolovlev und Yves Bouvier gehen getrennte Wege
Fotomontage: Vanity Fair

2015 konnte Yves Bouvier mit Hilfe Dmitry Rybolovlevs in Monaco verhaftet werden. Rybolovlev gab an, dass er für 37 Gemälde, die er zwischen 2003 und 2015 erworben hatte, mehr als 100 Millionen USD "zuviel" an Bouvier bezahlt habe. Die Geschichte ging aber noch weiter und immer mehr Leute schienen in diese endlose Reihe der Rechtsverletzungen involviert zu sein. Laut den Tipps einiger französischer Journalisten, könnten auch der monegassische Justizminister Philippe Narmino und Jean-Pierre Dreno von der Staatsanwaltschaft Monacos in die Sache verwickelt sein. Und die Geschichte geht noch weiter!

Wie das International Consortium of Investigative Journalists (ICIJ) aufdeckte, benutzte Rybolovlev Firmen auf den Virgin Islands für seine Kunsttransaktionen, um diese Posten während der Scheidung von seiner Frau Elena vor dieser zu verbergen. Die Scheidung ging als "die teuerste Scheidung der Welt" in die Annalen ein. Es das reinste Katz-und-Maus-Spiel.

Heute gibt es eine umfangreiche Studie über den Kunstskandal, der ein weltweites Echo hervorrief und den Kunstmarkt dauerhaft beeinflusste. Der einzige Gewinner in der ganzen Angelegenheit scheint Rybolovlevs Ex-Frau Elena zu sein. Sie ist vermutlich der Grund dafür, weshalb die meisten Werke aus der Sammlung des russischen Milliardärs in den letzten Jahren versteigert wurden. Leonardo da Vincis  Salvator Mundi ist, wenn man so will, das absolute Sahnehäubchen.

Loic Gouzer, Christie´s. ©2014 CHRISTIE’S IMAGES LTD. Loic Gouzer, Christie´s. ©2014 CHRISTIE’S IMAGES LTD.

Als Journalisten auf der Pressekonferenz bei Christie's nachfragten, wie der Markt wohl auf ein Kunstwerk reagieren würde, das in einen solchen Skandal verwickelt war, antwortete Loic Gouzer, Vorsitzender für den Bereich Postwar und Contemporary bei Christie's: "Über den Verkäufer dürfen wir nichts bekannt geben. Das Werk verfügt aber über jedes notwendige Dokument, jedes Visum."

Desweiteren vermutete er, dass bei der Auktion das Werk selbst und nicht sein bisheriger Besitzer im Mittelpunkt des Interesses stehen würde und fügte hinzu: "Die Wahrscheinlich, ein neues [Werk von Leonardo Da Vinci, Anm.] zu finden, ist unwahrscheinlicher, als einen neuen Planeten zu entdecken."

Bleibt die Frage, ob jemand bereit ist, 100 Millionen USD für Salvator Mundi zu bezahlen. Wenn nicht, wird es für Christie's eine teure Angelegenheit, da es den Verkauf garantiert. Das bedeutet, das der Verkäufer sein Geld bekommt, egal wie die Auktion endet.

Fortsetzung folgt...

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