"Freizeit" und "Sport" sind zwei Begriffe, die miteinander Hand in Hand gehen und sich im 19. Jahrhundert zu dem entwickelten, was wir heute darunter verstehen. Vor allem durch die geregelten Arbeitszeiten der industriellen Gesellschaft konnten Arbeit- und Freizeit nun klar voneinander getrennt werden. Zudem führte die zunehmende Urbanisierung zum gesteigerten Bedürfnis nach Bewegung an der frischen Luft. Verschiedene Sportarten erfreuten sich, ausgehend von England, dem "Mutterland des Sports", zunehmender Beliebtheit in ganz Europa, darunter auch Polo, Tennis und Golf. Natürlich war es nicht der Fabrikarbeiter, der hierbei von sich reden machen konnte, denn um diese Sportarten exzessiv betreiben zu können, benötigte man das erforderliche Equipment, teilweise sogar ein Pferd. Und das alles kostete viel Geld. Diese Sportarten waren also den "oberen Zehntausend" vorbehalten. Viele Künstler im Vereinigten Königreich und Frankreich griffen diese neue Art der gehobenen Freizeitgestaltung auf und hielten sie in ihren Werken fest: Edgar Degas, Édouard Manet, Henri de Toulouse-Lautrec oder Sir John Lavery.

SIR JOHN LAVERY - Tennisparty, Öl/Lwd., 76,2 x 183 cm, 1885, Geschenk Sir James Murray 1926 © Aberdeen Art Gallery & Museums Collections Abb. via kunsthalle-bremen.de SIR JOHN LAVERY - Tennisparty, Öl/Lwd., 76,2 x 183 cm, 1885, Geschenk Sir James Murray 1926
© Aberdeen Art Gallery & Museums Collections
Abb. via kunsthalle-bremen.de

Auch der deutsche Impressionist Max Liebermann (1847-1935) widmete sich ausgiebig diesem Thema. Ab dem Ende des 19. Jahrhunderts richtete seinen Blick auf die Freizeit der Badegäste in den wilhelminischen Seebädern. Mit unterschiedlichen Techniken hielt er Reiter oder Badende am Strand fest.

MAX LIEBERMANN - Reiter am Strand mit Foxterrier, 1911, Öl/Lwd., 70 x 100 cm, Nationalmuseum Stockholm Abb. via kunsthale-bremen.de MAX LIEBERMANN - Reiter am Strand mit Foxterrier, Öl/Lwd., 70 x 100 cm, 1911, Nationalmuseum Stockholm
Abb. via kunsthale-bremen.de

Zwischen 1900 und dem Beginn des 1. Weltkrieges kamen dann auch Motive aus dem Bereich der Freizeitsports hinzu. Liebermann fing mit gekonntem Pinselstrich das oftmals rasante Geschehen auf den verschiedenen Spielfeldern ein.

MAX LIEBERMANN - Tennisspieler am Meer, erste. Fassung, Öl/Lwd., 69,5 x 100,3 cm, 1901, Museum Kunst der Westküste, Alkersum, Föhr © Repro Lukas Spörl Abb. via kunsthalle-bremen.de MAX LIEBERMANN - Tennisspieler am Meer, erste. Fassung, Öl/Lwd., 69,5 x 100,3 cm, 1901, Museum Kunst der Westküste, Alkersum, Föhr
© Repro Lukas Spörl
Abb. via kunsthalle-bremen.de

MAX LIEBERMANN - Polospieler in Jenischs Park, Öl/Lwd., 71 x 102 cm, 1903, Privatbesitz Abb. via kunsthalle-bremen.de MAX LIEBERMANN - Polospieler in Jenischs Park, Öl/Lwd., 71 x 102 cm, 1903, Privatbesitz
Abb. via kunsthalle-bremen.de

Die Ausstellung "Max Liebermann - Vom Freizeitvergnügen zum modernen Sport" ist noch bis zum 26. Februar 2017 in der Kunsthalle Bremen zu sehen und zeigt neben sportlichen Werken Liebermann auch solche von anderen Künstlern, wie Max Slevogt, John Lavery, Edgar Degas, Édouard Manet und Henri de Toulouse-Lautrec.

 

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