An zwei Tagen bittet das Münchener Auktionshaus Neumeister im September zur Auktion. Während am ersten Auktionstag das Augenmerk auf vielfältigen Schmuck gerichtet ist, wird am zweiten Auktionstag Alte Kunst versteigert. Hier erwartet den geneigten Bieter ein breitgefächertes Angebot aus Porzellan, Glas, Möbeln und Gemälden.

Die Gemälde-Offerte reicht von Landschaften und Stilleben Alter Meister, über Tiermalerei und Genreszenen des 19. Jahrhunderts bis zur Modernen Malerei des frühen 20. Jahrhunderts. Ebenfalls gut vertreten ist die Portraitmalerei, aus der wir ein äußerst interessantes Beispiel herausgepickt haben.

Als eines der Top-Lose der Auktion wird Joseph Stieles Portrait der Gräfin Sophie Kisseleff aufgerufen. Das Portrait aus dem Jahr 1834 zeigt die Gräfin in einem für die Biedermeierzeit typischen Kleid mit Puffärmeln, wie sie an ihrem Frisiertisch sitzt und sich mit einer doppelreihigen Perlenkette die Haare schmückt.

Der Name Sophie Kisseleff ist heute weniger geläufig, ihren Zeitgenossen war sie aber ein Begriff. Vor allem jenen, die ihr in Bad Homburg bei Frankfurt am Main begegneten, das damals wie heute als illustrer Wohnort für die Highsociety bekannt ist. Die Gräfin Kisseleff, die dem bedeutenden polnischen Adelsgeschlecht Potocki entstammt, lebte ab den frühen 1840er Jahren in Bad Homburg, dessen gesellschaftliches Leben ab der Mitte des 19. Jahrhunderts durch die Eröffnung einer Spielbank erweitert wurde.

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Doch genau das wurde der Gräfin zum Verhängnis: Sie verfiel der Spielsucht. Das sie jedoch Anteile an der Spielbank besaß, war sie vor einem finanziellen Ruin sicher. Die Anwesenheit der Gräfin in der Spielbank von Bad Homburg war bald so obligatorisch, dass sie von mehreren Schriftstellern in ihren Werken portraitiert wurde: Von Dostojewski in Der Spieler, von Robert Lewis Stevenson in Die Schatzinsel und von Egon Caesar Conte Corti in Der Zauberer von Homburg und Monte Carlo. Ihre literarischen Portraits fielen meist negativ aus und sie wird als vor der Zeit gealtert beschrieben.

Joseph Stieler ist vor allem bekannt als Portraitist jener berückenden Damen, die in die Schönheitengalerie des bayerischen Königs Ludwig I. i Schloss Nymphenburg aufgenommen wurden. Das berühmteste Bildnis ist jenes der Lola Montez, die tatsächlich noch skandalträchtiger war als die Gräfin Kisseleff. Als habgierige Maitresse des Königs war sie so unbeliebt, das Ludwig 1848 abdanken musste.

Links: Die Schönheitengalerie in Schloss Nymphenburg Rechts: Stielers Portrait von Lola Montez (1847) | Beide Abb.: schloss-nymphenburg.de Links: Die Schönheitengalerie in Schloss Nymphenburg Rechts: Stielers Portrait von Lola Montez (1847) | Beide Abb.: schloss-nymphenburg.de

Sowohl die Gräfin Kisselef als auch die illustre Lola Montez wären von der Schmuckauktion von Neumeister am 25. September begeistert gewesen. Und da möchten wir uns gerne anschließen, denn die Offerte umfasst bezaubernde Pretiosen mit antikem und modernem Schmuck aus aller Welt.

Aus der "Diamantenhauptstadt" Antwerpen stammen ein Muticolor-Armband und ein dazu passendes Paar Ohrhänger, die unter einer eigenen Losnummer zum Aufruf kommen. Besetzt sind die schönen Stücke mit unterschiedlichen getönten Fancy Diamanten und weißen Brillanten.

In Moskau wurde Ende der 1950er Jahre ein klassischer Ring kreiert, dessen tiefblauer Saphir aus dem begehrten Herkunftsgebiet Kashmir stammt.

Ein aktuelles Stück ist ein Platinring mit Diamant von 4,174 ct, der von A. Fishman & Son in England geschaffen wurde.

Aus dem spätviktorianischen oder edwardianischen England stammen eine Reversnadel und eine Brosche, bei denen jeweils eine Katze die Hauptrolle spielt, einmal in Kombination mit einer Taube, einmal zusammen mit einer Maus.

Von jenseits des Atlantiks haben es eine bezaubernde Jugendstil-Brosche mit emailliertem Ginkgo-Blätter-Dekor, sowie zwei Paar Ohrhänger in die Auktion geschafft.

Die Ohrringe sind jeweils mit Diamanten und Perlen besetzt und entstammen den Epochen des Jugendstils und des Art déco.

Die Gelegenheit, alle diese Schätze zu versteigert, bietet das Auktionshaus Neumeister am 25. und 26. September. Die Schmuckauktion beginnt am ersten Auktionstag um 16 Uhr. Die Kunstauktion beginnt am Folgetag um 14 Uhr. Veranstaltungsort ist das Münchener Kunstauktionshaus in der Barer Straße 37. Dort können alle Objekte vorab den Auktionen vom 20.-24. September in Augenschein genommen werden.

Entdecken Sie das ganze aktuelle Angebot von Neumeister hier bei Barnebys.

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