Die März-Auktionen im Zürcher Auktionshaus Koller beginnen am 19. März mit Büchern und Autographen. Am 21. März geht es weiter mit Schmuck, vor am Folgetag Möbel, Porzellan, Silber und Teppiche zum Aufruf kommen. Den Abschluss bilden am 23. März Alte Graphik, Zeichnungen und Gemälde Alter Meister sowie Gemälde des 19. Jahrhunderts.

19. März, 14 Uhr - Bücher

Der schottische Adlige Sir William Douglas Hamilton (1730-1803) bekleidete von 1764 bis 1799 den posten des britischen Botschafters am Hof von Neapel. Sein eigentliches Steckenpferd war jedoch nicht die Diplomatie, sondern die Wissenschaft. Er nahm regen Anteil an den unweit von Neapel stattfinden Ausgrabungen in Pompeji und an der Tätigkeit des Vesuv, der Pompeji 1700 Jahre zuvor zum Verhängnis geworden war.

Über den Ausbruch des Vesuv im Jahre 1767 verfasste Hamilton, der korrespondierendes Mitglied der Royal Society in London war, das Werk Campi Phlegraei ("Flammende Felder"), das hier in einer großartigen Erstausgabe mit 57 kolorierten Kupfertafeln vorliegt.

Noch explosiver als der Vesuv erwies sich jedoch Hamiltons Ehe mit der wesentlich jüngeren Salon-Schönheit Emma Hart (1765-1815), die in England als Maitresse diverser Männer von sich Reden gemacht hatte. Hamilton heiratete sie trotzdem. Noch brisanter wurde es jedoch, als Emma auf den Seehelden Horatio Nelson (1758-1805) traf, der 1798, nachdem er die französische Flotte vor Abukir vernichtend geschlagen hatte, in Neapel vor Anker ging. Die beiden gingen, von Hamilton toleriert, eine Liebesbeziehung ein.

Eine Ménage à trois so explosive wie der Vesuv. Von links: Sir William Hamilton, Botschafter am Hof von Neapel und Vulkanologe. Emma Hamilton, gefeierte Salon-Schönheit. Admiral Horatio Nelson, englischer Seeheld Eine Ménage à trois so explosiv wie der Vesuv. Von links: Sir William Hamilton, Botschafter am Hof von Neapel und Vulkanologe. Emma Hamilton, gefeierte Salon-Schönheit. Admiral Horatio Nelson, englischer Seeheld

Emma Hamilton wurde von vielen berühmten Künstlern ihrer Zeit portraitiert, darunter Elisabeth-Louise Vigée-Lebrun, Angelika Kauffmann und Johann Heinrich Wilhelm Tischbein.

Die Auktion mit Autographen, darunter Briefe von Nelsons Widersacher Napoleon, beginnt am 19. März um 17 Uhr.

21. März, 14 Uhr - Schmuck

Die Möglichkeit, seinen ganz persönlichen Titanic-Moment zu erleben, bietet die Schmuck-Auktion von Koller am 21. März. Neben Ringen, Armbändern, Colliers und Ohrhängern kommt auch dieser wunderschöne Anhänger aus Weißgold zum Aufruf, dessen zentraler Stein, ein Saphir von 20,19 ct, in Form eines Herzens geschliffen wurde.

ADLER - Weißgold-Anhänger mit Ceylon-Saphir (20,19 ct) und Diamanten (zus. ca. 4 ct) | Kleines Bild: Kate Winselt mit dem "Coeur de la Mer" im Spielfilm "Titanic" (1997) | Abb: 20th Century Fox via forbesitalia.com ADLER - Weißgold-Anhänger mit Ceylon-Saphir (20,19 ct) und Diamanten (zus. ca. 4 ct) | Kleines Bild: Kate Winselt mit dem "Coeur de la Mer" im Spielfilm "Titanic" (1997) | Abb: 20th Century Fox via forbesitalia.com

Beim Anblick dieses bezaubernden Schmuckstücks kommt einem sofort die berühmte Szene aus dem Film Titanic (1997) in den Sinn, als sich Rose DeWitt Bukater (Kate Winslet) von Jack Dawson (Leonardo DiCaprio) zeichnen ließ - mit nichts bekleidet außer einem Collier, das einen gigantisch großen blauen Herz-Diamanten einfasste.

22. März, 10 Uhr - Möbel, Porzellan & Silber

Mit Objekten vom 14. bis 20. Jahrhundert wartet die Antiquitätenauktion am 22. März auf. Besonders reich gedeckt ist dabei die Tafel mit Handwerkskunst des 18. Jahrhunderts. Von der Régence, über Louis XV und XVI bis zum Klassizismus begeistern uns exquisite Fauteuils, Schreibtische, Kommoden, Silberkannen oder frühe Erzeugnisse aus der Porzellanmanufaktur Meissen.

Den größten Einfluss auf die europäische Kunst des 18. Jahrhunderts hatte das ferne und exotische China. Überall traf man auf Lackarbeiten, Chinoiserie und Porzellan. Es war eine heitere und verspielte Formensprache, die in der Mitte des Jahrhunderts in voller Blüte stand und durch die ausgezeichneten Fähigkeiten der Kunsttischler und -handwerker komplettiert wurde. Gegen Ende jener spätbarocken Epoche wurden die rocaillen allmählich durch strengere Linien abgelöst, die von der griechisch-römischen Antike inspiriert waren.

Auch nachdem man in Meißen hinter das Geheimnis der Porzellanherstellung gelangt war, wurde Porzellan aus China importiert. Beliebt war in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts die Verzierung der exotischen Stücke mit einer Montierung aus vergoldeter Bronze. Vielleicht beruhte diese Vorliebe auf einer Ansicht, die die damalige Gesellschaft mit dem Erfinder des europäischen Porzellans, Johann Friedrich Böttger, geteilt haben könnte. Böttcher attestierte den Porzellanerzeugnissen aus Fernost lediglich eine "plumpe façon" und "absurde Deseins ihrer Mahlerey".

Eine weitere Auktion mit wunderschönen Orientteppichen findet ebenfalls am 22. März um 17 Uhr statt.

Der letzte Auktionstag ist vollgepackt mit alter Kunst der Spitzenklasse. Den Beginn macht Alte Graphik um 10:30 Uhr, gefolgt von Zeichnungen Alter Meister (11:30 Uhr) sowie deren Gemälden (15 Uhr). Als abschließende Auktion werden um 17 Uhr Gemälde des 19. Jahrhunderts versteigert.

23. März, 15 Uhr - Gemälde Alter Meister

In der Auktion mit altmeisterlichen Gemälden schlägt ein Rondo von der Hand Anthonis van Dycks einen interessanten Bogen vom Hof König Charles I. bis zum Drehort der Serie Downton Abbey. Auf der (nachträglich gerundeten) Leinwand hat der als Hofmaler in London tätige van Dyck Anna Sophia Herbert dargestellt, eine Tochter des 4. Earl of Pembroke, der eine bedeutende Persönlichkeit am Hof Charles I. war und eine hervorragende Kunstsammlung besaß und auch als großer Förderer Anthonis van Dycks in Erscheinung trat.

Links: ANTHONIS VAN DYCK (1599 Antwerpen - 1641 London) - Porträt der Anna Sophia Herbert, Gräfin von Carnarvon (um 1610-1695), Öl/Lwd., Gutachten vorhanden | Rechts: Highclere Castle, Schauplatz der Serie "Downton Abbey" | Abb: Bas Sijpkes via Wikipedia (Detail) Links: ANTHONIS VAN DYCK (1599 Antwerpen - 1641 London) - Porträt der Anna Sophia Herbert, Gräfin von Carnarvon (um 1610-1695), Öl/Lwd., Gutachten vorhanden | Rechts: Highclere Castle, Schauplatz der Serie "Downton Abbey" | Abb: Bas Sijpkes via Wikipedia (Detail)

Anna Sophia war mit dem 1. Earl of Carnarvon verheiratet, ein Name, den man heute nicht nur mit dem Finanzier des Ägyptologen Howard Carter verbindet, sondern auch mit den Erbauern und Bewohnern von Highclere Castle, das als Kulisse der beliebten Historienserie Downton Abbey diente. Eine direkte Vorfahrin des aktuellen Earl of Carnarvon ist Anna Sophia jedoch nicht, dieser darf den Titel durch die dritte Verleihung im Jahr 1793 tragen. Eine Verwandtschaft besteht dennoch, denn Titelinhaber ist wiederum die Familie Herbert.

Daheim in van Dycks niederländischer Heimat war derweil das Goldene Zeitalter der Malerei angebrochen, das Künstlergrößen wie Rembrandt, Vermeer oder Frans Hals hervorgebracht hat. Ein Schüler Rembrandts war der Genremaler Gerrit Dou, der wiederholt Marktgemälde mit kleinem, oben gerundeten Bildausschnitt anfertigte. Das vorliegende Werk reiht sich nahtlos in die Reihe weiterer hervorragender "Nischenwerke" Gerrit Dous ein, darunter Die Heringsverkäuferin und ein Junge und Der Lebensmittelladen.

Links: GERRIT DOU (1613 Leiden vor 1675) - Öl/Holz, signiert und datiert, 1651 | Rechts oben: Die Heringsverkäuferin und ein Junge, 1670-75 | Rechts unten: Der Lebensmittelladen, 1647 Links: GERRIT DOU (1613 Leiden vor 1675) - Öl/Holz, signiert und datiert, 1651 | Rechts oben: Die Heringsverkäuferin und ein Junge, 1670-75 | Rechts unten: Der Lebensmittelladen, 1647

Einer der frühesten Besitzer des vorliegenden Gemäldes Gerrit van Dous war der Mainzer Erzbischof Lothar Franz von Schönborn, der es im von ihm erbauten Schloss Pommersfelden aufbewahrte.

Die erste Frau, die nachweislich zu Beginn des 17. Jahrhunderts Stillleben malte, war die Antwerpenerin Clara Peeters, deren frühestes datiertes Werk aus dem Jahr 1607 stammt. Peeters spezialisierte sich in ihren Stillleben auf die Darstellung von Fischen, vor allem Süßwasserfischen. Einen Hauch von Lebendigkeit und gleichzeitig Vergänglichkeit erfährt das vorliegende Gemälde durch die Anwesenheit der Katze, durch die die Fische, zumindest teilweise, schon bald der Vergangenheit angehören dürften.

23. März, 17 Uhr - Gemälde des 19. Jahrhunderts

In der Auktion mit Gemälden des 19. Jahrhunderts ist das am höchsten geschätzte Werk der Märzauktionen von Koller zu finden. Gemalt wurde es vom russischen Künstler Kuzma Petrov-Vodkin im Jahr 1904. Das Oeuvre von Petrov-Vodkin wurde durch verschiedene Stile und Techniken beeinflusst. Während seiner Ausbildung erhielt er Einblicke in die Ikonenmalerei und studierte neben der Malerei auch technisches Zeichnen. Das vorliegende Werk, das einem russischen Zaubermärchen zu entstammen scheint, vereint die unterschiedlichen Einflüsse in Petrov-Vodkins Werk und unterstreicht mit seiner Expressivität Petrov-Vodkins Position an vorderster Front der russischen Avantgarde zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

Die Ausstellung zu den Auktionen kann im Auktionshaus Koller in Zürich vom 13.-18. März jeweils von 10-19 Uhr besucht werden. Alle Lose der Versteigerungen finden Sie aber auch hier bei Barnebys.

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