1. Olympia von Édouard Manet (1863)

Édouard Manet - Olympia, 1863 (Musée d’Orsay, Paris) Édouard Manet - Olympia, 1863 (Musée d’Orsay, Paris)

Édouard Manet malte seine Olympia 1863. Erstmals ausgestellt wurde sie zwei Jahre später im Pariser Salon, wo sie für so manchen Wirbel sorgte. Das Gemälde zeigt eine Prostituierte, die sich offenbar gerade für ihren nächsten Kunden präpariert. Zusätzlich zu ihrer offensichtlichen Nacktheit, blickt das lässig an einen Berg Kissen gelehnte Modell (Victorine Meurent) den Betrachter provozierend an.

Im selben Jahr sorgte auch Manets Le déjeuner sur l’herbe für einen Skandal und wurde vom Salon abgelehnt. Jenes Werk zeigte eine ebenfalls nackte, ihr Publikum direkt anblickende Frau, sowie zwei bekleidete Herren.

2. L’Origine du monde von Gustave Courbet (1866)

Gustave Courbet, L'Origine du monde, 1866 (Musée d’Orsay, Paris) Gustave Courbet, L'Origine du monde, 1866 (Musée d’Orsay, Paris)

Bei Gustave Courbets L’Origine du monde ("Der Ursprung der Welt") von 1866 bleibt nicht vieles der Fantasie überlassen - außer das Gesicht der liegenden Dame, deren weit gespreizten Beine dem Betrachter einen mehr als intimen Blick auf ihre Körpermitte gewähren.

Sowohl Courbet als auch Manet veränderten das Verhältnis zur Aktmalerei im 19. Jahrhundert. L’Origine du monde, das zu seiner Entstehungszeit äußerst kontrovers behandelt wurde, war der Auslöser für weitreichende künstlerische Freiheiten.

3. Fontaine von Marcel Duchamp (1917)

Marcel Duchamp - Fontaine (Urinoir), 1917 / 1964 © succession Marcel Duchamp/ Adagp, Paris Marcel Duchamp - Fontaine (Urinoir), 1917 / 1964
© succession Marcel Duchamp/ Adagp, Paris

Heutzutage wird Fontaine von Marcel Duchamp als eine Ikone der Zeitgenössischen Kunst betrachtet. Beinahe überflüssig ist es zu erwähnen, dass es, wie so viele bedeutende Kunstwerke der Geschichte, in seiner Entstehungszeit einige Skepsis hervorrief. Das simple Urinal aus weißem Porzellan, signiert mit "R.Mutt" - ein Pseudonym, das Duchamp wählte, um sicherzustellen, dass das Kunstwerk als das beurteilt wurde, was es war - wurde mit viel Kritik bedacht.

Indem er einem Alltagsgegenstand einen neuen Rahmen gab und damit den Blickwinkel veränderte, wurde Marcel Duchamp zum Erfinder der Ready made-Kunst.

4. Sitzende Frau mit violetten Strümpfen von Egon Schiele (1917)

Egon Schiele - Sitzende Frau mit violetten Strümpfen (1917) Foto: courtesy of egon-schiele.com Egon Schiele - Sitzende Frau mit violetten Strümpfen (1917)
Foto: courtesy of egon-schiele.com

Das Werk von Egon Schiele spielt eine wesentliche Rolle in der Beziehung von Kunst und Erotik. Seine nackten Modelle nahmen oft explizite Posen ein, so wie auch für Sitzende Frau in violetten Strümpfen von 1917, bei dem das Modell vor dem Betrachter masturbiert.

Schieles erotische Zeichnungen, gepaart mit Anschuldigungen wegen angeblicher Entführung und Missbrauchs einer Minderjährigen, führten sogar zu einer kurzen Festnahme im Jahr 1912.

5. Hon von Niki de Saint Phalle (1966)

Niki de Saint Phalle - Hon, 1966 (Stockholm, Moderna Museet) Niki de Saint Phalle - Hon, 1966 (Stockholm, Moderna Museet)

Niki de Saint Phalles monumentale Arbeit von 1966 für Stockholms Moderna Museet war eine unglaubliche 28 Meter lange Frau, die mit offenen Schenkeln auf dem Rücken lag und Besucher durch die Vagina hereintreten liess. Eine wortwörtliche Frauenkathedrale.

Zu Beginn ihrer Karriere wurden Niki de Saint Phalles Arbeiten von ihren Reflexionen über die Rolle der Frau in der Gesellschaft geleitet. Ihr Werk ist eine lebensgroße Manifestation ihres imaginären Universums.

6. Man in Polyester Suit von Robert Mapplethorpe (1980)

Robert Mapplethorpe - Man in Polyester Suit (1980) Foto: courtesy of Sotheby’s Robert Mapplethorpe - Man in Polyester Suit (1980)
Foto: courtesy of Sotheby’s

Man in Polyester Suit ist eine Fotografie von Robert Mapplethorpe aus dem Jahr 1980. Es ist Teil der Serie "X Portfolio". Das Foto zeigt den Liebhaber des Künstlers, Milton Moore, der einen dreiteiligen Anzug trägt, seinen Penis jedoch unverhüllt lässt. Diese Arbeit zementierte den provokativen Ruf des Künstlers. Im Jahr 2015 wurde Mapplethorpes Fotografie für fast eine halbe Million Dollar bei Sotheby's in New York verkauft.

Die erotische Natur der Werke aus der Mitte von Mapplethorpes Karriere löste Kontroversen über die öffentliche Finanzierung von Kunst in den USA aus, die auch als "Kulturkrieg" bekannt sind.

7. La Nona Ora von Maurizio Cattelan (1999)

Maurizio Cattelan - La Nona Ora (New York, 1999-2000) Blick in die Ausstellung "Libre !" von 2014 im Musée des Beaux-Arts, Rennes, Bretagne Maurizio Cattelan - La Nona Ora (New York, 1999-2000)
Blick in die Ausstellung "Libre !" von 2014 im Musée des Beaux-Arts, Rennes, Bretagne

Nona Ora von Maurizio Cattelan ist eine hyperalistische Darstellung von Papst Johannes Paul II., der von einem Meteoriten niedergestreckt worden ist. Seine Augen sind in einem Zustand des Leidens und der Akzeptanz dargestellt.

Das Werk bezieht sich auf die neunte Stunde, einen präzisen Moment nach dem Markusevangelium, als der gekreuzigte Jesus den berühmten Satz aussprach: "Vater, Vater, warum hast du mich verlassen?" Ein Moment tiefster menschlicher Zweifel, der sich auf den Humanismus Johannes Pauls II. Bezieht, der die Sünde der Welt zu ertragen hatte.

8. Tree von Paul McCarthy (2014)

Paul McCarthy - Tree, aufgestellt auf der Place Vendôme am 15. Oktober 2014 Foto von Bertrand Guay / AFP Paul McCarthy - Tree, aufgestellt auf der Place Vendôme am 15. Oktober 2014
Foto von Bertrand Guay / AFP

Tree ist eine aufblasbare, fast 25 Meter hohe Skulptur des amerikanischen Künstler Paul McCarthy. Viele öffentliche Personen waren empört, da sie der Meinung waren, das Werk sei eine Darstellung eines riesigen Sexspielzeugs. Im Jahr 2014 wurde Tree während der FIAC auf der Place Vendôme in Paris installiert. Unbekannte Vandalen ließen jedoch schon bald die Luft ab. Der Künstler hatte angesichts der negativen Reaktionen darauf verzichtet, es erneut aufblasen zu lassen.

9. Dirty Corner von Anish Kapoor (2015)

Anish Kapoor - Dirty Corner" ausgestellt in Versailles 2015 Foto: courtesy of Charles Platiau/Reuters Anish Kapoor - Dirty Corner" ausgestellt in Versailles 2015
Foto: courtesy of Charles Platiau/Reuters

Dirty Corner ist ein Stahlkoffer des Künstlers Anish Kapoor. Offensichtlich hat das Werk auch eine sexuelle Konnotation. Im Jahr 2015, während der Ausstellung im Schlosspark von Versailles, wurde es vier Mal zerstört.

Die Arbeit wurde in der Presse oft als "Vagina der Königin" bezeichnet, eine Anrede, die Anish Kapoor selbst nie benutzt hat. Dennoch wurde die Arbeit vom Künstler als "sehr sexuell" beschrieben.

10. Domestikator vom Atelier van Lieshout (2017)

Joep van Lieshout, Atelier Van Lieshout - Domestikator vor dem Centre Pompidou im Oktober 2017 Foto: courtesy of Jean-Pierre Vaillancourt für Carpenters Workshop Gallery Joep van Lieshout, Atelier Van Lieshout - Domestikator vor dem Centre Pompidou im Oktober 2017
Foto: courtesy of Jean-Pierre Vaillancourt für Carpenters Workshop Gallery

Im Rahmen von FIACs "Beyond the Walls" wurde der Domestikator des niederländischen Künstlers Joep van Lieshout vom Louvre abgelehnt, bevor er vom Beaubourg angenommen wurde.

Diese 12 Meter hohe Skulptur wurde auf dem Vorplatz des Museums in Form eines Greyhounds aufgestellt. Laut dem Künstler ist es "eine Allegorie der Vergewaltigung der Natur durch den Menschen". Die SPA (Gesellschaft zum Schutz der Tiere) prangerte "eine abartige Skulptur an, die eine zoophile Handlung darstellt, die von ihrem Autor offen beansprucht wird."

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