Francisco de Goya, Saturn verschlingt seinen Sohn, um 1820

Francisco de Goya, Saturn verschlingt seinen Sohn, um 1820 | Abb. via Wikipedia Francisco de Goya, Saturn verschlingt seinen Sohn, um 1820 | Abb. via Wikipedia

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts war Spanien darum bemüht, Joseph Bonaparte, der 1808 von seinem jüngeren Bruder Napoleon auf den dortigen Thron gesetzt worden war, wieder loszuwerden. Die Folge war ein brutaler Krieg, unter dem die spanische Bevölkerung furchtbar zu leiden hatte. Francisco de Goya griff die unsichere und gewalttätige Stimmung in seinem Heimatland auf und schuf zwischen 1819 und 1923, also einige Jahre nach Napoleons Sturz, 14 Gemälde, die die Pinturas negras ("Schwarze Gemälde") genannt werden und die beängstigende Motive zum Inhalt haben. Eines dieser Werke ist Saturn verschlingt seinen Sohn, dessen Motiv der griechischen Mythologie entnommen ist. Saturn, eigentlich der Titan Cronus, fürchtete sich davor, von einem seiner Kinder entmachtet zu werden. Um das zu verhindern, verspeiste er sich kurzerhand nach ihrer Geburt.

Johann Heinrich Füssli, Nachtmahr, 1781

Johann Heinrich Füssli, Nachtmahr, 1781 | Abb. via khanacademy.org Johann Heinrich Füssli, Nachtmahr, 1781 | Abb. via khanacademy.org

Johann Heinrich Füssli war ein Schweizer Künstler des 18. und frühen 19. Jahrhunderts. Der allgemeine Zeitgeschmacks jener Epoche verlangte nach Bildern mit sensibler Note, die irgendwo zwischen Empfindsamkeit und Aufklärung angesiedelt waren. Füssli zog es jedoch vor, seine Werke in die Welt der Träume, der Dramatik und - wie auch Goya - des Grauens zu verlagern. Füsslis bekanntestes Gemälde Nachtmahr  von 1781 ist ein Paradebeispiel für diese Thematik: Auf der Brust einer schlafenden Frau hockt die Verkörperung eines Alptraumes, während aus dem Dunkeln der Kopf eines Pferdes mit weißen (blinden?) Augen auftaucht. Definitiv kein Bild, das man im Schlafzimmer aufhängen sollte...

Théodore Géricault, Abgetrennte Köpfe, 1819

Théodore Géricault, Abgetrennte Köpfe, 1819 | Abb. via wanderwonder.com Théodore Géricault, Abgetrennte Köpfe, 1819 | Abb. via wanderwonder.com

Als Théodore Géricault im Pariser Salon von 1819 sein bekanntes Werk Das Floß der Medusa vorstellte, war der Skandal perfekt. Zum einen, weil das Werk die realen und vor allem erschütternden Ereignisse aufgriff, die sich nach drei Jahre zuvor nach einem Schiffbruch vor der Küste Westafrikas  abgespielt hatten (Stichwort "Kannibalismus"), zum anderen, weil die Darstellung der elenden, teilweise bereits toten Personen an Bord des Floßes auf absolut Grauen erregende Weise dargestellt wurden. Vor der Ausführung seines Werks fertigte Géricault einige makabere Studien dafür an. Abgetrennte Köpfe ist ein Beispiel dafür.

William Blake, Der große rote Drache mit der von der Sonne bekleideten Frau, 1805-10 und Der Geist eines Flohs, 1819/20

William Blake, Der große rote Drache mit der von der Sonne bekleideten Frau, 1805-10 | Abb. via Wikipedia William Blake, Der große rote Drache mit der von der Sonne bekleideten Frau, 1805-10 | Abb. via Wikipedia

Der englische Dichter und Maler William Blake gehört wohl zu den frühesten Künstlern, die sich in ihren Werken von Spiritualität leiten ließen, Selbstredend wurde er von seinen aufgeklärten Zeitgenossen abgelehnt. Erst mit dem Aufkommen der Romantik im frühen 19. Jahrhundert, fanden seine Arbeiten zunehmend Anerkennung und wurden von anderen Künstlern aufgegriffen. Das zwischen 1805 und 1810 entstandene Gemälde Der große rote Drache mit der von der Sonne bekleideten Frau schuf Blake als Illustration des alttestamentlichen Buches Hiob. 1981 diente es dem amerikanischen Autor Thomas Harris als Inspirationsquelle für den ersten Roman der Hannibal Lecter-Reihe Roter Drache.

William Blake, Der Geist eines Flohs, 1819/20 | Abb. via Wikipedia William Blake, Der Geist eines Flohs, 1819/20 | Abb. via Wikipedia

Blake hat mehrmals in seinem Leben erklärt, dass er Offenbarungen erlebt hätte. Bereit als Kind soll er das zweite Gesicht gehabt haben. Eine dieser Erscheinungen war der Geist eines Floh, der ihm im Schlaf besucht hatte. Sofort fing er sein Traumerlebnis in einer Miniatur ein, die den Geist eines Flohs als dämonengleiches Ungeheuer darstellt, das gierig auf seine blutige Beute in einem Gefäß blickt.

Clinton Boisvert, Boxes of Fear, New York, 2002

Clinton Boisvert, Boxes of Fear, New York, 2002 Clinton Boisvert, Boxes of Fear, New York, 2002

Gruselige Kunst kann natürlich nicht nur zweidimensional sondern auch dreidimensional sein. Im Dezember stießen die Fahrgäste der New Yorker U-Bahn auf große schwarze Boxen, die mit dem Schriftzug "FEAR" versehen worden waren. Nachdem die Terroranschläge vom 11. September noch nicht so lange zurücklagen, kann man sich vorstellen, wie die Reaktionen ausfielen: die Union Square Station, in der die Kisten gefunden wurden, wurde für sechs Stunden gesperrt, die U-Bahn evakuiert, während Bombenexperten die Boxen untersuchten. Schließlich stellte sich heraus, dass es sich lediglich um ein Projekt des Kunststudenten Clinton Boisvert handelte.

Bill Stoneham, The Hands Resist Him, 1972

Bill Stoneham, The Hands Resist Him, 1972 (Detail) | Abb. via cultofwierd.com Bill Stoneham, The Hands Resist Him, 1972 (Detail) | Abb. via cultofwierd.com

Manchmal ist nicht nur eine Gemälde selbst unheimlich, sondern auch die Geschichte, die sich dahinter verbirgt - oder angeblich verbirgt. The Hands Resist Him wurde 1972 vom amerikanischen Künstler Bill Stoneham gemalt und basiert auf einer Fotografie, die ihn selbst in jungen Jahren mit der puppengleichen Nachbartochter zeigt. Die beiden Kinder stehen vor einem Fenster, das den Blick auf ein Vielzahl von Händen gewährt, die aus dem Dunkel heraus nach den Kindern zu greifen scheinen.

Im Jahr 2000, also rund zwanzig Jahre nach seinem Entstehen, wurde das Werk bei Ebay angeboten. In der Anzeige gaben die Verkäufer, ein älteres Ehepaar, an, dass sie das Bild einsam und verlassen an eine Scheunenwand gelehnt vorgefunden hätten. Sie nahmen es mit nach Hause, wo sich allerlei Unheimliches abgespielt haben soll: Nachts hörte man die Kinder im Bild miteinander sprechen und der Junge trat wiederholt aus dem Rahmen.

Die Anzeige und das Gemälde wurden zum Internetmythos und es wurde ergänzt, dass drei ehemalige Eigentümer des Bildes verstorben sein sollen, während es sich in ihrem Besitz befand. Verflucht oder nicht - The Hands Resist Him hat in jedem Fall Gruselpotenzial.

Dario Puggioni, Collapse, 2015

Dario Puggioni, Collapse, 2015 | Abb. via bernheimercontemporary.de Dario Puggioni, Collapse, 2015 | Abb. via bernheimercontemporary.de

Unter den zeitgenössischen Künstlern gehört Dario Puggioni zu der Sorte, deren Werke nicht unbedingt die positivsten Gefühle auslösen. Puggioni wurde in Rom geboren, lebte und arbeitete aber lange in Berlin. Zu seinen bevorzugten Themen gehören Plagen, Verfall und das Wissen um die Vergänglichkeit des Menschen, die er zu einer Reihe wirklich gruseliger Bilder verbreitet hat. Collapse von 2015 ist nur eines von vielen.

Francis Bacon, Study After Velazquez’s Portrait of Innocent X, 1953

Francis Bacon, Study After Velazquez’s Portrait of Innocent X, 1953 | Abb. via Wikipedia Francis Bacon, Study After Velazquez’s Portrait of Innocent X, 1953 | Abb. via Wikipedia

Einer der bekanntesten Künstler des 20. Jahrhunderts war der geborene Ire Francis Bacon. Berühmt wurde er vor allem für seine Akte, in denen sich Modelle und Freunde in einer rohen, flacheren Version ihrer selbst wiederfinden konnten. Bacon nahm aber auch immer wieder Bezug auf die Werke anderer Künstler, darunter der spanische Barockmaler Diego Velazquez.

1953 verwendete er Velazquez' Portrait von Papst Innozenz X. als Vorlage für eines seiner eigenen Werke. Er verwandelte es so, dass es aussieht als würde das katholische Kirchenoberhaupt schreien. Die einen sagen nun, Bacon hätte damit den Tod seines Vaters verarbeitet, der kurz zuvor gestorben war. Andere meinen, er wollte damit lediglich seinen Atheismus zum Ausdruck bringen.

Salvator Rosa, Die Versuchung des Hl. Antonius, 1645

Salvator Rosa, Die Versuchung des Hl. Antonius, 1645 | Ab. via Wikipedia Salvator Rosa, Die Versuchung des Hl. Antonius, 1645 | Ab. via Wikipedia

Salvator Rosa war ein italienischer Maler, Dichter und Musiker, der im 17. Jahrhundert lebte. Er widmete sich meist der Landschaft, die er mit Staffagen aus Soldaten oder Räubern belebte. Hin und wieder fügte er seinen Arbeiten aber auch ein gehöriges Maß an Dramatik, ja sogar Surrealismus hinzu, was in der damaligen Zeit gänzlich unüblich war. In dem vorliegenden Werk sieht sich der Eremit Antonius bei seiner Wanderung durch die Wüste mit einigen gruseligen Gestalten konfrontiert, die ihn im Namen des Teufels in Versuchung führen wollen.

Gustave Moreau, Diomède dévoré par ses chevaux, 1865

Gustave Moreau, Diomède dévoré par ses chevaux, 1865 | Abb. via Wikipedia Gustave Moreau, Diomède dévoré par ses chevaux, 1865 | Abb. via Wikipedia

Was kann man tun, wenn sich die eigenen Haustiere plötzlich gegen einen wenden? Mit dieser Frage musste sich Thrakerkönig Diomedes aus der griechischen Mythologie auseinandersetzen. Diomedes war stolzer Besitzer von vier Pferdebestien, die in den Sümpfen lebten und sich von Menschenfleisch ernährten. Mit ihnen terrorisierte er sein Volk. Da trat der Heros Herakles auf den Plan, der es im Zuge seiner 12 auferlegten Arbeiten auch mit den Pferdebestien aufnehmen musste. Er beendete schließlich die Terrorherrschaft, indem er Diomedes selbst den unheimlichen Rössern zum Fraß vorwarf.

Hieronymus Bosch, Der Garten der Lüste, um 1500

Hieronymus Bosch, Der Garten der Lüste, um 1500 | Abb. via Wikipedia Hieronymus Bosch, Der Garten der Lüste, um 1500 | Abb. via Wikipedia

Die mysteriöse Kunst von Hieronymus Bosch wirft bis heute so manche Frage auf. Das Triptychon Der Garten der Lüste, das zwischen 1490 1510 entstand, macht da keine Ausnahme. Der linke Flügel stellt den Garten Eden dar, das große Mittelbild den Garten der Lüste mit allerhand liebestoller Menschen und der rechte Flügel schließlich die Hölle, in der die Verdammten, umgeben von verstörenden Wesen, so manche Qual ertragen müssen. Über das Leben von Hieronymus Bosch ist nur wenig bekannt, weshalb seine Symbolik nur schwer zu deuten ist.

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