Nach der Auktionswoche mit Moderner und Zeitgenössischer Kunst im Mai, ist der Fokus der Oktoberauktionen im Dorotheum auf die Kunst und das Kunsthandwerk weiter zurückliegender Epochen gerichtet. Die Versteigerungen beginnen am 17. Oktober um 17 Uhr mit Gemälden Alter Meister. Am darauffolgenden Tag stehen ab 14 Uhr Antiquitäten auf dem Programm. Den Abschluss bilden am 19. Oktober schließlich Juwelen (14 Uhr) sowie Gemälde des 19. Jahrhunderts (17 Uhr).

Einflüsse und Inspiration bei den Alten Meistern 

GIOVANNI PAOLO CASTELLI gen. LO SPADINO (Rom 1659 – um 1730) Von links nach rechts: Anthropomorphe Allegorie des Frühlings, des Sommers, des Herbstes, des Winters Je Öl/Lwd., 131 x 94 cm, gerahmt GIOVANNI PAOLO CASTELLI gen. LO SPADINO (Rom 1659 – um 1730)
Von links nach rechts: Anthropomorphe Allegorie des Frühlings, des Sommers, des Herbstes, des Winters
Je Öl/Lwd., 131 x 94 cm, gerahmt

Die Gemälde Alter Meister sind in ihrer Auswahl mit knapp 400 Werken breit aufgestellt: Dort sind Stillleben genauso anzutreffen wie Landschaften, Stadtansichten, religiöse Malerei, Genreszenen und Portraits. Eine interessante Mischung aus Portrait, Landschaft und Stillleben stellt der Zyklus der vier Jahreszeiten von Giovanni Paolo Castelli dar. Vorbild für diese ungewöhnliche Bildserie des Barock dürfte jene von Giuseppe Arcimboldo gewesen sein. Dieser Meister des italienischen Manierismus stellte nicht nur Frühling, Sommer, Herbst und Winter mithilfe von Obst und Gemüse dar, sondern auch die vier Elemente und sogar Kaiser Rudolf II., der ihm zum Dank den Titel eines Pfalzgrafen verlieh.

GIUSEPPE ARCIMBOLDO (um 1526 Mailand 1593) - Die Vier Jahreszeiten, 1573, Musée du Louvre Abb. via Wikipedia GIUSEPPE ARCIMBOLDO (um 1526 Mailand 1593) - Die Vier Jahreszeiten, 1573, Musée du Louvre
Abb. via Wikipedia

Auch Die heilige Praxedis von Felice Ficherelli ist ein Werk der Inspiration - jedoch in umgekehrter Richtung. Denn der toskanische Barockmaler ließ sich dafür nicht von anderen Werken inspirieren, sondern inspirierte damit andere Künstler. Genauer gesagt den Meister des niederländischen Barock Jan Vermeer, den das Bild so tief beeindruckte, dass er es kopierte. Beide Werke unterscheiden sich jedoch in eigigen Teilen: Die Personen rechts im Hintergrund sind unterschiedlich gestaltet, die Position des Kopfes des hingerichteten Märtyrers ist nicht dieselbe. Auch hält Praxedis bei Vermeers Version zusätzlich ein Kreuz in den Händen, mit denen sie einen blutgetränkten Schwamm auswringt.

Links: FELICE FICHERELLI (San Gimignano 1603–1660 Florenz) - Die heilige Praxedis, Öl/Lwd., gerahmt Rechts: JAN VERMEER (1632 Delft 1675) - Die heilige Praxedis, Öl/Lwd., signiert und datiert, 1655, Privatsammlung, Dauerleihgabe Nationalmuseum für westliche Kunst,Tokio Abb. via Wikipedia Links: FELICE FICHERELLI (San Gimignano 1603–1660 Florenz) - Die heilige Praxedis, Öl/Lwd., gerahmt
Rechts: JAN VERMEER (1632 Delft 1675) - Die heilige Praxedis, Öl/Lwd., signiert und datiert, 1655, Privatsammlung, Dauerleihgabe Nationalmuseum für westliche Kunst,Tokio
Abb. via Wikipedia

Das kaiserliche Wien bei den Antiquitäten

Unter den Antiquitäten der Auktion sind viele hochinteressante Stücke des Wiener Empire zu finden. Ein äußerst seltenes Möbelstück ist der herrschaftliche Kombinationstisch aus Mahagoni, dessen Aufsatz ein Portrait der Familie Kaiser Franz I. zeigt, was eine hohe Provenienz des Tisches nahelegt. Solche Kombinationstische, auch "Bonheur-du-jour" genannt, gehörten ab der Mitte des 18. Jahrhunderts in das Boudoir einer jeden vornehmen Dame, die dort ihren Vormittag verbrachte, indem sie ihre Korrespondenz erledigte, sich frisieren und ankleiden ließ und persönliche Gäste empfing. Ein solches Boudoir mit "Bonheur-du-jour" und allerhand dem Zeitvertreib dienenden Objekten hat der französische Maler Pierre Antoine Baudouin mit einem Hauch Ironie wiedergegeben.

Links: PIERRE ANTOINE BAUDOUIN (1723-1769) - La Lecture, um 1760, Musée des Arts Décoratifs, Paris Abb. via Wikipedia Rechts: BERNARD VON GUERHARD (Düsseldorf 1771 – 1836 Neapel) - Empire-Kombinationstisch mit Portrait der kaiserlichen Familie, Mahagoni, vergoldete Bronze, signiert und datiert, Wien 1808 Links: PIERRE ANTOINE BAUDOUIN (1723-1769) - La Lecture, um 1760, Musée des Arts Décoratifs, Paris
Abb. via Wikipedia
Rechts: BERNARD VON GUERHARD (Düsseldorf 1771 – 1836 Neapel) - Empire-Kombinationstisch mit Portrait der kaiserlichen Familie, Mahagoni, vergoldete Bronze, signiert und datiert, Wien 1808

Vom berühmten Wiener Glasmaler Anton Kothgasser sind mehrere Arbeiten in der Auktion vertreten, allen voran natürlich seine Pokale und Ranftbecher, die er mit Ansichten aus der österreichischen Hauptstadt verzierte. Doch auch sein Ursprung als Porzellanmaler der Kaiserlichen Manufaktur ist in der Auktion durch mehrere Lose dokumentiert.

Diamantenfieber bei den Juwelen

Die 131 Lose der Juwelen-Auktion bringen garantiert jedes Auge zum Leuchten und jedes Herz zum Klopfen. Besonders spektakulär ist die große Auswahl an Diamantschmuck, welcher von einem Solitärring aus Weißgold angeführt wird, den ein exquisiter Diamant von 6,21 ct im Smaragdschliff ziert.

Ladies und Landschaften im 19. Jahrhundert

Genauso abwechslungsreich wie die Werke der Alten Meister sind auch die Gemälde des 19. Jahrhunderts, die den Abschluss der Auktionswoche bilden. Portraits und Landschaften dominieren hier das Angebot. Ein wundervolles Beispiel für ein elegantes Damenportrait der Belle Époque stellt jenes der Diane de la Bouchère von Vittorio Matteo Corcos dar. Der Italiener Corcos lebte viele Jahre in Paris, wo er sich auf Portraits von Mitgliedern der High Society spezialisierte. Seine Arbeiten waren sehr gefragt, schaffte Corcos es doch, nicht nur das Äußere der dargestellten Person gekonnt wiederzugeben, sondern auch deren Innerstes zum Ausdruck zu bringen.

Der Einfluss der Schule von Barbizon ist bei den Arbeiten des bedeutenden rumänischen Malers Nicolae Grigorescu unverkennbar. In schneller Manier brachte er seine Motive auf die Leinwand. Seine Motive fand er häufig im ländlichen Alltagsleben seiner Heimat, so wie auch bei dem hier vorliegenden Werk Die Spinnerin. Bei dieser Arbeit wird noch ein anderes Stilelement Grigorescus, der einer der Begründer der modernen Malerei in Rumänien war, deutlich: Die in die Länge gezogenen Körperformen der dargestellten Personen.

Unter den Landschaften des 19. Jahrhunderts sind vor allem jene aus dem Alpenraum hervorzuheben. Der Alpinismus steckte Mitte des 19. Jahrhunderts noch in den Kinderschuhen, als der Kärntner Maler Marcus Pernhart begann, die Landschaft und die Berggipfel seiner Heimatregion zu portraitieren. Sein Ehrgeiz, direkt nach der Natur zu malen, brachten Pernhart, in Schnee und Eis arbeitend, oft an die Grenzen des Erträglichen.

Die Auktionen der Auktionswoche finden vom 17. bis 19. Oktober im Palais Dorotheum in Wien statt. Dort können auch ab dem 7. Oktober die Vorbesichtigungen besucht werden.

Entdecken Sie das gesamte aktuelle Angebot des Wiener Dorotheums hier bei Barnebys.

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