Die Versteigerung der Sammlung Klaus J. Jacobs war nicht nur allgemein ein voller Erfolg (das Ergebnis war beinahe dreimal so hoch wie die Gesamttaxe), man konnte sich zudem über einen Weltrekord freuen. Das Gemälde Friesische Familie beim Kaffeetrinken des norddeutschen Malers Carl Ludwig Jessen erzielte den höchsten Preis, der jemals für ein Werk des Künstlers in einer Auktion gezahlt wurde.

In der Auktion mit Moderner Kunst am 1. Dezember kommen weitere Werke aus der Sammlung zum Aufruf, allen voran Le Moulin à café von Georges Braque. Das mit Ölfarbe gemalte und mit Sand akzentuierte Stillleben gehört zur späten Schaffensphase des Künstlers, der es 1942 während der deutschen Besatzungszeit in Frankreich malte. Vom Titel her auf die Kaffeemühle bezogen, stehen jedoch der Fisch und die Zwiebel und deren Beziehung zueinander im Fokus.

Zur gleichen Zeit wie Braques Stillleben entstand Brasserie Viennois des Schweizer Malers Varlin (bürgerlich Willy Guggenheim). Varlin, der in Berlin und Paris studierte und von 1923 bis 1935 in der französischen Hauptstadt lebte, lässt die Mitarbeiter des dargestellten Kaffeehauses wie auf einer Bühne vor ihrem Arbeitsplatz in Erscheinung treten und den Betrachter anblicken, was der Szenerie eine gewisse Düsternis verleiht.

In die Berliner Kaffeehausszene entführen uns George Grosz und Lesser Ury mit diesen beiden Werken. Grosz' Kaffeehaus Ober zwei kleine Pils aus der besten Schaffensphase des Künstlers ist eine für das Oeuvre des Künstlers typische Gesellschaftstudie der spätwilhelminischen und frührepublikanischen Ära Berlins.

In Lesser Urys Im Café Bauer, Berlin von 1888/89 geht es noch weitaus gediegener zu. Das Café Bauer war 1877 eröffnet worden und wurde bald zu einem beliebten Treffpunkt in der Hauptstadt des Deutschen Kaiserreiches. Im Gemälde sitzt links im Vordergrund ein Zeitung lesender Mann. Zeitung lesen war - neben Kaffeetrinken - das beste, das man im Café Bauer tun konnte, bot das Lokal doch eine breite Auswahl an internationalen Zeitungen und außerdem elektrisches Licht, was damals noch eine Seltenheit war. Licht spielt in Urys Arbeit eine wichtige Rolle, die vor allem in den gekonnt gemalten Reflexionen von Licht und Schatten auf dem Boden vor der geöffneten Terrassentür zum Ausdruck kommt.

Die Auktion mit Moderner Kunst beginnt am 1. Dezember um 18 Uhr. Neben den Werken aus der Sammlung Klaus J. Jacobs kommen auch Arbeiten von Emil Nolde, Hermann Max Pechstein, Lovis Corinth, Ernst Wilhelm Nay und anderen zum Aufruf.

Ebenfalls am 1. Dezember finden zwei Auktionen zum Thema "Fotografie" statt. Neben einer allgemeinen Versteigerung um 14 Uhr, beginnt um 16 Uhr eine Auktion, die der Arbeit des Fotokünstlers Heinrich Kühn gewidmet ist. Kühn war ein Pionier der Kunstfotografie zu Beginn des 20. Jahrhunderts, der sich mit seinen Arbeiten an den Impressionismus anlehnte. Die gemalte Wirkung seiner Bilder erzielte er ausschließlich durch fotografische Mittel.

Wie eine Fotografie wirkt auch Gerhard Richters Teyde Landschaft von 1971, die am 2. Dezember Teil der Auktionen mit Zeitgenössischer Kunst ist (Beginn 14 und 15 Uhr). Tatsächlich bediente sich Richter dafür eines Fotos, das er bei seinem Aufenthalt auf Teneriffa 1969 vom Pico del Teide schoss. Durch die Umsetzung als Gemälde erfüllte er den nichtssagenden Bildausschnitt mit Leben.

Ein Zusammenspiel aus Licht, Ton und Bewegung ist die titellose Wandskulptur aus Papageienfedern, Metallstäben und einem Elektromotor der deutschen Künstlerin Rebecca Horn. Die 1995 entstandene Arbeit widerspiegelt den immer währenden Kreislauf des Lebens aus Präsentieren und Verstecken, unterstrichen in seiner Unabänderlichkeit durch das fortwährende monotone Summen des Motors.

Die Auktionen mit Zeitgenössischer Kunst umfassen des weiteren Arbeiten von Otto Piene, Yves Klein, Joseph Beuys, Josef Albers, Andy Warhol und William Nelson Copley.

Außerdem findet am 8. Dezember eine Versteigerung mit asiatischer Kunst statt im Auktionshaus Lempertz statt, die 960 Lose mit Malerei, Porzellan, Möbeln, Schnupftabakflaschen und Kleinkunst umfasst.

Alle aktuellen Objekte des Auktionshauses Lempertz finden Sie hier bei Barnebys.

 

Kommentar