Für Sehnsüchtige

Auf unvergleichliche Art und Weise hat der russisch-armenische Marinemaler Ivan Konstantinovich Aivazovsky in seinen Werken die Elemente Licht und Wasser kombiniert. Die Farbintensität von Sonne oder Mond wird von der Wasseroberfläche, welche erst in Aivazovskys Spätwerk eine stürmische wird, reflektiert. Das vorliegende Gemälde wurde erst kürzlich in einer Privatsammlung entdeckt und ist in seiner Gestaltung einzigartig im Oeuvre des Malers, der in diesem Jahr seinen 200. Geburtstag feiert. Bei dem Schiff in stürmischer See handelt es sich um ein Wikingerboot. Die Wikinger reisten als Waräger vom 8. bis 12. Jahrhundert von der Ostsee über die Flüsse Westrusslands bis nach Konstantinopel und Arabien. Im 9. Jahrhundert sollen sie zudem die Kiewer Rus gegründet haben, den Vorläufer der Russischen Reiches.

Einen weiteren russischen Meister des Lichts haben wir mit Ivan Fedorovich Choultsé vor uns, von dem drei Werke in der Auktion zum Aufruf kommen. Choultsé war ein Vertreter des Realismus, dessen Landschaften vollkommen ohne belebende Motive, wie Tiere oder Menschen, auskamen. Seine Ausbildung erhielt Choultsé, dessen Vorfahren mit dem Namen Schultze im 18. Jahrhundert von Deutschland nach Russland ausgewandert waren, an der Petersburger Kunstakademie. Vor der Februarrevolution 1917 konnte Choultsé bereits einige Erfolge für sich verbuchen. Zu seinen Kunden zählten Mitglieder der Zarenfamilie, darunter auch Zar Nikolai II. selbst, sowie Carl Fabergé.

Nach der Revolution begab sich Choultsé zunächst auf eine ausgedehnte Reise, die ihn in die Schweiz, nach Frankreich und Italien führte, wo viele Werke entstanden. Nachdem er 1921 noch einmal in seine Heimat zurückgekehrt war, entschloss er sich, endgültig nach Frankreich auszuwandern. 1927 wurde er französischer Staatsbürger. Choultsé konnte mit seinen Werken, die häufig Winterlandschaften zum Thema hatten, an frühere Erfolge anknüpfen.

Nicht nur in Europa war ihm Ruhm beschert, sondern auch jenseits des Atlantiks stießen seine Arbeiten auf großes Interesse. Dem amerikanischen Publikum war Choultsé bald als Wizard of Light bekannt, eine Bezeichnung die aufgrund des meisterhaften Einsatzes von Licht und Lichtreflexionen, mehr als zutreffend ist. Choultsés Erfolg in Amerika war so groß, dass dort mehr seiner Werke in Museen zu finden sind, als in seiner Heimat. Auch stammen zwei der vorliegenden Gemälde aus einer kanadischen Privatsammlung. Ivan Fedorovich Choultsé starb 1939 in Nizza. Sein genaues Sterbedatum ist nicht bekannt.

Für Poeten

Unter den Möbeln der Auktion sind vor allem drei ganz besondere Schreibtische hervorzuheben. Oben sehen sie ein Mahagoni-Bureau des württembergischen Ebenisten Johann Klinckerfuss. Das wertvolle Möbelstück, welches nachweislich zwischen 1812 und 1864/66 Teil der Ausstattung des Neuen Schlosses in Stuttgart war, ist mit 13 Federzeichnungen dekoriert, die neben Figurenstaffagen in idealisierten Landschaften verschiedene Tiere wie Kühe, Ziegen, Enten und Vögel zeigen.

Auch die Erschaffer der beiden anderen Schreibtische sind namentlich bekannt. Jean François Dubut hat mit seinem Exemplar ein Meisterwerk gefertigt, welches den damaligen Geschmack für chinesische und exotische Zierelemente widerspiegelt. Vermutlich handelte es sich um einen Spezialauftrag eines Marchand-Merciers. Im 19. Jahrhundert war der Tisch aus Veilchenholz Teil der Hillingdon Collection, einer der bedeutendsten Privatsammlungen für französische Louis XV- und Louis XVI-Möbel, die Sir C. Mills (1792-1872) zusammengetragen hatte.

Bei diesem Bonheur du Jour ist der Name wahrlich Programm. Die exquisite Arbeit aus fein geschnitzten und eingelegten Edelhölzern ist eine echte Augenweide. Die als zierliche Damenschreibtische genutzten Bonheurs du Jour waren eine Erfindung der Pariser Marchand-Merciers im 18. Jahrhundert und entwickelten sich zu einem der beliebtesten Möbelstücke. 1788 hat Anton Hickel (1745-1798) Madame de Lamballe (1749-1792), eine Freundin Marie Antoinettes, an einem Bonheur du Jour sitzend dargestellt.

ANTON HICKEL - Porträt der Prinzessin de Lamballe, 1788 Abb. via Wikipedia ANTON HICKEL - Porträt der Prinzessin de Lamballe, 1788
Abb. via Wikipedia

Für Genießer

Kaum ein anderes Genre in der Malerei gibt so detailverliebt die irdischen Genüsse wieder, wie die niederländische Stilllebenmalerei des 17. Jahrhunderts. Jene Epoche war in der Niederländischen Republik von großem Reichtum geprägt. Die Ostindien-Kompanie brachte aus Asien Exotisches in das kleine Land an der Nordsee, mit denen die dort ansässigen Händler europaweit handeln konnten. Dies förderte eine abwechslungsreiche Tafel wie auch die niederländische Malerei gleichermaßen. Was läge da also näher, als diese beiden Dinge miteinander zu kombinieren? Denn damit förderte man nicht nur die heimische Kunstszene, sondern konnte als erfolgreicher Bürger auch seinen eigenen Reichtum gekonnt in Szene setzen lassen.

Der Wohlstand und Luxus, der die Aufraggeber von Balthasar van der Ast und David Rijckaert d. J. umgab, ist auf den vorliegenden Gemälden unverkennbar: Erlesene Speisen, wertvolle Serviceteile, exotische Muscheln und Papageien und sogar rotweiße Tulpen, die als die Begehrtesten unter diesen Blumen galten. Mit van der Ast und Rijckaert haben wir zwei Meister des Genres vor uns, deren Motive zwar ähnlich waren, die sie aber auf individuelle Weise ins rechte Licht rückten.

Für Leidenschaftliche

Bei dem Klavierauszug mit Text handelt es sich um Mendelssohns einziges eigenhändiges Manuskript zu Bachs Matthäus-Passion. Das Manuskript, welches drei Stücke aus der Passion umfasst, fertigte der Komponist und Dirigent 1830 für die Schwester seines späteren Librettisten Julius Schubring auf, in dessen Haus er sich zu diesem Zeitpunkt aufhielt. Felix Mendelssohn-Bartoldy führte im Laufe seiner Karriere neben seinen eigenen Stücken auch die anderer Komponisten auf, vor allem Händel und Bach, was zu einer Wiederentdeckung der Musik Bachs in Deutschland führte.

Für Schatzsucher

In der Kategorie Schmuck besticht dieses vintage Modell aus dem Hause Van Cleef & Arpels, das sowohl als Collier als auch als Armband getragen werden kann. Die Serie, der das mit reichem Edelsteindekor versehene Stück stammt trägt passender Weise den Namen "Zip". Durch die Reißverschluss-Funktion wird die Trageweise verändert. Den Schieber ziert zudem eine fein gearbeitete Quaste aus winzigen Goldringen. Die Serie kam 1950 auf den Markt.

VAN CLEEF & ARPELS - Serie "Zip": Aus dem Collier wir ein Armband Abb. via Wikipedia VAN CLEEF & ARPELS - Serie "Zip": Aus dem Collier wir ein Armband
Abb. via Wikipedia

Alle vorgestellten Objekte sind Teil der Frühjahrsauktionen, die Koller am 28. März sowie vom 30. März bis 1. April in Zürich abhält. Eine großartige Auswahl feinster Kunst und Kunsthandwerk aus 9 Katalogen kommt zum Aufruf: Schmuck, Möbel, Skulpturen, Porzellan & Silber, Teppiche, Alte Graphik, Zeichnungen Alter Meister, Gemälde Alter Meister, Gemälde des 19. Jahrhunderts, Bücher sowie Autographen.

Die Vorbesichtigungen zur Frühjahrsauktion finden vom 22. bis 27. März statt. Sämtliche Lose können Sie aber auch gleich hier bei Barnebys entdecken.

Kommentar