Franz Seraph von Lenbach gehörte zu den begehrtesten Portraitmalern des 19. Jahrhunderts. Er "hatte sie alle": Monarchen, Politiker und andere Persönlichkeiten seiner Zeit. darunter Otto von Bismarck, mit dem Lenbach nicht nur durch eine Reihe von Portraits, sondern auch durch eine persönliche Freundschaft verbunden war.

Das in der Auktion von Rütten vorliegende Gemälde Lenbachs zeigt jedoch einen unbekannten Herrn, der einen üppigen Schnauzbart mit dem preußisch-deutschen Kanzler gemeinsam hat. Der Umstand der Anonymität des Dargestellten, ermöglich eine verstärkte Konzentration auf die feine Komposition des Bildes, das die typischen Merkmale eines Lenbach'schen Portraits aufweist.

Lenbach bildete die ihm Modell sitzenden Personen und Persönlichkeiten bevorzugt vor einem in Brauntönen gehaltenen Hintergrund ab. Bei diesem verzichtete er entweder vollkommen auf dekorative Elemente oder stellte diese lediglich auf diffuse Weise dar, sodass sich der Blick des Betrachters auf das Gesicht der dargestellten Person konzentrieren konnte.

Natürlich gibt es dabei auch Ausnahmen, die aber nicht unbedingt positiv aufgenommen wurden. Zu nennen wäre hier ein Portrait des österreichischen Kaisers Franz Joseph I., das als Gemeinschaftsarbeit von Lenbach, Hans Makart und Arnold Böcklin anlässlich der Weltausstellung 1873 entstanden war. Neben der unnatürlichen Haltung des Kaisers wurde vor allem der schlecht wiedergegebene Hintergrund mit allzu detailreichem Dekor kritisiert. Eine Kritik, die Lenbach in seiner üblichen Hintergrundgestaltung bestätigt haben dürfte.

Lenbachs Halbportrait eines Gentleman kommt am 7. April im Münchener Auktionshaus Rütten zum Aufruf. Die Auktion umfasst mehr als 300 Lose mit Gemälden, Skulpturen, Schmuck, Silber, Orientteppichen und vor allem Porzellan, das die umfangreichste Kategorie darstellt.

Neben Stücken der Manufakturen Meissen, Nymphenburg und Rosenthal kommt auch seltenes figürliches Porzellan von Allach zum Aufruf. Zum einen die unbemalte Figur Gaukler/Til Eulenspiegel zum anderen einen Elefanten mit erhobenem Rüssel, der die größte Tierplastik darstellt, die jemals von Allach hergestellt wurde. Beide Stücke wurden unter UV-Licht geprüft und weisen keinerlei Beschädigung auf.

Die Möglichkeit einer umfangreichen Bestückung des Ess- und Kaffeetisches bieten zwei Lose mit Porzellan der ungarischen Manufaktur Herend. Mit jeweils über 100 Teilen kommen ein Essservice sowie ein Kaffee-, Tee- und Mokkaservice zum Aufruf. Beide Service sind für 12 Personen ausgelegt und mit dem Dekor "Hagebutte" sowie einer Goldstaffage verziert.

Zu Tisch bittet auch ein signiertes Stillleben in Bleistift und Kreide des französischen Malers Georges Braque. Auf Papier hat dieser einen Turm aus Flaschen und Gläsern wiedergegeben und zu einem Turm verschmelzen lassen.

Ein weiteres Stillleben in der Auktion stammt aus Münchner Privatbesitz. Es handelt sich um eine Arbeit des ukrainischen Malers Sergei Fedorovitch Shisko, der vor allem für Darstellungen der ukrainischen Landschaft bekannt ist. Hier hat er nun die Natur sozusagen ins Haus geholt und in Form von Schneeglöckchen in Vasen aufgestellt.

Mit Blick auf Santa Maria della Salute bei Sonnenaufgang von Theodor Heilmayer haben wir hier noch ein sehr stimmungsvolles Bild eines weiteren Malers der Münchener Schule vor uns. Als Landschaftsmaler war Heilmayer fiel auf Reisen. Neben seiner oberbayerischen Heimat besuchte er zunächst Italien und Südtirol, später auch Norddeutschland, Frankreich und Belgien. Eine besondere Vorliebe hatte er für Nebelstimmungen und Mondnächte. Im vorliegenden Fall hat er sich für das Licht der Morgensonne entschieden und äußerst anspreche in Szene gesetzt.

Die Versteigerung im Auktionshaus Rütten beginnt am 7. April um 13 Uhr. Vorbesichtigungen können vom 3.-5. April (jeweils 11-18 Uhr) vorgenommen werden sowie eingeschränkt am Auktionstag von 11-13 Uhr.

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