Als eines der Highlights der Auktion mit Gemälden Alter Meister am 30. Mai, kommt bei Cambi ein qualitativ äußerst hochwertiges Damenportrait des Antwerpener Malers Jacob Ferdinand Voet, der Ende des 17. Jahrhunderts die High Society Europas auf Leinwand bannte. Darunter waren gekrönte Häupter, genauso wie illustre Persönlichkeiten. Zu letzteren gehörte auch die hier dargestellte Hortense Mancini, die erst am französischen Königshof glänzte und später in ganz Europa für Gesprächsstoff sorgte.

Hortense (Ortensia) war die Nichte des aus Italien stammenden Kardinals Jules Mazarin, der Mitte des "Grand Siècle" gemeinsam mit Königin Anna von Österreich die Staatsangelegenheiten für den noch unmündigen Ludwig XIV. lenkte. Mazarin holte die Kinder seiner Geschwister an den französischen Hof, darunter sieben bezaubernde Nichten, die bald nur noch als "Mazarinetten" bekannt waren. Eine von ihnen, Maria, wurde sogar die erste große des jungen Königs.

Alle Nichten des Kardinals heirateten, dank einer großzügig bemessenen Mitgift, in den französischen und italienischen Hochadel ein. Die schönste von ihnen war Hortense, die der Kardinal als seine Erbin einsetzte, mit Armand-Charles de La Porte verheiratet und zur Herzogin von Mazarin machte.

CambiNL

Ihr Mann erwies sich als Krankhaft eifersüchtig und Hortense flüchtete schließlich nach Italien, wo sie gerne in Männerkleidung herumlief und die Maitresse des regierenden Herzogs Karl Emmanuel von Savoyen wurde. Anschließend ging sie nach England, wo auch der König Karl II. ihrer Schönheit verfiel. 1699 starb Hortense im Alter von 53 Jahren und kehrte im Sarg nach Frankreich und zu ihrem eifersüchtigen Ehegatten zurück.

Ein Gemäldepaar, das sich die sinnliche Hortense gewiss auch an die Wand gehängt hätte, ist ein weitere Highlight der Auktion. Der aus Neapel stammende Paolo de Matteis war ein Maler, der Fresken und Tafelbilder religiösen Inhalts für die höchsten Auftraggeber in ganz Europa anfertigte. Doch auch mythologische Themen lagen ihm, so wie in L'educazione di Amore (Die Schule des Amor), ein Gemäldepaar, das nicht nur die Liebesgöttin und ihren geflügelten Lehrling zeigt, sondern auch den Götterboten Hermes.

Zwei weitere Gemäldepaare des venezianischen Malers Francesco Fontebasso zeigen vier Szenen aus dem Leben des Mose und des heiligen Daniel. Die erste Szene stellt die Auffindung des kleinen Mose im Weidenkörbchen am Ufer des Nils dar. Um keinen Irrtum aufkommen zu lassen, hat Fontebasso im Hintergrund den Pharo von Alexandria platziert, der die Szene eindeutig ins antike Ägypten datiert. Das Gemälde wird gemeinsam mit dem Bild Il sacrificio di Aronne (Das Opfer des Aaron) aufgerufen.

Zwei weitere Werke mit Szenen aus dem Alten Testament von Fontebasso kommen ebenfalls gemeinsam zum Aufruf. Dabei handelt es sich um Mose e Aronne celebrano la Pasqua (Moses und Aaron feiern das Pessach-Fest) sowie Daniele nella fossa dei leoni (Daniel in der Löwengrube).

Camillo Procaccini war wie Fontebasso berühmt für seine religiösen Tafelbilder und zahlreichen Fresken, deren Ausführung im Stil des Manierismus ihm den Beinamen "Vasari aus der Lombardei" einbrachte. In der Auktion ist der Maler der Spätrenaissance mit einer Verkündigungsszene vertreten.

Den soeben erleuchteten Kirchenvater und Eremit Hieronymus hat der in der Schweiz geborene Maler Giovanni Serodine hier mit einen für ihn typischen Attribut (Totenschädel) dargestellt. Serodine, der bereits mit Anfang 30 starb, kam gemeinsam mit seinem Bruder nach Italien. Hier arbeiteten sie zunächst als Stuckateure, bevor sich Giovanni zum meisterhaften Maler ausbilden ließ.

Bereits am 29. Mai finden zwei nicht weniger interessante Auktionen statt, bei den Skulpturen und Kunsthandwerk sowie Stücke aus einem adeligen Anwesen in Florenz zum Aufruf kommen.

In der Skulpturenauktion kommt ein ovales Terracottarelief zum Aufruf, das dem italienischen Bildhauer und Medailleur Massimiliano Soldani Benzi zugeschrieben wird. Das Relief zeigt die Nebenfrau Abrahams, Hagar, mit ihrem Sohn Ismael, die laut biblischer Überlieferung vor dem Zorn der Hauptfrau Sara in die Wüste geflohen waren, wo sie von einem Engel gerettet wurden.

Engel spielen auch die Hauptrolle bei einem Paar Marmorreliefs, die dem Bildhauer Iacopo della Pila und dessen Werkstatt zugeschrieben werden. Sie waren ursprünglich Teil eines architektonischen Grabschmucks, den Pila vermutlich für eine angesehene Familie in Neapel schuf, wo er zwischen 1471 und 1502 nachweislich tätig war.

Die Versteigerung von Objekten aus einem adeligen Anwesen führt uns zurück nach Florenz. Die Stücke stammen aus verschiedenen Epochen vom Mittelalter bis zum 20. Jahrhundert.

Aus dem 19. Jahrhundert stammt das allegorische Werk La Musica Sacra des in Florenz ausgebildeten Malers Silvestro Lega. Lega war ein Vertreter des Realismus, dessen Oeuvre Portraits, Landschaften, Genreszenen, Historienbilder und eben auch Allegorien umfasste.

Als letztes Objekt sehen wir hier ein hexagonales Ziborium aus weißem Marmor, das im 15. oder 16. Jahrhundert geschaffen wurde und die stilistischen Elemente der italienischen Renaissancearchitektur aufgreift. Es wurde als Hexagon geschaffen, das in der jüdischen und christlichen Zahlensymbolik für die Allmacht Gottes, das Gleichgewicht zwischen Göttlichem und Weltlichen aber auch die an sechs Tagen erfolgte Schöpfung steht.

Die drei Auktionen finden am 29. und 30. Mai im Mackenzie Castle in Genua statt. Die Ausstellungen zu allen Auktionen können dort vom 25. bis 28. Mai besucht werden.

Entdecken Sie jetzt alle aktuellen Lose von Cambi Casa d'aste hier bei Barnebys.

  

Kommentar