Als Fritz Winter 1944 die Bilderreihe Die Triebkräfte der Erde zu (Schreibmaschinen-)Papier brachte, war das nicht nur ein Schlüsselmoment im Schaffen des Künstlers, sondern auch für die Nachkriegskunst in Deutschland und Europa auf dem Gebiet der Abstraktion. Die unterirdische Höhlen darstellenden Bilder, die Winter als "entarteter" Künstler in aller Heimlichkeit während eines Genesungsurlaubs im Zweiten Weltkrieg schuf, vereinen mit einem schüchternen Lichteinfall die Hoffnung auf eine bald nahende bessere Zeit, mit einer Analyse des Entstehens und Vergehens sowie biografischen Elementen aus dem Leben des Künstlers.

Fritz Winter kam 1905 als Sohn eines Bergmanns in Altenbögge in Westfalen zur Welt. Im Alter von 14 Jahren begann Fritz ebenfalls im Bergbau zu arbeiten. Parallel besuchte er jedoch weiterhin die Schule, um später Medizin studieren zu können.

Es kam jedoch alles anders, als man Mitte der 1920er Jahre auf das Zeichentalent des jungen Mannes, der sich zu diesem Zeitpunkt mit den Werken van Goghs und Paula Modersohn-Beckers beschäftigte, aufmerksam zu werden, was zu einer Ausbildung am Staatlichen Bauhaus in Dessau führte. Dort lernte er u.a. bei Wassily Kandinsky und Josef Albers. Sein wichtigster Lehrer wurde jedoch Paul Klee, was sich in den frühen Arbeiten Winters widerspiegelt.

Des Weiteren hatten die konstruktivistischen Arbeiten des russischen Künstlers Naum Gabo großen Einfluss auf Winters Frühwerk. Auch mit dem Expressionisten Ernst Ludwig Kirchner verband ihn eine enge Freundschaft. All die unterschiedlichen Einflüsse führten dazu, dass sich Winter während seiner Karriere nie auf eine bestimmte Formansprache festlegte, sondern äußerst experimentierfreudig war.

Nur waren experimentierfreudige Künstler ab 1933 in Deutschland nicht mehr gern gesehen und auch Fritz Winter wurde ab 1937 ein Ausstellung- und Malverbot auferlegt. Als er zwei Jahre später zum Kriegsdienst eingezogen wurde und nach Polen und in die Sowjetunion marschierte, hatte er sein Skizzenbuch trotzdem dabei. In ihm hielt er abends die traumatischen Erlebnisse des Tages in oft stilisierter Form, sozusagen chiffriert, fest.

Nach einer Verwundung wird Winter in den Heimaturlaub geschickt - er lebt mit seiner Frau am Ammersee - wo er die maßgeblichen Triebkräfte der Erde entstehen. anschleißend muss er zurück an die Front, wo er auch Kriegsende in russische Gefangenschaft gerät.

Während Winters Abwesenheit werden Die Triebkräfte der Erde gleich nach dem Krieg mit einem Schlag berühmt - nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Europa - und haben enormen Einfluss auf die Nachkriegskunst. Nach seiner Rückkehr gründete Winter gemeinsam mit anderen gleichgesinnten Künstlern in München die Gruppe der Gegenstandslosen, die sich jedoch bald darauf in ZEN 49 umbenannte. Vielleicht, weil Winter die Gegenständlichkeit in seiner Kunst nie völlig aufgab?

Fritz Winter blieb ein fleißiger Maler, für den es nichts Schöneres gab, als morgens pünktlich in seinem Atelier zu stehen und zu malen. Er nahm an der documenta 1, II und III teil und war ab 1955 Professor an der Staatlichen Hochschule für Bildende Künste in Kassel. Bereits zu Lebzeiten wurde er mit zahlreichen Retrospektiven und Auszeichnungen geehrt.

In den Jahren vor seinem Tod 1976 schenkte er einen Großteil seiner Werke dem Galerieverein München, aus dem später die Fritz-Winter-Stiftung hervorging.

Die vier abgebildeten Arbeiten von Fritz Winter werden am 21. September im Zürcher Auktionshaus Schuler versteigert. Die Kunst und Antiquitätenauktion findet dort vom 19. bis 21. September statt und umfasst mehr als 2000 Lose. Neben Kunst verschiedener Epochen, Möbeln und Kunstgewerbe werden auch Schmuck sowie eine hochinteressante Auswahl an Armbanduhren angeboten.

Bereits am 17. September findet eine Online Only-Auktion statt, bei der insgesamt 19 Kategorien aufgerufen werden. Die Ausstellung zu den Auktionen ist vom 8.-14. September täglich von 11-18 Uhr für interessiere Besucher geöffnet.

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